FondsDummes Geld soll klüger werden

Sogenannte Smart-Beta-ETFs sind auf dem Vormarsch. Im ersten Halbjahr 2015 haben die Produkte auf dem europäischen Markt nach Angaben des Indexfonds-Anbieters Lyxor rund 2,3 Mrd. Euro eingesammelt. Das ist deutlich mehr als im ersten Halbjahr vergangenen Jahres. Insgesamt verwalten Smart-Beta-ETFs in Europa heute rund 11 Mrd. Euro. Die Anbieter legen immer mehr Produkte auf: Mitte Juli hat etwa Lyxor fünf neue Smart-Beta-ETFs mit komplizierten Namen wie „Lyxor J.P. Morgan Europa Low Size Factor Index UCITS ETF“ auf den Markt gebracht.

Smart Beta ist zweifellos der ETF-Trend des Jahres. Indexfondshäuser sprechen auch von Factor-Investing. Hinter diesen Schlagwörtern verbergen sich ETFs, die keine herkömmlichen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes nachbauen, sondern alternative Marktbarometer. „Smart Beta ist kein Strohfeuer, sondern eine dauerhafte Weiterentwicklung der Indexfondsbranche“, sagt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse beim Datenanbieter Lipper. Das heißt indes nicht, dass alle Smart-Beta-ETFs für Privatanleger geeignet wären.

komplizierter als herkömmliche Indexfonds

Die Grundidee hinter Smart Beta klingt erst einmal sinnvoll. Kauft man einen nach Marktkapitalisierung gewichteten Index, investiert man stets prozyklisch: Steigen die Kurse, kauft man in der Regel nach, investiert also besonders stark in die teuersten Werte. Alternativ gewichtete Indizes eröffnen Anlegern dagegen die Chance, Risiken zu minimieren oder Ineffizienzen am Markt in Rendite umzuwandeln.

Smart-Beta-ETFs sind allerdings komplizierter als herkömmliche Indexfonds. Sie würden oft nicht mehr als rein passive Produkte eingestuft, sondern als semi-aktive Anlageinstrumente, berichtet Glow. Privatanleger sollten sicherstellen, dass sie das Konzept hinter Smart-Beta-ETFs verstehen. Nur dann können sie einschätzen, ob ihnen eine spezielle Strategie nützt.

Zu den ältesten Smart-Beta-Strategien gehört der sogenannte Low-Volatility-Ansatz. Entsprechende Fonds gewichten schwankungsarme Aktien besonders hoch. Minimum-Varianz-ETFs funktionieren ähnlich: Bei den Produkten sollen eine breite Diversifikation, eine hohe Liquidität für ein besonders schwankungsarmes Portfolio sorgen, außerdem korrelieren die enthaltenen Aktien nur wenig miteinander. Risikooptimierende Ansätze gibt es bereits seit mehreren Jahren, anfangs noch nicht unter dem Label „Smart Beta“. Der französische ETF-Anbieter Ossiam gehörte zu den ersten Indexfondsgesellschaften, die entsprechende ETFs auf dem deutschen Markt anboten. Mittlerweile haben andere Anbieter nachgezogen.

Anleger sollten sich mit Indexfonds gut auskennen

Die ETF-Branche führt gerne Studien ins Feld, die belegen sollen, dass man mit risikooptimierenden Strategien höhere Renditen erzielen kann als mit Strategien auf klassische Indizes. Das funktioniere aber nicht in jeder Marktlage, warnt Lipper-Analyst Glow. Anleger müssen also entweder ein gutes Timing für den Ein- und Ausstieg haben, oder sehr langfristig investieren. Strategien, die Anlegern besonders hohe Renditen bringen sollen, sind noch riskanter als risikooptimierende Strategien und eignen sich nur für Anleger, die sich im Indexfondsmarkt sehr gut auskennen.

Smart-Beta-ETFs egal welcher Couleur sollten nicht den Hauptbestandteil eines Portfolios darstellen, rät Glow – schon gar nicht, solange die Branche noch im Stadium des Herumprobierens ist und sich die Spreu noch nicht vom Weizen getrennt hat. Als Beimischung für kundige Anleger seien die Produkte aber interessant.