FinanzevolutionImmobilien - Proptechs in den Kinderschuhen

Die Fintech genannte technologische Entwicklung verändert schrittweise den Finanzsektor. In meiner Kolumne zum Jahresende habe ich auf die sogenannten Fintech-Geschwister hingewiesen. Dazu gehören vor allem Regtech (Recht und Regulierung), Insurtech (Versicherung) und Proptech (Immobilien). Die sperrige Abkürzung Proptech steht für „Property Technology“ und bezeichnet technologische Lösungen von Start-ups für die Immobilienbranche.

Auch hier scheint sich die Entwicklung, wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen, zu beschleunigen. Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) ermittelte zusammen mit der Unternehmensberatung EY in einer Studie zum Einsatz digitaler Technologien in der Immobilienwirtschaft 114 Technologie-Start-ups. Der Blog rund um Gewerbeimmobilien Gewerbe-Quadrat splittet den Sektor wiederum in neun Untersegmente auf. Die wenigsten Segmente haben dabei etwas mit Finanzierung zu tun. Insoweit ist es auch nicht korrekt, Proptech als Subsegment von Fintech zu bezeichnen. Überschneidungen gibt es aber bei den Unternehmen, die sich mit der Finanzierung von Immobilien ohne Banken befassen. Hier werden allein 13 Unternehmen aufgeführt.

Die Bandbreite der Start-ups spiegeln die verschiedenen Kundenkreise für Miete, Kauf, Wohnen wider. Schon 2015 sah das Onlinemagazin „Deutsche Startups“ die Immobilienbranche in Aufruhr und im Umbruch durch zahlreiche Start-ups, die versuchten, sich als kostengünstigere und moderne Alternative zu Maklern und anderen Immobilien-Dienstleistern zu etablieren. Das Start-up-Portal „Gründerszene“ hat für dieses Segment bereits die Revolution ausgerufen. Wie für den Finanzsektor bin ich auch hier vorsichtig bei solchen Revolutionsansagen.

Einige Start-ups haben schon aufgegeben

 Die Segmente reichen von Immobilienportalen und Marktplätzen über Angebote, die den Verkauf beziehungsweise die Vermietung mit Services unterstützen, eine Vermietung auf Zeit ermöglichen, helfen Mitmieter zu finden oder den richtigen Makler, Verwalter und andere Dienste rund um Immobilien. Die Finanzierung von Immobilien ist lediglich eines von vielen Segmenten. Laut der Studie von ZIA und EY  bilden mit jeweils 15 Start-ups die sogenannte „temporäre Nutzung“ und die „Visualisierung“ die größten Gruppen, gefolgt von „Crowdfunding“ und „Smart Building“ (jeweils elf Start-ups). Daneben spielen Lösungen zur digitalen Verwaltung und Kommunikation eine wichtige Rolle. In der Studie von ZIA und EY finden interessierte Leser ausführlichere Beschreibungen der Innovationscluster sowie Kurzbeschreibungen der Proptech-Start-ups.

Manchen Plattformen, wie etwa Hausgold, gelingt es, namhafte Investoren anzuziehen. Das Hamburger Unternehmen möchte über sein Angebot Eigentümer beraten, die Immobilien verkaufen wollen. Das Angebot ist kostenlos. Die Plattform erhält dann eine Provision, wenn ein Makler die Immobilie verkauft hat. Im Sommer investierten laut „Gründerszene“ Rocket Internet, Global Founders Capital, der Scout24-Gründer Joachim Schoss und Hanse Ventures, der bereits den Anschub gegeben hat.

Längst nicht alle Unternehmen haben hier einen langen Atem. „Deutsche Startups“ stellte etwa 2015 das Unternehmen Adequado vor. Es sollte ein umfassendes Leistungsspektrum für Vermietungswillige bieten: Heute wird man von der Webseite von Adequado weitergeleitet auf eine Software-Suchmaschine für den Mittelstand. Bereits Ende 2015 stellte Rocket Internet sein Makler-Start-up Vendomo ein. Eine Analyse von „Gründerszene“ dazu zeigt, dass der Immobiliensektor nicht so einfach zu besetzen ist, wie sich das manch einer wünscht.