ManagementVorsicht, wenn einer lacht!

Ein Tesla-Elektroauto an einer Ladestation
Erst belächelt dann gefürchtet: Tesla macht das Elektroauto salonfähig – Foto: Tesla Motors

Lars Vollmer plädiert dafür, Unternehmen völlig neu zu denken. Er ist Redner und Autor - unter anderem hat er das Buch Lars Vollmer plädiert dafür, Unternehmen völlig neu zu denken. Er ist Redner und Autor – unter anderem hat er das Buch „Wrong Turn – Warum Führungskräfte in komplexen Situationen versagen“ veröffentlicht. Folgen Sie ihm auf Twitter


Fußball ist mein Lieblingsbeispiel, um wirtschaftliche Tatsachen aufzudecken. Auch heute passt es wieder ausgesprochen gut! Vielleicht haben Sie es mitbekommen. Der VfL Wolfsburg hat den DFB-Pokal gewonnen und der FC Ingolstadt, ein Club in seinen Profi-Kinderschuhen, hat es in die erste Liga geschafft. Ja, da ist das Staunen groß. Wer hatte schon zu Beginn der Saison Wolfsburg auf dem Schirm, als es um den Pokalsieg ging? Und wer schmunzelt nicht über den FC Ingolstadt, der es doch sicher niemals ganz nach oben schaffen wird?

Mich erinnert das stark an 2008, als es der TSG Hoffenheim völlig unerwartet in die Bundesliga schaffte. Die Lacher waren groß. Ein No-Name aus dem Hinterland mit einer so geringen Fanbasis würde sich doch zwischen den etablierten, alteingesessenen Clubs niemals durchsetzen können. Selbst wenn ein Mäzen ein paar Millionen reinpumpt. Was dann geschah, hat Fußball-Geschichte geschrieben.

Und dann kam Tesla…

Das läuft aber nicht nur im Fußball so, sondern auch bei Büchern und Telefonen – oder bei Elektroautos.

Erst wurden sie belächelt und als „Ökomobile“ abgetan. Haha, keine 100 Kilometer hält so eine Batterie – das kann nichts werden. Dann wurde geschimpft, die Infrastruktur dafür fehle doch komplett – und sooo umweltschonend seien die Karren nun auch nicht, das Motorengeräusch sei ein wichtiges Merkmal von Autos und Autoliebhaber würden eh niemals auf Elektroautos umsteigen.

Und dann? Ja, dann kam plötzlich Tesla. Die kümmern sich nicht um das Lachen und Schimpfen, sondern entwickeln praxistaugliche Langstreckenbatterien und stellen weltweit Schnellladestationen an Autohöfen auf.

Huch, war wohl doch gar keine so spinnige Idee.

Jetzt meckern immer noch einige: Die verdienen doch noch gar kein Geld, das kann kein tragbares Geschäftsmodell sein. Aber die Luft wird dünner.

Die Newcomer holen sich den Markt

Sehen Sie den gemeinsamen Nenner? Das Muster? Ein neues Produkt, eine neue Idee, ein neues Geschäftsmodell drängt auf den Markt – und die Wettbewerber lachen erst mal darüber, wie über einen schlechten Witz. Hält es sich trotzdem, wird geschimpft. Und plötzlich verdrängt es die alten Marktführer. Da können dann die Neuen drüber lachen.

Während die Big Player damit beschäftigt sind, sich gegenseitig mit kleinen Optimierungen auszustechen und auf die Newcomer herunterzuschauen, haben die Neuen Zeit, ihren Vormarsch gemütlich durchzuziehen. Dabei haben sie den Etablierten eines voraus: Sie sind nicht etabliert. Bedeutet auch, sie interessieren sich nicht für die alten Markttugenden, für eingefahrene Strukturen, für das Lachen der Großen oder deren vernichtendes Urteil. Sie erkennen nur, wo ihre Chancen liegen, und holen sich den Markt. Ganz einfach.

Wenn über einen Wettbewerber gelacht wird, dann ist das für mich ein Warnsignal und darf auch für Sie eines sein. Denn um über jemanden lachen zu können, muss a) ich ihn erst mal kennen, und b) er etwas anders machen. Sonst gäbe es keinen Grund zu lachen! Allerdings: Anders ist gefährlich! Möglicherweise löst der Neue das Kundenproblem viel wirtschaftlicher, schneller oder schlicht cooler.

Das Lachen ist der billigste Seismograph

Das soll nun nicht heißen, dass sämtliche Firmen oder Produkte, die zu Beginn belächelt werden, zwangsläufig zur Bedrohung werden. Sie können genauso gut auch wieder in der Versenkung verschwinden. Aber das Lachen ist das Warnsignal, dass sie zur Bedrohung werden KÖNNEN.

Beispiele dafür gibt es zuhauf. Die Schweizer, die die Idee von Digitaluhren belächelten: Als die dann einschlugen, hinkten sie hinterher und mussten mehrere Jahre Entwicklungsarbeit aufholen.

Oder Nokia, das über das iPhone von Apple lachte: Wer brauche schon ein Farbdisplay? Haha, man hält das Telefon doch eh am Ohr.

Oder Amazon: Als der Online-Händler anfing, Bücher im Netz zu verkaufen, wurden sie bemerkt, aber nicht ernstgenommen. Jaja, so ein Internethändler macht ja nettes Zeug, aber wie soll sich das schon durchsetzen? Dann wurde natürlich gemeckert, dass Amazon kleine Buchhandlungen in den Ruin treiben würde. Aber da war es schon zu spät. Da war Amazon bereits zum größten Internethändler aufgestiegen, weil die Nachfrage nach Bestellmöglichkeiten im Internet gewaltig zunahm. Größere Auswahl als in lokalen Geschäften, Lieferung direkt an die Haustür – ist doch großartig. Jetzt lacht keiner mehr. Außer Amazon vielleicht.

Das Lachen ist der billigste Seismograph, den Sie sich vorstellen können. Seien Sie also wachsam. Wenn in Ihrer Belegschaft oder in Ihrer Vorstandsrunde über einen Wettbewerber gelacht wird, dann ist das ein letztes Signal, auf das Sie noch reagieren können. Denn wenn geschimpft wird, ist es schon zu spät. Oder kurz: Nehmen Sie sich in Acht, wenn einer lacht!