FinanzevolutionSind Banken wie Schildkröten?

Schwimmende Wasserschildkröte
Schildkröten gibt es seit Urzeiten auf der Erde. Wie lange werden die Banken existieren

Dirk Elsner berät als Consultant für die Innovecs GmbH Banken und Unternehmen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Veränderungen der Finanzwirtschaft, der Unternehmenspraxis und digitale Finanzdienstleistungen. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog Blick Log gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde.Dirk Elsner berät als Consultant für die Innovecs GmbH Banken und Unternehmen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Veränderungen der Finanzwirtschaft, der Unternehmenspraxis und digitale Finanzdienstleistungen. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog Blick Log gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde. Elsner schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne auf Capital.de. Der Titel ist Programm: Finanzevolution (Foto: Sebastian Berger, Stuttgart)


Schildkröten sind für mich ein Symbol der Evolution. Und dies nicht nur weil Charles Darwin bei Beobachtungen auf den Galapagos Inseln entscheidende Anstöße für seine Idee über die Entstehung der Arten bekommen haben soll. Wer schon einmal eine der riesigen Meeresschildkröten in der Südsee von ganz nah beobachtet hat, der hat den Eindruck, in die Vergangenheit der Erde zu blicken. Manche neigen dazu, diese Tiere wegen ihrer Trägheit zu unterschätzen. Funde zeigen, dass sie seit mehr als 220 Millionen Jahren auf diesem Planeten existieren und sich an die unterschiedlichstenBiotope angepasst haben.

Wenn man heute das Finanzwesen studiert, dann frage ich mich, wer hier die Schildkröten sein könnten. Der Verdacht liegt nahe, dass Banken wie Schildkröten sind. Sie bewegen sich langsam, bleiben oft in Deckung und legen aber viel Wert auf den eigenen Schutz. Das haben sie zuletzt während der Finanz- und Eurokrise bewiesen, in denen sie sich direkt oder indirekt unter staatlichen Artenschutz haben stellen lassen. Sie sind nicht Technologieführer, beherrschen aber weitestgehend die hoch komplexen Prozesse des internationalen Geschäfts.

Manche sehen Großbanken eher als die Dinosaurier, die wegen ihrer Größe bald nichts mehr zu fressen haben und die ihre Finanzbiotope mit der faszinierenden Artenvielfalt junger Unternehmen teilen müssen. Diese nennen sich FinTechs – sie ersetzen und ergänzen die Leistungen traditioneller Banken insbesondere unter Nutzung der Digitaltechnik.

FinTech – ein irreführender Begriff

Die für Financial Technology stehen Bezeichnung FinTech, sorgt bei gelegentlichen  Beobachtern der Szene für Stirnrunzeln. Bis Mitte der 2000er Jahre verstanden viele unter Finanztechnologie und Finanzinnovationen nicht technologische Änderungen im Sinne von digital per Computer oder Smartphone, sondern komplexe Produkte, die meist im Investmentbanking großer Finanzhäuser entstanden. Einige dieser Innovationen stehen unter Verdacht, die Finanzkrise erst ermöglicht zu haben. Finanztechnologie stand damals oft für elektronischen Handel von Wertpapieren und neue Bewertungsmethoden, die mit Hilfe von Computern bestimmte Finanzinstrumente erst erschaffen konnten.

Der FinTech-Begriff ist vielleicht nicht nur deswegen unglücklich gewählt. Manche sehen in der aktuellen neuen Aufladung des FinTech-Begriffs die Revolution des Finanzwesens, die das Banking besser machen soll, weil die neuen Unternehmen für sich beanspruchen, stärker die Bedürfnisse der Kunden in den Fokus zu stellen. Der Begriff spiegelt das freilich nicht wider.