KolumneObama verschärft die Gangart

Obama
US-Präsident Obama will schärfer gegen die Finanzbranche vorgehen (Foto: Getty Images)

Simon Johnson ist Professor an der Sloan School of Management des MIT und Mitverfasser von White House Burning: The Founding Fathers, Our National Debt, and Why It Matters to You.


In den vergangenen sechs Jahren hat sich die Administration von US-Präsident Barack Obama in der Finanzpolitik meistens auf die Seite der Großbanken geschlagen. Doch mit der Ankündigung eines neuen Gesetzesentwurfs zur Vermeidung von Interessenskonflikten in der Finanzberatung hat Obama jetzt offensichtlich eine bedeutende Kehrtwende vollzogen.

Seit Beginn seiner ersten Amtszeit verfolgte Obama den gleichen Ansatz wie die Administration unter George W. Bush. Anfang 2009 profitierten große Finanzunternehmen von massiver staatlicher Unterstützung. Managern und Aktionären räumte man großzügige Bedingungen ein. Insbesondere Citigroup profitierte von dieser Vorgehensweise, die es ihr ermöglichte, im Wesentlichen das gleiche Geschäftsmodell mit unverändertem Management weiterzubetreiben. Und aus dem Dodd-Frank-Gesetz zur Finanzmarktreform des  Jahres 2010 hätte man wesentlich mehr herausholen können, um die Macht der Großbanken und den Schaden, den sie anrichten können, zu begrenzen.

Im Dezember 2014 hob die Administration einen zentralen Teil der Dodd-Frank-Reformen auf – ein Schritt, von dem die Citigroup direkt profitierte , weil er es dem Management der Bank ermöglichte, noch mehr Risiken einzugehen (jener Art, wie sie dem Finanzsystem in den Jahren 2007-2008 beinahe zum Verhängnis wurden). Lobbyisten der Finanzindustrie und republikanische Abgeordnete rüsten sich bereits zum Kampf für die Aufhebung weiterer Beschränkungen für Citigroup und andere Großbanken.

Interessenskonflikte im Finanzsektor

Doch nun bringt die Obama-Administration  im Zuge einer unvermittelten und lobenswerten Kehrtwende das Thema der Interessenskonflikte im Finanzsektor mit Nachdruck aufs Tapet. Insbesondere geht es dabei um Anlageberatung für Menschen, die für ihren Ruhestand sparen wollen.

Diese Anleger haben komplizierte Entscheidungen mit möglicherweise tiefgreifenden Folgen zu treffen. In diesem Zusammenhang alles richtig zu machen, ist selbst unter optimalen Bedingungen schwierig. Wie hoch werden die Zinssätze sein? Wie lange wird man selbst oder der Ehepartner leben? Welche Verpflichtungen werden gegenüber Kindern bestehen und wie lang?

Die vielleicht wichtigste Frage lautet allerdings, ob man seinem Finanzberater vertrauen kann. Manche Finanzberater in den Vereinigten Staaten werden nicht auf Grundlage des Erfolgs für ihre Klienten bezahlt, sondern für die Finanzprodukte, die sie ihren Kunden verkaufen. Dennis Kelleher von Better Markets – einer Gruppe, die sich für Reformen einsetzt –  fasste die Situation jüngst treffend zusammen: „Finanzberater können Anlagen empfehlen, die ihnen selbst zwar lukrative Provisionen bescheren, ihre Kunden jedoch auf hohen Gebühren, unterdurchschnittlicher Performance und inakzeptabel risikoreichen Produkten sitzenbleiben lassen.”

Kelleher übte in den letzten Jahren wirkungsvolle Kritik an der Administration und unternahm große Anstrengungen, auf alle potenziellen Interessenskonflikte im Finanzsektor hinzuweisen. Nun finden seine Analysen und Empfehlungen Niederschlag in einem neuen Bericht der Wirtschaftsberater des Präsidenten, des  Council of Economic Advisers. „Eine derartige Gebührenstruktur”, so die Warnung der CEA, „erzeugt akute Interessenskonflikte: Die beste Empfehlung für den Anleger muss nicht unbedingt die beste Empfehlung in Bezug auf den Nettoprofit des Finanzberaters sein.“