Aktion gegen RechtsWarum ein Unternehmen in Sachsen einen Wahlaufruf startet

Sabine Nitzsche ist CFO Europa bei Globalfoundries
Sabine Nitzsche ist CFO Europa bei Globalfoundries Felix Adler

Im Vorfeld der sächsischen Landtagswahl positioniert sich der Halbleiterkonzern Globalfoundries (GF) gegen Rechts. In einer gemeinsamen Stellungnahme rufen Geschäftsleitung und Betriebsrat dazu auf, sich am 1. September „bewusst für Kandidaten und Parteien zu entscheiden, die unser Land mit Mut, Visionen und Werten in die Zukunft führen wollen“. In dem Brief, der sich an Mitarbeiter und die Öffentlichkeit richtet, warnt das Unternehmen indirekt davor, dass eine starke Rechte, dem Ansehen Sachsens schade. „Wir setzen auf ein freundliches Sachsen, das auch nach dem 1. September ein Land bleibt, das dem Rest der Welt zugewandt ist und allen Menschen mit Offenheit und Respekt begegnet.“

Ein solcher Aufruf ist in der Firmengeschichte einmalig. Globalfoundries, in Dresden ansässig, ist mit 3200 Mitarbeiter einer der größten industriellen Arbeitgeber in Sachsen und zählt zu den industriellen Leuchttürmen im Osten. „Wir sind Teil der sächsischen Gesellschaft und haben eine Verantwortung, die nicht am Werkszaun endet“, begründet das Unternehmen den Schritt in die Öffentlichkeit. Globalfoundries gehört seit 2012 dem Emirat Abu Dhabi, Teil der Vereinigten Arabischen Emirate, die Beschäftigten kommen aus aller Welt.

„Als das mit Pegida losging, war das sehr massiv. Das hat Mitarbeiter verunsichert“

Sabine Nitzsche

Sorgen um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter machte sich GF zum ersten Mal im Jahr 2015, erinnert Sabine Nitzsche, CFO Europa bei GF in Dresden. Damals hatte GF mit Sanjay Jha einen britischen CEO mit indischem Familienhintergrund. „Er durfte aus Sicherheitsgründen wegen der Demos nicht mehr auf der Seite der Frauenkirche übernachten“, so Nitzsche im Gespräch mit Capital. Es war die Hochzeit der Pegida-Demonstrationen bei der in Dresden bis zu 25.000 Menschen mitmarschierten. Damals kamen hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland. Parallel kippte vielerorts die Stimmung.

„Als das mit Pegida losging, war das sehr massiv. Das hat Mitarbeiter verunsichert“, sagt die gebürtige Dresdnerin Nitzsche. Als eine kleine Gruppe von Ingenieurinnen aus Abu Dhabi ein Austauschprogramm bei GF vorzeitig abbrach, war das für Nitzsche ein Schlüsselmoment. „Wenn Ingenieurinnen aus dem Land des Großinvestors, der das Programm aufgelegt hatte, früher abreisen, hat das hohen Symbolcharakter.“

„Da haben wir gemerkt, dass wir uns vor unsere Mitarbeiter stellen müssen. Wir konnten nicht länger stillschweigend zuschauen, sondern haben Stellung bezogen“, so Nitzsche. „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wollen wir absolut nicht zulassen.“ Deshalb habe sich die Geschäftsleitung gemeinsam mit dem Betriebsrat gegen „Fremdenfeindlichkeit“ und „Intoleranz“ positioniert.

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