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Peter Borchers In Deutschland schlummert großes Innovationspotenzial – und hier liegt es

Künstliche Intelligenz ist nur eine der vielen Zukunftsbereiche, in denen Deutschland innovativer werden muss
Künstliche Intelligenz ist nur eine der vielen Zukunftsbereiche, in denen Deutschland innovativer werden muss
„Made in Germany“ wirkt weiter – aber der Output ist zuletzt massiv zurückgegangen. Deutschland braucht eine Innovationsoffensive. Und das Potenzial dafür wäre vorhanden

Welche letzte große Innovation Made in Germany fällt Ihnen spontan ein? Und welche aus den USA oder China? Dass Sie sehr wahrscheinlich länger darüber nachdenken müssen, was Deutschland zuletzt Innovatives erschaffen hat, zeigt: Hierzulande muss Innovation wieder eine größere Rolle spielen als zuletzt. Die gute Nachricht immerhin ist, dass es noch genügend Potenziale gibt.

Innovationsausgaben trotz Krise? Aber ja!

Am Geld für Innovationen fehlt es offenbar nicht: Rund die Hälfte von mehr als 100 befragten Führungskräften erwartet in den nächsten Jahren keine negativen Auswirkungen auf ihr Innovationsbudget. Und das trotz wirtschaftlichem Abschwung. Diese Erkenntnis aus unserer kürzlich erschienenen Pathfinder-Studie, für die Entscheiderinnen und Entscheider etwa aus DAX-Unternehmen, Mittelstand und Startups befragt wurden, stimmt zuversichtlich. Doch die eigentliche Sorge bereitet das Kleingedruckte. 

Dass Innovation heute am besten auf einem fruchtbaren digitalen Boden mit Zusammenarbeit über verschiedene Gewerke hinweg gedeiht, sollte eigentlich keiner Erwähnung mehr bedürfen. Denn Innovation, gerade digitale, ist zwingend auf eine gute und schnelle IT mitsamt Infrastruktur angewiesen. Dennoch erleben die befragten Führungskräfte in der Zusammenarbeit mit der IT immer wieder Herausforderungen – die Top drei lauten so: lange Bearbeitungs- und Reaktionszeiten, Wissenssilos sowie mangelnde technische Fähigkeiten. Ein Nährboden für gute Zusammenarbeit und digitale Innovation ist das nicht. 

Doch passt es leider ins Bild, das die Innovationseinheiten über sich selbst zeichnen: Danach gefragt, welche Parameter in den Einheiten angepasst werden müssten, werden gleichermaßen Budgets für externe Unterstützung, etwa in der Entwicklung, Fokusthemen sowie Headcounts angekreidet. Investitionsvolumen sowie verstärkte Partnerschaften mit Startups folgen. 

Dass die finanziellen Rahmenbedingungen immer noch besser sein und mehr Köpfe unterstützen könnten, ist wenig überraschend. Doch dass die Kollaboration mit Externen vermisst wird, sollte stutzig machen. Gerade in der Zusammenarbeit mit Startups liegt riesiges Potenzial, das unterschiedliche Formen annehmen kann. So haben sich in den vergangenen zehn Jahren neue Innovationsinstrumente wie Startup Partnering, Corporate Venture Capital, Venture Building oder auch verschiedene eher informelle Kooperationsformen entwickelt. Mit diesen könnte jedes Unternehmen Andockmöglichkeiten finden. Wenn es denn wollte.

Das Außen ist bei Innovationen innen

Noch viel zu oft wird Innovation in Deutschland intern gedacht. Ein internes Team stellt sich internen Fragestellungen und versucht, die internen Stakeholder davon zu überzeugen, dass die intern entwickelte Idee ein großer Wurf ist. Doch um mit der immer höheren Innovationsgeschwindigkeit mithalten zu können, muss verstärkt auch auf Innovation von außen gesetzt werden. Es braucht externe Impulse, um den eigenen Horizont zu erweitern und aus den gängigen Strukturen auszubrechen. 

Diese externen Impulse können einerseits durch Weiterbildung ins Team kommen. Mittels Fortbildungen, dem Besuch von Seminaren und dem Erwerb von Abschlüssen kann individuelles Wissen langfristig das Unternehmen stärken. Andererseits, gerade in größeren Unternehmen, aber auch durch Zusammenarbeit. Und zwar immer wieder. Denn natürlich fruchtet nicht jede Partnerschaft sofort und auch die am besten vorbereitete Kollaboration mit einem Startup kann scheitern. Doch das sollte nicht dazu führen, dass die Offenheit für externe Erfahrungen und Sichtweisen verloren geht.

Innovationspotenziale liegen nicht nur im Mindset

Kurzum: Entscheidend ist die Einstellung, mit der Innovation betrachtet und betrieben wird. Aber das ist nicht alles. Innovationspotenziale schlummern auch in der Ausführung, die oft entscheidend für das Gelingen ist. Handwerkliche Fehler beginnen häufig bereits mit einer unklaren Zielsetzung oder enden bei den falschen Instrumenten. Wissenschaft und Praxis zeigen: Zunächst sollten sich Unternehmen darüber klar werden, was sie mit ihren Innovationsprojekten erreichen möchten. Dann gilt es die Rahmenbedingungen zu analysieren. Anschließend sollte das oder die Kombination aus Innovationsinstrumenten definiert und aufgesetzt werden. Wer das intern nicht schafft, sollte es nicht als Schwäche empfinden, hierzu externen Rat einzuholen. Denn Innovationspotenziale schlummern in Deutschland noch viel zu oft da, wo externes Know-how durch kluge Zusammenarbeit zum Ziel führen würde.

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