UhrenLuxusuhr - eine Villa fürs Handgelenk

Die Grand Complication: Sieben Exemplare gibt es nur. Die Uhr wiegt 241 Gramm, ist 20 Millimeter hoch und 5 Zentimeter misst der Durchmesser
Die Grand Complication: Sieben Exemplare gibt es nur. Die Uhr wiegt 241 Gramm, ist 20 Millimeter hoch und 5 Zentimeter misst der Durchmesser
© ALS

Es passiert selten, dass selbst der Firmenchef ein neues Spitzenprodukt nicht anfassen darf. Und als Wilhelm Schmid im Dezember 2012 zu seinem Chefentwickler ging, ahnte der Geschäftsführer der sächsischen Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne noch nicht, dass gleich genau das passieren würde.

Da lag sie. Gebettet auf weißem Tuch, strahlend schön. Die „Grand Complication“. Die komplizierteste Armbanduhr, die jemals in Deutschland gebaut wurde. Und eine der teuersten der Welt: 2 Mio. Euro wert.

Ein Gehäuse aus Rotgold, fünf Zentimeter breit, darin gefasst ein mehrteiliges Emaille-Zifferblatt mit vier symmetrisch angeordneten Hilfszifferblättern. Die Zeiger aus Gold und gebläutem Stahl. Noch nie zuvor hatte Schmid die „Grand Complication“ vollendet gesehen. Er wollte sie anfassen, ums Handgelenk legen. Aber Anthony de Haas, der Chefentwickler, schüttelte den Kopf. „Kommt gar nicht infrage.“ Vor der offiziellen Vorstellung lasse er keinen an die Uhr. Nicht mal den Chef.

Wie der Pulsschlag eines Babys

Innenansicht eines Meisterwerks
Innenansicht eines Meisterwerks
© ALS

Stattdessen aktivierte de Haas selbst den Repetitionsschieber, der das Schlagwerk auslöst. Die Uhr läutete und gab die Zeit bekannt: tiefer gestimmte Töne für die vollen Stunden, die Viertelstunden als Doppelschlag, die Minuten in höheren Tönen. Die Uhr lebte. „Diesen Moment habe ich nicht vergessen“, sagt Schmid. Es sei wie der Pulsschlag eines Neugeborenen gewesen.

Mit der „Grand Complication“ will sich Lange endgültig in der Meisterklasse der Haute Horlogerie etablieren. Noch nie zuvor ist es einer deutschen Manufaktur gelungen, eine Armbanduhr zu kreieren, die sieben Komplikationen kombiniert. Als Große Komplikation werden Uhren bereits bezeichnet, wenn sie vier Zusatzfunktionen neben der Zeitangabe aufweisen. Eine Große Komplikation ist die Eintrittskarte in den Club der weltbesten Feinuhrmacher. Nur ganz wenige Manufakturen sind in der Lage, sie herzustellen.

Lange hat es geschafft, die komplexesten Komplikationen zu vereinen: etwa das Schlagwerk mit großem und kleinem Geläut, das zur vollen und zur viertel Stunde ertönt. Die Repetition, die jederzeit auf Hebeldruck die Stunden und Viertelstunden noch einmal läuten und auch die Minuten erklingen lässt. Den ewigen Kalender. Die Mondphasenanzeige. Oder den Rattrapante-Chronografen: die Stoppuhr, die mit ihrem Schleppzeiger (Rattrapante) Zwischenzeiten nimmt, während die blitzende Sekunde – ein Zeiger, der pro Sekunde eine ganze Drehung macht – die Bruchteile misst.

Es habe berechtigte Zweifel gegeben, sagt Schmid, ob Lange in der Lage sei, akustische Uhren zu entwerfen – sie sind die hohe Kunst der Uhrmacherei. „Wir hatten es ja nie bewiesen. Wir hatten zum Beispiel nie eine Minutenrepetition.“ Dieser Tage aber wird die erste „Grand Complication“ ausgeliefert, und Schmid sagt: „Sie ist ein Statement. Der Ruf einer Marke lebt von dem, was man kann. Und jetzt haben wir bewiesen: Wir können alles, was wir wollen.“

Der Weg dahin allerdings war mühsam. Und länger als erwartet.