KolumneTrennungsgeld für Griechenland

Christian Schütte
Christian Schütte
© Trevor Good

Christian Schütte schreibt an dieser Stelle über Ökonomie und Politik


In den Gesprächen geht fast nichts mehr, die Töne in der Öffentlichkeit werden immer schräger und schriller.

Hilft jetzt nur noch der Grexit?

Für den Ausstieg respektive Rauswurf Griechenlands aus der Währungsunion gibt es heute ein schlechtes, ein gutes und ein einfach nur mieses Argument. Leider sieht es so aus, als ob das miese Argument am Ende den politischen Ausschlag geben wird.

Das schlechte, ja komplett dämliche Argument geht ungefähr so: Wenn Europa den Griechen endlich den Geldhahn abdreht, dann ist das Thema mal vom Tisch und wir sparen eine Menge Geld. Wahr ist das exakte Gegenteil: Verlässt Griechenland den Euro und/oder geht ganz offiziell pleite, dann müssen als Erstes die an Athen verliehenen Gelder abgeschrieben werden. Es geht hier – auf direkten und indirekten Wegen – um Dutzende von Milliarden Euro zu Lasten des deutschen Staatshaushalts.

Würde sich der Grexit zu einer neuen internationalen Finanzkrise auswachsen, wären die Belastungen sogar noch um ein Vielfaches größer. Solche „Lehman Reloaded“-Szenarien erscheinen zwar übertrieben. Selbst im günstigsten Fall ist aber zu erwarten, dass sich das politische Chaos und die soziale Not in Griechenland noch einmal dramatisch zuspitzen. Europa wird dann aus moralischen wie aus realpolitischen Gründen helfen müssen. Es ist also einfach absurd zu meinen, das Griechenland-Problem lasse sich so wegzappen wie die all die Talkshows darüber.

Befreiungsschlag für die Griechen?

Was ist dann ein gutes Argument? Der Grexit könnte zum einen die Währungsunion stärken indem er zeigt, dass ihre Regeln nicht beliebig verletzt werden dürfen. Und er könnte zum anderen ein Befreiungsschlag für die Griechen selbst werden, weil ihre Insolvenz dann amtlich und ihre Exportware mit einer neuen Währung extrem billig würde.

Die Betonung liegt allerdings jeweils auf „könnte“. Auch künftig bestünde das Problem, dass eine regeltreue Politik in manchen Euro-Ländern vielleicht einfach abgewählt wird. Genau das ist ja in Griechenland passiert: Als die Bevölkerung genug von jahrelanger Depression hatte, wählte sie diejenigen, die versprachen, die Sache ganz anders anzugehen.

Wenn die griechische Wirtschaft sich nach einer Chaosphase erholen sollte, wenn der Grexit also tatsächlich zum Befreiungsschlag würde, dann wäre auch die Abschreckungswirkung dahin. Griechenland wäre dann kein warnendes Beispiel, sondern sogar ein Vorbild für erfolgreiche Wege außerhalb der Währungsunion.