Krisenmanagement Warum die deutsche Corona-Strategie im Ausland gut ankommt

Krisenmanagement: Der Präsident des Robert Koch Instituts Wieler (l.), Bundesgesundheitsminister Spahn und Kanzlerin Merkel in der Bundespressekonferenz
Krisenmanagement: Der Präsident des Robert Koch Instituts Wieler (l.), Bundesgesundheitsminister Spahn und Kanzlerin Merkel in der Bundespressekonferenz Imago

Deutschland zählt mit rund 100.000 bestätigten Corona-Infektionen zu den Ländern, die neben Italien und Spanien in Europa am stärksten von der Pandemie betroffen sind. Vergleichsweise wenige Menschen sind bisher an den Folgen der Krankheit gestorben. Mit einer Sterberate von 1,6 Prozent liegt die Zahl in Deutschland weit unter der von Italien (12,3 Prozent), Spanien (9,7 Prozent) und Frankreich (8,6 Prozent). Das hat im Ausland für Verblüffung gesorgt, mehrere Medien haben darüber berichtet. Aber nicht nur damit überzeugt Deutschland in Zeiten von Corona. Anerkennung gibt es vor allem für das Krisenmanagement von Kanzlerin Angela Merkel.

„Die Kanzlerin wird im Ausland vor allem für ihre Ruhe und Unaufgeregtheit gelobt“, sagt Martin Bialecki, Chefredakteur der Zeitschrift „Internationale Politik“ und Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, ntv.de. Merkels Erfahrung als Krisenmanagerin aus mehr als 14 Jahren an der Regierungsspitze werde ihr zugute gehalten. In den USA, Frankreich und Großbritannien ernte sie vor allem Anerkennung für ihre große Professionalität.

Gelobt werde sie auch für ihre Faktentreue, zitiert Bialecki ausländische Medien. Hinzu komme in vielen Berichten der Hinweis, dass Merkel ausgebildete Wissenschaftlerin sei, was ihre Glaubwürdigkeit erhöhe. „Im Gegensatz zu anderen vermeidet sie außerdem strikt jede Rhetorik à la Krieg gegen das Virus, sondern orientiert sich an dem aus ihrer Sicht Notwendigen und Begründbaren; das wird von vielen sehr positiv aufgenommen.“

Zahl der Intensivbetten „beeindruckend“

Deutlich zeigte sich das nach Merkels Rede an die Nation am vergangenen Mittwoch. Die britische Zeitung „Independent“ würdigte diese als „sachlich und ruhig, eher argumentierend als mitreißend, eine Botschaft, die ins Schwarze trifft.“ Mit dem Ausbruch des Coronavirus bekräftige Merkel ihre „traditionellen Stärken und prägt die Innenpolitik nach zwei Jahren, in denen ihr Stern zu verblassen schien,“ heißt es in dem Bericht. Der ehemalige britische Gesundheitsminister Jeremy Hunt fand ebenfalls lobende Worte für den deutschen Umgang mit der Pandemie. Dieser sei vorbildlich, so Hunt. Großbritannien solle sich ein Beispiel daran nehmen, die Bevölkerung mehr auf den Erreger Sars-CoV-2 zu testen.

Auch das deutsche Gesundheitssystem genießt im Ausland einen guten Ruf. „Es wird von allen Seiten sehr gelobt“, sagt Bialecki. „Vor allem von den Amerikanern, was nicht verwunderlich ist. Das deutsche System ist für jeden da, so etwas existiert in den USA ja gar nicht. Andere beschreiben als großen Vorteil, wie dezentralisiert das deutsche System ist.“ Im Vergleich zu anderen Ländern werde Deutschlands Gesundheitssektor als herausragend ausgebaut beschrieben, vor allem was die Anzahl der Intensivbetten angehe. Deutschland stehen laut DKB-Präsident Gerald Gaß mittlerweile 30.000 Intensivbetten zur Verfügung. Osteuropäische Länder nennen die Zahl „beeindruckend“ – auch weil es in Europa kein anderes Land mit vergleichsweise großer Kapazität gibt.