ManagementDrei Regeln für mehr Innovation

Innovation
Innovation: Wer drei Regeln beachtet, ist im Wettbewerb mit dabei

Andreas Neef ist Managing Partner von Z_punkt The Foresight Company. Z_punkt ist ein Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen und beschäftigt sich mit Fragen einer veränderten Wertschöpfungslogik.Andreas Neef ist Managing Partner von Z_punkt The Foresight Company. Z_punkt ist ein Beratungsunternehmen für strategische Zukunftsfragen und beschäftigt sich mit Fragen einer veränderten Wertschöpfungslogik.


Regel 1: Vorausschauende Innovation

Bleiben Sie nicht in der Gegenwart stecken!

Neue Zukunftsmärkte entstehen, wenn sich wirtschaftliche, gesellschaftliche, politische und technologische Realitäten signifikant ändern. In Zeiten sich beschleunigender Veränderungen sind Unternehmen gezwungen, diese Marktentwicklungen vorausschauend zu analysieren, um langfristige Innovationsoptionen zu identifizieren. Strategische Vorausschau („Foresight“) gewinnt als Impulsgeber an Bedeutung. Aus einer solchen Foresight-Perspektive bestimmen folgende Transformationsfelder die Märkte von morgen:

Mit der digitalen Transformation entsteht eine gesellschaftliche Wirklichkeit, die auf der informationstechnischen Vernetzung aller Aspekte des Lebens beruht und in der zunehmend Formen künstlicher Intelligenz entstehen.

Die ökosoziale Transformation beschreibt den Übergang zu einer Wirtschaftslogik, die das Streben nach Gewinn mit sozialen und ökologischen Gesichtspunkten integriert, einen intelligenten Umgang mit natürlichen Ressourcen anstrebt und die Teilhabe möglichst vieler Menschen an der gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung anstrebt.

Die schöpferische Transformation bezeichnet die zunehmende Fähigkeit, auf der Ebene kleinster Teilchen wie größter Systeme gestalterisch in die Natur einzugreifen, von der Nanotechnologie über die Organzucht bis zum Klimaengineering.

Die lebensweltliche Transformation führt uns in gegenläufige Bevölkerungsentwicklungen in den alten Industrieländern und den Entwicklungs- und Schwellenländern, zunehmende soziale Ungleichheiten  und einen neuen Individualisierungsschub. Konsummuster und Arbeitswelt verändern sich damit nachhaltig.

Die globale Transformation umfasst die tiefgreifenden kulturellen, politischen und ökonomischen Veränderungsprozesse auf globaler Ebene, die sich in einer zunehmend komplexen Konfliktlandschaft ausdrücken, in einem Ringen um kulturelle Werte, geostrategische Einflusssphären und Marktzugänge.

Regel 2: Kollaborative Innovation

Überschreiten Sie Ihre Branchengrenze!

Die zentralen Innovationsthemen der nächsten Jahrzehnte liegen quer zu den traditionellen Branchen. Branchenübergreifende Innovation wird zum strategischen Imperativ: Die kreative Kombination unterschiedlicher Kompetenzen ist die Eintrittskarte in die Innovationsarenen der Zukunft.

Drei Beispiele: Der Übergang zu einer postfossilen Mobilität liegt an der Schnittstelle von Automobilindustrie und Energiewirtschaft. Im Zukunftsmarkt Wearables und Smart Textiles rücken Bekleidungsindustrie, Consumer Electronics und IKT näher zusammen. Und in der personalisierten Medizin verschmelzen die Grenzen von Pharmazeutik, Diagnostik und Medizintechnik.

Etablierte Unternehmen sehen sich immer öfter herausgefordert von erfolgreichen Start-ups,  die sich von Beginn an quer zu den traditionellen Branchen positionieren. Airbnb, Tesla und Uber sind nur die bekanntesten Beispiele. Etablierte Unternehmen sehen sich in einer Zwickmühle. Sie sind mit ihrer Branche und mit ihren Kunden verwachsen und zunächst in deren Logik befangen. Gleichwohl müssen sie sich dem Potenzial der Zukunftsmärkte öffnen.

Die Studie „Deutschland 2030. Zukunftsperspektiven in der Wertschöpfung“ diskutiert ausführlich den Paradigmenwechsel: „Branchenübergreifendes Kooperationsmanagement wird zum kritischen Erfolgsfaktor in wertschöpfungsorientierten Innovationssystemen.“ Auf einen Begriff gebracht: Cross-Industry Innovation. Teile des Top-Managements haben dies inzwischen erkannt. Laut einer aktuellen weltweiten Befragung sehen viele Führungskräfte die Neudefinition von Branchengrenzen als wichtigste strukturelle Veränderung für Unternehmen in den nächsten fünf Jahren.

Regel 3: Disruptive Innovation

Greifen Sie Ihr eigenes Geschäft an, bevor es ein anderer tut!

Unternehmen müssen eine neue Innovationslogik einführen, die diesen Veränderungen gerecht wird. Ein solcher Ansatz beinhaltet implizit disruptive Potenziale, um das eigene Geschäft in der gegenwärtigen Form unter Druck zu setzen. Warum damit warten,  bis ein Start-up die neuen Wertschöpfungsoptionen ergreift? Die neue Logik setzt nicht beim originären Produkt oder Service an, sondern geht von den Anwendungskontexten der Kunden und einem partnerschaftlichen Geschäftsmodell aus.

Innovation mangelt es heute nicht an Ideen, sondern am Verständnis der Transformationsprozesse von Markt und Wettbewerb. Daher ist eine vorausschauende Zukunftsanalyse die Voraussetzung, um selbst der treibende Akteur für disruptive Innovationen im eigenen und unter Umständen auch in angrenzenden Schnittstellenmärkten zu sein. Die Schnittstellen bestehender Märkte zu gestalten, ist die hoffnungsvolle Aufgabe der Innovationsstrategen in den nächsten Jahren.