KolumneWarum Bayer noch scheitern kann

Bernd Ziesemer© Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Bayer-Chef Werner Baumann ist nicht nur ein begabter Stratege, sondern auch ein talentierter Öffentlichkeitsarbeiter. Über die beschlossene Übernahme des US-Konzerns Monsanto spricht der 54-Jährige grundsätzlich nur in Superlativen – so auch bei der Vorstellung der Quartalszahlen in der letzten Woche: Die Logik des Deals sei „absolut überzeugend“, die beiden Firmen passten „perfekt“ zusammen, der finale Vertragsabschluss auf dem „allerbesten Weg“. Gleichzeitig füttern die PR-Strategen Baumanns die Medien immer wieder mit neuen Details über den Deal – zuletzt zum Beispiel über die vorzeitige Ausgabe von neuen Anleihen, um die Übernahme zu finanzieren. So soll sich der Eindruck verfestigen, nichts und niemand könnten den erfolgreichen finalen Abschluss der 66-Milliarden-Dollar-Transaktion noch aufhalten.

Doch dieser Eindruck ist falsch. Fakt ist: Die Kartellbehörden in mehr als 30 Ländern müssen dem Deal zustimmen, bevor die Konzernchefs ihre Unterschriften unter den Übernahmevertrag setzen können. Bisher haben Bayer und Monsanto noch nicht einmal die nötigen Unterlagen bei den Behörden eingereicht. Selbst Optimisten gehen davon aus, dass sich ihre Prüfung bis Ende nächsten Jahres hinziehen wird. Unter Experten gilt es als vollkommen ausgeschlossen, dass die wichtigen Kartellbehörden in den USA und in Europa die Übernahme einfach durchwinken. Wahrscheinlich verhängen die Behörden die verschiedensten Auflagen. Möglicherweise widersprechen sich die Forderungen der nationalen Kartellwächter, so dass weitere Gespräche notwendig werden. Heerscharen von Juristen werden sich monatelang mit der Materie beschäftigen.

Anleger trauen dem Deal nicht

Was passiert, wenn der Wert von Monsanto während der monatelangen Verhandlungen immer weiter sinkt? Die letzten Quartalsergebnisse des Konzerns zeigen einen unguten Trend. Und auch der Branche insgesamt weht der Wind ins Gesicht, wie auch die Zahlen anderer Agrarchemie- und Saatgutproduzenten zeigen. Eine Kombination aus harten Kartellauflagen und sinkender Profitabilität bei Monsanto könnte eine Neubewertung der gesamten Transaktion erzwingen. Sowohl unter den Managern der Bayer AG als auch unter ihren Investoren gibt es viele, die zwar die geplante Übernahme bisher zähneknirschend mittragen, aber keineswegs die euphorische Sichtweise Baumanns teilen. Im schlimmsten Fall könnten sie sich zum Aufstand gegen den Deal zusammenrotten.

An der Börse dümpelt der Monsanto-Kurs seit Wochen weit unter dem vereinbarten Übernahmepreis von 128 Dollar dahin. Auch die Eigentümer des US-Konzerns trauen dem Deal also noch nicht. Und auch die Bayer-Aktie will und will nicht wieder in alte Höhen klettern. Auch dort zeigt sich also eine gewaltige Lücke zwischen der Euphorie Baumanns und dem Realismus der Anleger.

Scheitert der Deal an den Kartellbehörden, muss Bayer 2 Mrd. Dollar an Monsanto zahlen. Diese Klausel des Vorvertrags ist vielleicht die stärkste Versicherung gegen ein Scheitern des Deals. Baumann musste diesem Detail zustimmen, um die finale Zustimmung der Monsanto-Chefs nach wochenlangen Vorgesprächen zu erreichen. Die Drohung mit der 2-Mrd.-Dollar-Strafzahlung schreckt jedoch auch interne Kritiker bei Bayer ab. Baumann zeigt sich auch darin als gewiefter Stratege.

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