Sachsen-WahlWarum sich rechte und linke Mitte jetzt zusammenraufen müssen

Nach der Landtagswahl in Sachsen zieht die AfD mit 27,5 Prozent als zweitstärkste Kraft in den Landtag in Dresden ein
Nach der Landtagswahl in Sachsen zieht die AfD als zweitstärkste Kraft in den Landtag in Dresden eindpa

CAPITAL: Vor der Landtagswahl hat Globalfoundries einen Wahlaufruf gegen Rechts gestartet. Wie waren die Reaktionen auf den Aufruf?

THOMAS MORGENSTERN: Wir haben keinen Aufruf gegen Rechts gestartet, wir haben nur noch einmal daran erinnert, dass unser Unternehmen einen Wertekanon besitzt. Dazu gehören Respekt im Umgang miteinander und das Bekenntnis zur Vielfalt, die uns bereichert und nicht ärmer macht. Wir hielten es für richtig, darauf im sächsischen Wahlkampfgetöse hinzuweisen. Interne und externe Reaktionen waren durchweg positiv, gerade weil wir uns „für“ etwas ausgesprochen und nicht „gegen“ etwas positioniert haben.

Trotz Ihres Einsatzes wird die AfD mit 27,5 Prozent als zweitstärkste Kraft in den Landtag einziehen. Wie geht Globalfoundries mit den Wahlergebnissen um?

Wahlergebnisse sind zu respektieren. Das gilt auch für den Wählerauftrag an den Gewinner der Wahlen, aus dem Ergebnis etwas „zu machen“, das heißt, eine Mehrheit für eine neue Staatsregierung im Landesparlament zu finden und im Anschluss eine ordentliche Politik für das Land und seine Menschen zu betreiben. Diese Verantwortung liegt jetzt ganz klar bei der CDU, den Grünen und der SPD. Alle drei müssen jetzt ihre Kompromissfähigkeit und -willigkeit unter Beweis stellen.

Was bedeutet das Wahlergebnis für die Unternehmen in Sachsen?

Das Wahlergebnis verlangt, dass sich rechte und linke Mitte zusammenraufen und in den nächsten 5 Jahren „liefern“, indem sie ein austariertes Regierungsprogramm umsetzen. Aus der Sicht der Mikroelektronik-Branche können wir sagen, dass Sachsen in den vergangenen 30 Jahren sehr viel erreicht hat und jetzt in vielen Bereichen erfolgreich weit oberhalb seiner Gewichtsklasse kämpft. Das Innovationspotential der Universitäten, Forschungseinrichtungen und der vielen kleinen und großen Unternehmen des Freistaats ist enorm. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Innovationen aus Sachsen auch künftig die großen Themen der Zeit adressieren können: Von Energieeffizienz über Mobilität bis hin zu Bildung und Medizin. Ich gehe davon aus, dass die künftige Staatsregierung das ähnlich sieht.

Fürchten Sie Auswirkungen auf Ihr Geschäft wegen des starken Abschneidens der AfD?

Nein.

Ministerpräsident Kretschmer hatte vor der Wahl betont, dass es für Sachsens wirtschaftlichen Erfolg auch neuer ausländischer Fachkräfte bedarf. Wie bewerten Sie dieses Ziel angesichts des Wahlerfolgs der AfD?

Wir kennen Herrn Kretschmer gut und wissen, dass er zu dieser richtigen Erkenntnis auch nach der Wahl steht. Seine Koalition, die sich jetzt abzeichnet, wird für ein der Welt zugewandtes, freundliches und offenes Sachsen stehen, und zwar aus Überzeugung.

Aktuell ist in den Medien von einer Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD die Rede. Was sind Ihre Erwartungen an eine neue Regierung in Sachsen?

Eine gute Zukunft Sachsens hängt natürlich weiterhin von einer klugen Innovations- und Wirtschaftspolitik ab. Aber jetzt, keine 24 Stunden nach der Stimmenauszählung, ist erst einmal der Wille zum Kompromiss gefragt. Die Parteien der rechten und linken Mitte haben seit Sonntagabend eine große, gemeinsame Verantwortung für das Schicksal des Landes. Das mag sich pathetisch anhören, das ist aber so.

„Wir haben eine Verantwortung, die nicht am Werkszaun endet“, hieß es in Ihrer Stellungnahme  zu den Landtagswahlen. Wo sehen Sie diese Verantwortung nach der Wahl?

Wir haben zum Höhepunkt des Wahlkampfs im August 2019 Flagge gezeigt und über unsere Werte gesprochen. Wenn wir das für notwendig erachten, wiederholen wir gerne, wofür wir als Unternehmen mit internationaler Mannschaft und globalen Kunden (die im Übrigen alle regelmäßig und gern nach Dresden kommen) stehen. Parteipolitisch sind wir neutral, aber wir sind nicht neutral, wenn es um unsere Werte geht, denen wir verpflichtet sind.