Kommentar Novak Djokovic und sein merkwürdiges Biotech-Investment

Investiert in Pseudo-Heilkunde: Tennis-Star Novak Djokovic.
Investiert in Pseudo-Heilkunde: Tennis-Star Novak Djokovic.
© IMAGO / ZUMA Wire
Novak Djokovic, Tennisspieler und Impfverweigerer, soll laut Berichten in ein „Biotech“-Unternehmen investiert haben. Damit betreibe er quasi „richtige“ Corona-Forschung. Das ist Nonsens

Eine skurrile Meldung macht derzeit im Netz die Runde: Novak Djokovic, der aus Australien ausgewiesene Tennisspieler und Impfverweigerer, habe in ein "dänisches Biotech-Unternehmen" investiert. Der wohl aus Überzeugung Ungeimpfte betreibe somit quasi "richtige" Corona-Forschung. In einer seltsamen Melange aus Kommentar und Bericht haben massenhaft clickjagende Weiterverbreiter bald daraus ein scheinbares Paradoxon konstruiert: Einerseits, so scheine es, sei Djokovic ja Impfgegner. Andererseits stecke er ein Vermögen in vermeintliche "Biotech"-Forschung.

Das ist Nonsens.

Denn wenn sich irgendetwas perfekt eignet, um obskure, pseudowissenschaftliche Ideen nachzuweisen, denen Djokovic angeblich nahesteht, wäre es exakt dieses Engagement für Fake-Forschung. Das vermeintliche Biotech-Unternehmen, das als Chefwissenschaftlerin die in Australien lebende, bereits länger pensionierte Professorin für IT und Elektrotechnik Irena Cosic benennt, widmet sich nämlich einer lange bekannten Form von Pseudoheilkunde.

Die Humbug-Lehre der Bioresonanz

Ihr "Resonant Recognition Model" ähnelt stark der Humbug-Lehre der Bioresonanz, bei der ein obskures Gewölk von Feldern, Schwingungen und Frequenzen unter anderem Allergien auslöschen und ansonsten alles und jedes irgendwie heilen oder zumindest diagnostizieren soll.

Die Methode ist in manchen Ländern längst verboten, bei uns immerhin aus dem Krankenkassen-Leistungskatalog ausgeschlossen - und, man darf es in diesem Fall ganz offen bekennen - ein ziemlich genaues Äquivalent des Schwarz-Anstreichens von Schimmeln für den Pferdemarkt. Letzteres nennt sich klassisch: Rosstäuscherei.

Einen unterhaltsamen Beleg für den skurrilen Charakter dieser sonderbaren Fake-Medizin hat vor nicht allzu langer Zeit der Mainzer Medizin-Professor Walter Dorsch geliefert, als er mit kommerziell erhältlichen Resonanzapparaten den Gesundheitszustand von feuchten Lappen und einer Scheibe Fleischkäse überprüfte. Beide zeigten ein reges, weitgehend identisches Knochen-Wachstum.

Irgendwas mit Quanten

Irena Cosic und Konsorten schicken sich nun an, nicht etwa üble Schwingungs-Fantasmata aus kranken Menschen auszulöschen, sondern Viren und Bakterien. In einem Mission Statement vom vergangenen Jahr gaben sie die Absicht bekannt, "optische Nanopartikel, die auf bekannten elektromagnetischen Frequenzen schwingen" zur Behandlung von "Retroviren inklusive Covid-19" einsetzen zu wollen. Und irgendwas mit Quanten.

Das pseudowissenschaftliche Pamphlet leidet allerdings nicht nur unter dem schon für Laien erkennbaren Fehler, die Krankheit Covid-19 für deren Erreger, Sars-CoV-2, zu halten. Regelrecht grotesk ist der virologische Voll-Blödsinn, Sars-CoV-2 für ein Retrovirus zu halten – eine Virusklasse, zu der der Aids-Erreger HIV zählt, nicht aber Coronaviren. Und zwar im Entferntesten nicht. Gemeinsam haben beide bloß, dass sie RNA als Erbgut-Molekül verwenden.

Und so wird das Pseudo-Paradox des Djokovic-Investments am Ende wieder völlig plausibel – die scheinbare Seltsamkeit des "Biotech"-Engagements ist gar keine. Es passt sich nahtlos in das wilde Sammelsurium des Medizin-Aberglaubens ein, der in der Impfgegnerszene viele Freunde findet.


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