VG-Wort Pixel

Rainer Schaller Wie Mr. McFit sein Unternehmen führte

Rainer Schaller im Mai 2020 bei der Wiedereröffnung des McFit Studios Köln Kalk
Rainer Schaller im Mai 2020
© picture alliance / Flashpic | Jens Krick
McFit-Gründer Rainer Schaller ist vor Costa Rica mit seinem Privatflugzeug abgestürzt. Als Unternehmer war er nicht nur für die deutsche Fitnessbranche prägend

Von der Maschine vom Typ Piaggio P.180 Avanti sind nur noch Trümmerteile übrig. Stücke des Flugzeugrumpfes, Sitze und Gepäckstücke hatten die Behörden bereits einen Tag nach dem Absturz rund 28 Kilometer vor der Küste von Costa Rica gefunden.

An Bord des Privatflugzeugs waren Rainer Schaller und seine Familie; insgesamt fünf Passagiere und ein Pilot. Zwei Leichen wurden bereits geborgen, die eines Erwachsenen und eines Kindes. Das Flugzeug war am Freitag auf dem Weg in die costaricanische Provinz Limón, als um 18 Uhr Ortszeit die Verbindung mit ihm abbrach. Was danach geschah, versuchen seither Ermittlerinnen und Ermittler zu rekonstruieren.

Schallers Name ist vielen Menschen wegen der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg 2010 im Gedächtnis geblieben, bei der 21 Menschen ums Leben kamen und 650 verletzt wurden. Schaller hatte 2006 die Geschäftsführung der Firma Lopavent übernommen, die die Loveparade organisierte.

Als Unternehmer prägte Schaller den Fitnessmarkt: Er war der Mann, der das Discounterprinzip auf die Branche übertrug und damit reich wurde. 1996 gründete der 53-Jährige die Fitnesskette McFit, 1997 eröffnete die erste Filiale in Würzburg. Das Konzept: Die Studios öffnen 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. Zuletzt gehörten zu Schallers RSG-Group insgesamt 14 Marken – darunter neben McFit auch John Reed und High5.

Im Podcast „Die Stunde Null“ von Capital und ntv sprach Schaller im Mai 2020 ausführlich über Krisen, seine Expansionspläne für die USA und darüber, wie wichtig es sei, persönlich zu helfen.

Schaller war ein Macher, der auch persönlich für seine Mitarbeitenden einsprang. So steckte er zu Beginn der Pandemie nach eigenen Aussagen Teile seines privates Geldes in einen Soforthilfefonds für Angestellte. „Für mich war es wichtig, auch weil ich aufgrund meines Alters schon einige Krisen hinter mir habe, dass wir eine wichtige Botschaft nach außen bringen. Und die erste war: Wir geben eine Jobgarantie, niemand wird aufgrund der Krise seinen Job verlieren.“ Außerdem stampfte er unter dem Motto „The Big Pump“ einen TV-Sender mit Livestream und virtuellen Workouts aus dem Boden – und startete die Fitness-App Cyberobics.

Die McFit-Kette führte Schaller dezentral. Die Verantwortung lag oft bei den zuständigen Geschäftsführern und Filialmitarbeitern vor Ort, das sei schon wegen der Sprachbarrieren im Ausland wichtig, so Schaller. Von Deutschland aus stellte McFit sicher, dass die gemeinsamen Standards und Richtlinien überall umgesetzt werden. „Wir müssen jede Woche einen Newsletter in allen Sprachen übersetzen, in dem wir die aktuellsten Ereignisse reinschreiben, damit der Hausmeister in Sevilla oder die Reinigungskraft in Rom weiß, wie es im Unternehmen aussieht“, sagte Schaller damals.

Zu diesem Zeitpunkt steckte Schaller überdies mittendrin in Expansionsplänen für die USA: In Los Angeles, San Francisco und Dallas sollten Fitnessclubs unter dem Namen John Reed entstehen. In LA und Dallas sind die Muckibuden mittlerweile eröffnet, die ein Mix aus Club und Fitnesszentrum sein sollen. Die Filiale in San Francisco gibt es bisher nicht. 

Privat lebte Schaller in seiner kleinen Heimatstadt Schlüsselfeld nahe Bamberg und in Berlin. Dem Capital-Schwestermagazin „Business Punk“ gewährte er 2018 Einblick in seine Wohnung, einem zweigeschossigen Penthouse mit Fitnessraum, Dachterrasse, Pool und Ausblick über den Volkspark Friedrichshain. Drinnen schwarze Wände, Leder, schwere Bildbände, großformatige Kunst und goldene Lampen – optisch irgendwo zwischen Safari-Lodge, Playboy-Mansion und Boutiquehotel. 

Sein Schreibtisch stand damals im McFit-Großraumbüro – und nicht etwa in einem schicken Büro nahe der Spree oder des Reichstages. Er umgab sich zwar gerne mit Stars und Sternchen, war mit den Klitschkos befreundet und besaß ein Messer mit Widmung von Til Schweiger. Aber Schaller war, so das Magazin, gleichzeitig auch wahnsinnig ehrgeizig, diszipliniert und clever. Wenn jemand in Deutschland das sehr amerikanische Motto „Think big“ verinnerlicht hatte, dann er.

Bei McFit ging es immer nach Schaller, denn die McFit Global Group gehörte ihm alleine. Er hatte keine Investoren an Bord, so gab es kaum jemanden, der seinen Drang nach neuen Ideen und Projekten hätte bremsen oder gar stoppen könnte. Schallers Vision war bis zuletzt The Mirai – ein japanisch-englischer Sprachmischmasch, der übersetzt „Die Zukunft“ bedeutet. Es sollte das größte Fitnessstudio der Welt werden.

Am Centro, dem berühmt-berüchtigten Einkaufszentrum in Oberhausen, baute McFit deshalb eine 55.000 Quadratmeter große Halle um, die einst vom Stahlgiganten Thyssen errichtet wurde. Es sollte Geräte für alle nur denkbaren Spielarten von Fitness geben, Bereiche für Kinder, ein Messe- und Konferenzzentrum, eine Aus- und Weiterbildungsstätte für Fitnesstrainer. Außerdem plante Schaller, dass ein Forschungs- und Entwicklungsinstitut an The Mirai mitwirkt, um noch besser zu verstehen, welche Übungen welchen Effekt haben, welche Art von Fitness für wen ideal ist.

50 Mio. Euro wollte sich Schaller das Mirai-Experiment kosten lassen. Doch aus seiner Vision wurde wegen Corona nichts. Ende 2020 gab der Investor das Aus für das Projekt bekannt. Die Halle in Oberhausen steht leer, obwohl alle Genehmigungen erteilt waren, und die Berliner Agentur Triad, die unter anderem das Fifa- und das DFB-Museum entworfen hat, an den Plänen dazu saß, wie dieses große Fitnessstudio eines Tages hätte aussehen soll.

Mehr zum Thema

Neueste Artikel