ExklusivNeue Probleme bei Stuttgart 21

Der Bau von Stuttgart 21 stand von Anfang an unter einem schlechten Stren. Jetzt ziehen sich auch noch die Bauarbeiten in die Länge
Der Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof geht schon jetzt in die Flop-Annalen ein. Am 2. Februar 2010 begannen die Bauarbeiten. Die Inbetriebnahme war für Dezember 2019 geplant. Aktuell wird der Start für 2025 anvisiert. Die Kosten haben sich seit dem Baubeginn in etwa auf 8,2 Mrd. Euro verdoppelt. Bahn/Mediathek

Das Prestigeprojekt der Deutschen Bahn, der neue Tief­bahnhof in Stuttgart, steht vor neuen Problemen. Nach Recherchen von Capital fehlt für ein wichtiges Detail in dem Megaprojekt nach wie vor die Finanzierung – rund 600 Mio. Euro für ein digitales Stellwerk, digitale Kommunikations­technik und ein modernes Funksystem.

„Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, wenn der einzige große Bahnhof, den Deutschland mit der neuen Technik ausstattet, 2025 nicht starten kann“, bestätigte der Staatssekretär im baden-württembergischen Verkehrsministerium, Uwe Lahl, die Recherchen von Capital. Sollte der Bund seinen Anteil an den Kosten nicht freigeben, werde in dem knapp neun Mrd. Euro teuren Bahnhof eine Signaltechnik aus dem 19. Jahrhun­dert verbaut, erklärte ein Kenner der Planungen.

Der Streit um die Finanzierungsbeteiligung des Bundes in Stuttgart wirft ein Schlaglicht auf die jüngsten Investitionspläne der Deutschen Bahn. Trotz eines Investitionspakets von nach Angaben der DB rund 156 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 sind wichtige Zukunftsprojekte wie die Digitalisierung der Schiene und der Deutschlandtakt unter­finanziert. Mit dieser Finanzausstattung sei kein „großer Befreiungsschlag“ drin, sagte Christian Böttger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Capital. DB und Bund arbeiteten mit „Taschenspielertricks, um das Volumen beein­druckender“ aussehen zu lassen. Auch Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene und als solcher Lobbyist für 140 Eisenbahnunternehmen und Umweltverbände, hält das Paket für künstlich aufgeblasen durch „viele Unbekannte und Luftbuchungen“.

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