KolumneRaus aus der Abwärtsspirale der Konjunktur 

Symbolbild Konjunktur
Symbolbild Konjunktur dpa

Nach einer Serie von externen Schocks ist die Konjunktur in Deutschland und Europa im Spätherbst in eine Abwärtsspirale gerutscht. Nachdem zunächst Donald Trumps Handelskriege ab März das Geschäftsklima eingetrübt hatten, kamen im Sommer die Krise einiger Schwellenländer wie der Türkei und ein kräftiger Anstieg der Ölpreise dazu. Ein Schwächeanfall der chinesischen Wirtschaft sowie die zunehmende Angst vor einem harten Brexit haben schließlich Ende 2018 die Stimmung der Unternehmen so weit belastet, dass das Geschäftsklima in Deutschland und der Eurozone derzeit eher auf eine Beinahe-Stagnation denn auf spürbares Wachstum hinweist. Angesichts der grassierenden Unsicherheit halten sich Unternehmen und einige Haushalte trotz der wieder erträglicheren Ölpreise mit Ausgaben zurück. Die schwächere Nachfrage verstärkt wiederum die Sorgen um die künftige Konjunktur.

Bis in den Herbst hinein hätte ein reines Abflauen einiger externer Schocks ausgereicht, um die Konjunkturdelle mit nur geringen Schäden zu überwinden. Seit aber die Schwäche von der Außen- auf die Binnenwirtschaft übergesprungen ist, muss es wohl etwas mehr sein. Wir brauchen gute Nachrichten in vier Bereichen, der Handelspolitik, China, der Geldpolitik und dem Brexit, um die Abwärtsspirale zu stoppen. Dann kann dem kalten Winter der Konjunktur wieder ein freundlicherer Frühling oder Sommer folgen. Zum Glück stehen die Chancen dafür nicht schlecht.

Wirtschaftswachstum in Deutschland


source: tradingeconomics.com

Eine der vier Voraussetzungen für eine Wende zum Besseren ist bereits weitgehend erfüllt. Im Dezember hatte der noch unerfahrene Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, die Märkte beunruhigt mit dem Hinweis, ein wesentlicher Teil der Geldpolitik, die Rückabwicklung einiger Anleihekäufe, sei auf Autopilot gestellt. Dass der Kapitän sich in unruhigen Zeiten von der Brücke verabschieden wollte, hat erheblich zum Einbruch der Märkte und einem trüberen Geschäftsklima beigetragen. Vor einer Woche korrigierte die Fed diesen Fehler mit einer spektakulären Kehrtwende. Über eine Zinspause hinaus hat sie angekündigt, auch Tempo und Ausmaß ihrer Bilanzkorrektur an die Wirtschaftslage anpassen zu wollen. Das Risiko, dass die Währungshüter die Zeichen der Zeit verschlafen und die US-Konjunktur im Vorfeld der Wahlen von 2020 aus Versehen abwürgen könnten, ist weitgehend gewichen.

Erste positive Signale

Die Fed hat damit unerwartet früh unsere Annahme bestätigt, dass sie 2019 und 2020 große Vorsicht walten lassen wird. Schließlich möchte sie alles vermeiden,  was Forderungen von rechts und links, ihre Unabhängigkeit einzuschränken, im Wahlkampf weiteren Auftrieb geben könnte.

Auch beim zweiten Knackpunkt, den US-Handelsstreitigkeiten mit China und der EU, gibt es erste positive Signale. Gelöst ist noch nichts. Aber die ernsthaften und detaillierten Verhandlungen zwischen China und den USA nähren die Hoffnung, dass es bereits im Februar einige Fortschritte geben wird.

Im vergangenen Jahr konnte Trump es sich leisten, in Handelsfragen auf Maximalforderungen zu bestehen. Dank massiver Steuersenkungen in den USA wurden die Schäden des Protektionismus zwar nahezu überall sonst in der Welt, aber eben nicht in den USA selbst sichtbar. Da in diesem Jahr mit dem Auslaufen des Fiskalimpulses offensichtlicher würde, dass auch die USA erheblich von den Kosten ausufernder Handelskriege getroffen würde, setzen wir darauf, dass Trump lieber einige Deals abschließen und diese Gefahr ausräumen möchte, schließlich will er 2020 wiedergewählt werden. Es wird sicher noch einige Male rumpeln, gerade auch zwischen den USA und der EU. Aber die politische Logik spricht dafür, dass Trump letztlich für alle Seiten erträgliche Kompromisse eingehen wird, um ein übermäßiges Abrutschen der US-Konjunktur zu vermeiden.