Woche im FokusWann wird die Deutsche Bank wieder normal?

Eine Statue vor einer Filiale der Deutschen Bank
Nachdenklich: Wie kommt die Deutsche Bank aus der Misere?Getty Images

Die Deutsche Bank hält Ende dieser Woche die Kapitalmärkte in Atem – denn sie schreibt das dritte Jahr in Folge erneut Verluste: 500 Mio. Euro nach Steuern. Wieder ist es ein Sondereffekt, der das Ergebnis drückt, 2017 war es die US-Steuerreform, die mit 1,4 Milliarden in die Bilanz schlägt, sonst hätte die Bank 900 Mio. Euro verdient.

Das aber ist genau das Problem: Die Bilanz der Deutschen Bank ist seit einigen Jahren von immer neuen Sondereffekten, Rückstellungen, Einmalbelastungen, Rechtsstreitigkeiten, Strafzahlungen, Verkäufen und Altlasten geprägt, mehr als das bei Unternehmen üblich ist. Und der Vorstand des Instituts versucht in immer neuen bunten Säulen deutlich zu machen, dass, wenn es all dieses Bilanz-Tohuwabohu nicht gäbe, die Deutsche Bank auf einem guten Weg sei.

Wann aber wird die Deutsche Bank wieder „normal“? Wie stark ist sie wirklich, wie gut ist ihre Ertragskraft? Wer genauer hinschaut, muss erkennen: Es sind mitnichten nur Sondereffekte, die ein Problem darstellen – denn die Erträge der Bank sinken, vor allem im Investmentbanking, während sie ihre Kosten nicht wirklich in den Griff bekommt. Im Grunde gibt es nur wenige Unternehmen, die schon so lange vorgeben zu sparen, ohne wirklich Fortschritte zu machen. Die genaue Analyse meines Frankfurter Kollegen Christian Kirchner lesen Sie hier.

Sehr viel einfacher liest sich die Bilanz der Großen Koalition, zumindest die Verhandlungsbilanz, denn hier ist die Formel ziemlich simpel: Viel ändert sich nicht, dafür wird noch mehr Geld ausgegeben – in dieser Woche wurden unter anderem teure Geschenke in der Rente beschlossen, an der noch mindestens eine Generation wird knabbern müssen. Immerhin laufen die Verhandlungen, im Vergleich zu Jamaika, ziemlich glatt und geräuschlos. Jens Spahn, CDU-Hoffnungsträger und Merkel-Provozierer, hat die Maschroute gut auf den Punkt gebracht: Das Ergebnis, sagte er nach den Sondierungen, sei das Gleiche wie vor vier Jahren, bloß teurer: „Ich dachte, wir machen was Neues.“ Tja, daraus wird wohl nix.

Etwas Neues darf man wohl nur in Europa erwarten mit einer neuen Merkel-Macron-Achse, in der sie ihre Erfahrung und er seine Energie einbringen kann. Ansonsten wird vor allem Geld verteilt – was sich rächen wird, sobald es nicht mehr so eifrig sprudelt.