ExklusivDie Topverdiener aus der zweiten Reihe

Neben Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und Daimler-Boss Dieter Zetsche, die seit Jahren zu den bestbezahlten Managern Deutschlands gehören, hat sich zuletzt relativ unbeachtet ein Bank-Manager mit an die Spitze der Topverdiener katapultiert: Wolf Schumacher kommt mit einem Gesamtpaket von 13,6 Mio. Euro auf Platz vier des Gesamtrankings. Die auf Immobilienfinanzierung spezialisierte Aareal Bank hatte ihm 1 Mio. Euro Grundgehalt zugestanden. Hinzu kamen aber noch 12,6 Mio. Euro an Extras und Abfindung, nachdem der 58-Jährige das im MDax notierte Unternehmen (2861 Mitarbeiter, 52 Mrd. Euro Bilanzsumme, 374 Mio. Euro Gewinn) im Herbst 2015 Knall auf Fall nach zehn Jahren an der Spitze verlassen hatte.

Capital 03/2017
Die neue Capital erscheint am 16. Februar

Die Größe des Unternehmens ist nicht allein ausschlaggebend für die Entlohnung der obersten Führungskräfte. Das zeigt die große Übersicht über die Spitzenverdiener der deutschen Wirtschaft, die Capital exklusiv im zweiten Jahr in Folge zeigt (Ausgabe 3/2017; EVT 16. Februar). Die Daten stammen von den Vergütungsexperten der Unternehmensberatung HKP Group, die für das Geschäftsjahr 2015 neben den Vorstandssalären der 30 Dax-Konzerne auch die jeweils 50 Unternehmen im MDax und SDax und die 30 TecDax-Vertreter betrachtet haben. Das ist der umfangreichste und aktuellste Überblick, da die Zahlen für 2016 erst mit Veröffentlichung der Bilanzen in den kommenden Monaten bekannt werden.

Platz eins hat sich Ex-VW-Chef Winterkorn 2015 – trotz seines vorzeitigen Abgangs wegen des Diesel-Betrugsskandals – mit einem Gehaltspaket über 16,6 Mio. Euro zurückerobert. Im Vorjahr hatten sich ausnahmsweise Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling und die frühere Celesio-Chefin Marion Helmes vor ihn auf die vordersten Tabellenplätze geschoben.

Nicht nur Dax-Manager unter den Top 30

Und auch dieses Mal haben sich zehn Vorstandschefs kleinerer Unternehmen unter den Top-30 zwischen den Dax-Vertretern platziert. Darunter sind etwa auf Platz 10 Rüdiger Kapitza vom Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori mit 8,6 Mio. Euro (plus 83 Prozent), auf Platz 22 Gordon Riske vom Gabelstapler-Hersteller Kion mit 5,2 Mio. Euro (plus 139 Prozent), auf Platz 26 Olaf Koch mit 4,8 Mio. Euro, der gerade dabei ist den Handelskonzern Metro zu zerschlagen, oder auf Platz 30 Udo Müller, Mitgründer und Chef des größten deutschen Außenwerbekonzerns Ströer ebenfalls mit 4,8 Mio. Euro. Ströer gehört zu den MDax-Unternehmen, die ihrem Vorstandsvorsitzenden in diesem Jahr eine über­durchschnittlich hohe Vergütung zugesprochen haben. Im Durschnitt bekommen MDax-Chefs 3,4 Mio. Euro, Dax-Chefs 6,2 Mio. Euro, SDax-Chefs 1,7 Mio. Euro, TecDax-Chefs 1,4 Mio. Euro.

Von den im Capital-Ranking betrachteten 160 Unternehmen folgten 2015 schon 70 Prozent den Transparenzregeln (im Deutschen Corporate Governance Kodex), nach denen börsennotierte Unter­nehmen die Vergütung ihrer Vorstände individuell und im Detail offen legen sollen; 2014 waren es 65 Prozent. Mit der neuen Europäischen Aktionärsrechterichtlinie, die im März verabschiedet werden soll, müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit danach börsennotierte Unternehmen europaweit jährlich individuelle Vergütungsberichte der Vorstandsmitglieder veröffentlichen und von den Aktionären auf der Hauptversammlung beschließen lassen. „Zukünftig gäbe es dann auch für die restlichen Verweigerer keine Möglichkeit mehr, sich zu verstecken“, sagt Vergütungsexperte Michael Kramarsch, Gründer und Managing Partner von HKP.

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