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Revolut- und Tinkoff-Gründer Russische Fintech-Magnaten geben Pass ab

Oleg Tinkov
Oleg Tinkow 2017 im russischen Sotschi
© IMAGO / ITAR-TASS
Mit Revolut-CEO Nikolay Storonsky und Tinkoff-Gründer Oleg Tinkow haben zwei prominente Finanzunternehmer ihre russische Staatsbürgerschaft abgelegt. Sie kritisieren Putins Kriegskurs mit deutlichen Worten

Unter Russlands Oligarchen und Unternehmenslenkern gibt es nur wenige, die von Präsident Wladimir Putin wegen seines Angriffskriegs gegen die Ukraine öffentlich abgerückt sind. Nun haben zwei prominente Finanzunternehmer deutlich Position gegen Putin bezogen – Oleg Tinkow, Gründer der russischen Tinkoff-Bank, und Nikolay Storonsky, Chef der britischen Neobank Revolut, haben ihre russische Staatsbürgerschaft aufgegeben. 

Tinkow gründete in den 2000er-Jahren die Tinkoff Bank, die mit ihrer Digitalstrategie international als Vorreiter galt und 2013 in London an die Börse ging. Seinen 35-prozentigen Anteil musste Tinkow in diesem Jahr auf Druck des Kremls deutlich unter Wert verkaufen, nachdem er den Kriegskurs kritisiert hatte. Nun geht Tinkow noch einen Schritt weiter: Wie er auf Instagram zuerst am Montag schrieb, habe er seine Staatsbürgerschaft aufgegeben, „nachdem Russland in die Ukraine einmarschiert ist und begonnen hat, Unschuldige umzubringen“. Er könne „nicht mit Putins faschistischem Regime assoziiert“ werden.

Ebenfalls am Montag gab der in Russland geborene Fintech-Gründer Nikolay Storonsky bekannt, er habe die russische Staatsbürgerschaft bereits Anfang des Jahres abgegeben. Storonsky ist Gründer und CEO von Revolut, einer britischen Smartphone-Bank mit globalen Ambitionen. Revolut will langfristig sämtliche Finanzservices aus einer Hand anbieten und das möglichst „in jedem einzelnen Land der Welt“, wie Storonsky im Interview mit Capital im Mai sagte. 

Storonsky wohnt bereits seit rund 15 Jahren in London, hat inzwischen die britische Staatsbürgerschaft angenommen. Forbes schätzt sein Vermögen auf 7,1 Mrd. Dollar – mit fast 20 Millionen Kunden und einer Unternehmensbewertung von 33 Mrd. Dollar ist sein Finanz-Start-up Revolut eine der größten Neobanken der Welt, fast so wertvoll wie die Commerzbank und Deutsche Bank zusammen.

Sanktionen gegen Storonskys Vater

Dass Storonsky gerade jetzt seine Entscheidung öffentlich machte, dürfte kein Zufall sein: Sein Vater, der ebenfalls Nikolay Storonsky heißt und der in der Ukraine geboren wurde, bekam im Oktober von der ukrainischen Regierung Sanktionen wegen seiner leitenden Position bei der Gazprom-Tochter Promgaz auferlegt. So wurde sein ukrainisches Vermögen eingefroren und ihm die Einreise in sein Geburtsland verwehrt, wie der britische „Telegraph“ berichtet.

Von Revolut hieß es auf Anfrage nur, die Haltung von CEO Storonsky zum Ukraine-Krieg sei öffentlich bekannt. „Der Krieg ist absolut verabscheuungswürdig, und er fordert weiterhin entschlossen ein sofortiges Ende der Kämpfe“, sagte ein Sprecher. Aus seinem Umfeld heißt es, Storonsky wolle mit dem Schritt seine Unterstützung für die Ukraine zeigen. 

Nach Kriegsausbruch hatte Storonsky die russische Invasion als „völlig abscheulich“ kritisiert und die Geschäftstätigkeit von Revolut in Russland und Weißrussland beendet. „Ich war in London, als ich von der Invasion hörte“, sagte der Gründer im Mai zu Capital. Es sei „schrecklich“ gewesen. Zu dem Zeitpunkt hatte das Unternehmen noch rund 50 Beschäftigte in der Ukraine und rund 200 in Russland, vor allem Entwickler. Das Unternehmen habe den Großteil der betroffenen Belegschaft aus den beiden Ländern geholt und sie bestmöglich unterstützt. Für sie sei ein neuer Standort in Dubai eröffnet worden.

„Die russische Nationalität ist nicht mit dem Regime gleichzusetzen“, sagte er im Mai – da hatte er die Staatsbürgerschaft aber schon abgegeben, wie sich nun herausstellt. „Jeder Russe spürt jetzt eine gewisse Traurigkeit und fühlt sich mitverantwortlich.“

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