KolumneWarum Smart Beta die Zukunft gehört

Nouriel Roubini
Nouriel Roubini
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Nouriel Roubini ist Vorsitzender von Roubini Global Economics und Professor an der Stern School of Business der New York University. Er ist als „Dr. Doom“ bekannt. Der Name wurde Roubini verliehen, weil er 2008 die Immobilienblase vorhersagte. Sie können ihm hier auf Twitter folgen.


Sogar in normalen Zeiten fällt es privaten und institutionellen Anlegern schwer zu entscheiden, wo sie am besten investieren und in was. Sollte man eher in Industriestaaten oder eher in Schwellenländer investieren? Wie entscheidet man, sein Portfolio neu auszurichten, und auf welche Weise?

Diese Entscheidungen sind in ungewöhnlichen Zeiten natürlich um so schwieriger, wenn große globale Veränderungen geschehen und Zentralbanken unkonventionelle Maßnahmen ergreifen. Aber ein neuer, preisgünstiger Ansatz verspricht, die Herausforderungen für Anleger in normalen und nicht so normalen Zeiten abzuschwächen.

In der Vermögensverwaltungsbranche gab es bisher zwei verschiedene Investitionsstrategien: aktiv und passiv. Zum passiven Ansatz gehören Investitionen in Aktienindizes, die bestimmte Benchmarks verfolgen, zum Beispiel den S&P 500 in den USA oder einen anderen Index aus einem Industrieland oder aus einem Schwellenland. Das bedeutet, dass man den Index des Marktes kauft.

Alpha oder Beta?

Passivität ist ein preisgünstiger Ansatz – einer Benchmark zu folgen, erfordert keine Arbeit. Aber der Ertrag ist begrenzt, da man nicht weiß, ob man Industrieländer oder Schwellenländer kaufen soll und welche Länder innerhalb welcher Gruppe besser dastehen werden als andere. Es wird in einen Korb aller Länder oder bestimmter Regionen investiert und das Ergebnis ist der durchschnittliche Marktertrag, „Beta” im Fachjargon.

Beim aktiven Ansatz dagegen wird die Investitionstätigkeit einem professionellen Portfoliomanager übertragen. Die Idee ist, dass ein Profi für Wertpapiere und Märkte die Auswahl vornimmt und Ergebnisse erzielt, die besser sind als der Durchschnittsertrag des ganzen Marktes. Das Ergebnis dieser Fonds ist „Alpha”: positive absolute Rendite, nicht das Marktbeta.

Dieser Ansatz birgt viele Probleme. Professionell verwaltete Investitionsfonds sind teuer, da die professionellen Verwalter viel handeln und saftige Prämien bezahlt bekommen. Darüber hinaus bleiben die meisten aktiven Verwalter, nämlich 95 Prozent, unter ihren Investitionsbenchmarks, ihre Renditen sind volatil und risikoreich. Der Erfolg ist zudem sehr launisch, außergewöhnliche Leistungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für ebensolche Erfolge in der Zukunft. Und schließlich stehen einem durchschnittlichen Investor nicht alle diese Verwalter zur Verfügung – genauso wenig wie Hedgefonds.

Daher sind die Ergebnisse dieser aktiv verwalteten Fonds normalerweise schlechter als die der passiven Fonds, die Renditen nach Auszahlung der Prämien sind sogar noch niedriger und risikobehafteter. Aktive Alphastrategien sind tatsächlich oft nicht nur schlechter als die Betastrategien, einige sind nur verdeckte Betastrategien (weil sie Markttrends verfolgen) – nur mit mehr Leverage und damit mehr Risiko und Volatilität.