ExklusivSAP weist Kopiervorwurf von Konkurrent Teradata zurück

SAP-Chef Bill McDermott
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SAP hat den Vorwurf des Ideenklaus, den der US-Konkurrent Teradata Ende Juni erhoben hatte, mit deutlichen Worten zurückgewiesen. In einer Klageerwiderung vor dem Bezirksgericht für das nördliche Kalifornien bezeichnen die Anwälte des Dax-Konzerns die Anschuldigungen als sachlich unbegründet, unbestimmt und verjährt. Teradata sei offensichtlich „ins Hintertreffen geraten“ und habe sich daher nur noch mit dem Gang vor Gericht zu helfen gewusst.

Das mit 10.700 Mitarbeitern und 2,2 Mrd. Dollar Umsatz deutlich kleinere Teradata beschuldigt SAP, es 2008 in eine Partnerschaft gelockt zu haben, „um Zugang zu Teradatas wertvollem geistigem Eigentum zu erhalten“, so die US-Firma. Mit den derart erlangten Geschäftsgeheimnissen sei dann ein Konkurrenzprodukt, die Datenbanktechnologie HANA, entwickelt worden. Die darauf basierende S4/HANA-Software, mit der sämtliche Unternehmensprozesse gesteuert werden können, gilt inzwischen als das wichtigste Produkt des deutschen Softwarekonzerns – ein „Blockbuster“, schwärmt CEO Bill McDermott.

Ein Unternehmenssprecher sagte, man sei „nach wie vor offen, mit Teradata die gegen uns erhobenen Vorwürfe zu diskutieren“. Zugleich leite SAP aber „alle erforderlichen Gegenmaßnahmen ein“. Die Klage habe „keinerlei Einfluss auf unsere Fähigkeit, allen Kunden – auch jenen, die HANA einsetzen – weiterhin den größtmöglichen Mehrwert zu liefern“. Der Streitwert des Verfahrens ist offen.

Für den Walldorfer Softwarekonzern ist es derzeit nicht die einzige juristische Baustelle in den USA. Adheat, ein Start-up aus Los Angeles, wirft SAP ebenfalls Ideenklau vor. Gründer Daniel Maree hatte seine Software für Standortanalyse 2017 dem Risikokapitalfonds
SAP.iO vorgestellt und nach eigenen Angaben auch Details zur Technologie offengelegt. Monate später brachte der Dax-Konzern mit Atlas ebenfalls eine Geoanalyselösung an den Start – eine „praktisch identische Plattform“, kritisiert Adheat. SAP reagierte auf die Anschuldigungen mit einer Feststellungsklage, in der der Konzern jegliche Schuld von sich weist. Der Fall liegt vor einem Bezirksgericht in Los Angeles.