KommentarPlan B der Deutschen Bank kippt

Eine Statue vor einer Filiale der Deutschen Bank
Nachdenklich: Wie kommt die Deutsche Bank aus der Misere?Getty Images

Die Deutsche Bank hat wieder einmal Ärger mit den Strafverfolgungsbehörden: Seit Donnerstagmorgen filzen Ermittler im Hauptquartier der Bank in Zusammenhang mit den „Panama Papers“. Die Deutsche Bank soll Kunden bei der Gründung von sogenannten „Offshore-Gesellschaften“ in Steuerparadiesen behilflich gewesen sein, lautet der Verdacht. Es geht um mindestens zwei Verdächtige, 900 Kunden und ein Geschäftsvolumen von 311 Mio. Euro, so die Staatsanwaltschaft.

Der Vorgang an sich mag überschaubare Dimensionen haben. Man ist längst andere Summen gewöhnt in Zusammenhang mit Steuertricks und Geldwäsche bei Banken als gut 300 Mio. Euro. Der Vorgang ist jedoch nicht nur peinlich und konterkariert das Bemühen der Bank, ihre verlorene Reputation wiederherzustellen. Nein, die Kette der jüngeren Ereignisse – Ermittlungen wegen der „Panama Papers“, die Verwicklung in den Geldwäscheskandal der Danske Bank (bei dem die Bank argumentiert, man habe die Kunden der Bank nicht gekannt und auch nicht kennen müssen), die wackelige Position der Compliance-Chefin der Bank, die Entsendung eines „Geldwäsche-Sonderbeauftragten“ durch die Finanzaufsicht – diese Kette hat weitreichende Implikationen. Sie schmälern die Chancen der Deutschen Bank erheblich, im Falle des Scheiterns ihres aktuellen Geschäftsmodells wenigsten noch über Fusionen und Übernahmen die Existenz zu retten.

Investoren fliehen aus Aktien deutscher Banken

Dazu muss man zunächst die Kursentwicklung der vergangenen Monate deuten: Die Zweifel der Investoren werden trotz des in Aussicht gestellten Jahresgewinns immer größer: Ist die Bank in ihrer aktuellen Struktur einer Universalbank dauerhaft profitabel und überlebensfähig? Um 47 Prozent sank der Aktienkurs seit Jahresbeginn und notiert knapp über einem 35-Jahres-Tief – tiefer noch als Anfang 2016, als es schon einmal um die Existenz der Bank ging.

Deutsche Bank Aktie

Deutsche Bank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Der Kursverfall ist allerdings keine spezifische Geschichte der Deutschen Bank. Für die Aktie der Commerzbank ging es seit Jahresbeginn ebenfalls 37 Prozent bergab. Ihre Börsenwerte sind gemessen am Geschäftsvolumen inzwischen „Restwerte“: 27 Mrd. Euro bringen beide Institute zusammen auf die Waage, gut ein Prozent ihrer kumulierten Bilanzsummen, zwei Drittel weniger als ihre Buchwerte.

Die Sorge der Investoren, die aus deutschen Bankaktien fliehen: Womöglich kommt es zu einem konjunkturellen Abschwung mit einem entsprechenden Geschäftseinbruch und einem Anstieg der Kreditausfälle, noch ehe die Zinsen in der Eurozone wieder zu klettern beginnen. Letzteres wäre enorm wichtig für die Zinserträge. Und wenigstens ein, zwei wirklich gute Jahre, um das Eigenkapital noch weiter zu stärken und den Investoren eine nennenswerte Dividende auszuschütten, brauchen die Banken, ehe es das nächste Mal konjunkturell kracht und die Kapitalpolster wieder Löcher bekommen.

Ihre Größe macht die Deutsche Bank zu einem Fusionsrisiko

Dass es mit den ein, zwei guten Jahren doch nichts geben könnte, ist – zweitens – seit einigen Monaten auch den Regulierern klar. Sie haben, so hört man im Hintergrund, ihren Widerstand gegen Großfusionen von Banken in Europa zwar nicht vollends aufgegeben, sehen das Thema aber gelassener. Genau dies war der Grund, warum plötzlich die Fusionsgerüchte rund um die Commerzbank und die Deutsche Bank aufkamen. Denn findige Investmentbanker, die immer auf der Suche nach „Deals“ sind, bringen gerne die industrielle Logik solcher Fusionen unter die Leute: Da ließen sich doch bequem Kosten sparen als Antwort auf die Ertragskrise.

Ob Großfusionen oder Übernahmen für die Deutsche Bank oder die Commerzbank – sei es untereinander, sei es länderübergreifend – überhaupt sinnvoll sind zur Ertragsstärkung, ist fraglich. An der großen, strukturellen Herausforderung, dass man in einem hart umkämpften Kernmarkt Deutschland unterwegs ist, ändern sie schließlich nichts.

Das Problem für die Deutsche Bank: Schon die schiere Größe macht sie zu einem Risiko als Fusionspartner oder Ziel einer Übernahme. Das ist zwar nicht neu, aber ungelöst: Niemand weiß genau, was sich in knapp 1500 Mrd. Euro Bilanzsumme an Risiken türmt. Die Kette der jüngeren Ereignissen verkompliziert das ganze noch einmal, denn nun kommt (wieder) die Frage ins Spiel: Was handelt man sich an noch verborgenen Rechtsrisiken ein, wenn man mit der Deutschen Bank fusioniert oder sie ganz oder in Teilen übernimmt? Ist die Lage dort überhaupt unter Kontrolle? Genau dies verkündet die Bank ja spätestens seit ihrem großen Vergleich mit den US-Justizbehörden und ihrer jüngsten Kapitalerhöhung Anfang 2017: Haken dran, nun geht es vorwärts.

Angesichts der Nachrichtenlage der letzten Monate wird es jedem Vorstandschef der Welt enorm schwer fallen, Aktionären und Aufsichtsräten (im Falle einer innerdeutschen Fusion übrigens auch dem Steuerzahler als Großaktionär der Commerzbank) die Risiken einer solchen Transaktion kleinzureden. Die Strategie der Bank jedenfalls, diese Sorgen zu zerstreuen, Rechtsstreitigkeiten als Altlasten zu etikettieren, sich selbst als geläutert zu positionieren, ist auf dem besten Wege zu scheitern. Womit ihre Handlungsoptionen im Krisenfall weiter sinken.