Finanzkrise Umfrage: Kaum Vertrauen in die Banken

Blick auf das Frankfurter Bankenviertel
Blick auf das Frankfurter Bankenviertel
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Die Glaubwürdigkeit der Banken und Finanzinstitute hat unter der Finanzkrise stark gelitten. Auch mehr als zehn Jahre nach Ausbruch der Krise misstraut eine Mehrheit der Deutschen den Kreditinstituten.

Ob Großbanken, Volksbanken, Raiffeisenbanken oder Sparkassen – die Glaubwürdigkeit der Finanzinstitute hat unter der Finanzkrise von 2008/2009 massiv gelitten. Das zeigen die Ergebnisse einer Langzeit-Studie des Beratungsunternehmens Gallup. Während vor 2009 noch 57 Prozent der Befragten angaben, Vertrauen in Banken und andere Geldhäuser zu haben, ist dieser Wert in den Folgejahren rapide gesunken. Schon im ersten Krisenjahr 2008 vertrauten nur noch 48 Prozent der Befragten den Banken. Auf dem Höhepunkt der Krise 2009 waren es sogar nur noch 40 Prozent.

„Die Finanzindustrie ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Branche über Nacht ihren Ruf ruinieren kann“, sagt Marco Nink, Lead Research & Analytics EMEA bei Gallup. Die Studie stellt allerdings seit 2018 einen leichten Aufwärtstrend fest: Mittlerweile vertrauen wieder rund 44 Prozent der Bundesbürger ihrer Bank. Dabei gebe es keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Banken, die Studie bilde ein Gesamtstimmungsbild ab.

Jüngere Menschen sind skeptischer als Ältere

Insbesondere junge Menschen scheinen sich mit der Finanzindustrie aber schwer zu tun. „In der Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren haben wir das geringste Vertrauen festgestellt“, erklärt Nink. Hier sind nur 38 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass ihre Bank glaubwürdig ist. In der Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahren bestehe dagegen das höchste Vertrauen, fast 49 Prozent der Befragten zeigen sich zuversichtlich.

Die Stadtbevölkerung sei zudem skeptischer gegenüber den Banken als jene, die auf dem Land wohnen. „Das lässt sich sicherlich damit erklären, dass es auf dem Land oft noch den direkten Kontakt mit dem Banker gibt und eine stärkere persönliche Bindung vorhanden ist“, vermutet Nink.

"Vertrauen ist die Grundlage aller Geschäftsbeziehungen"

Doch nicht nur die Kunden zweifeln an der Integrität der Finanzindustrie. In einer zweiten Untersuchung fand Gallup heraus, dass auch die Arbeitnehmer Unternehmen branchenübergreifend kein gutes Zeugnis bezüglich Ethik und Moral ausstellen. So stimmte der Aussage, dass Unternehmen Kunden niemals belügen oder ihnen relevante Informationen vorenthalten, nur gut jeder dritte Beschäftigte uneingeschränkt zu (37 Prozent).

Dabei sei Vertrauen die Grundlage aller Geschäftsbeziehungen, so Nink. Den Kunden von Banken sei es vor allem wichtig, fair behandelt zu werden. „Sie erwarten, dass ihnen das beste Produkt geboten wird – auch, wenn das zunächst finanzielle weniger lukrativ für das Unternehmens ist “, sagt Nink.


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