Blockchain„Ich hatte Albträume, dass die Finanzaufsicht nachts meine Tür eintritt“

JR Willett hat 2011 den ICO erfunden und 2013 durchgeführt.André François McKenzie/Unsplash/privat/Collage von Finance Forward

Mai 2013, Bitcoin ist noch ein Nischenthema. Im kalifornischen San Jose sitzt ein junger Mann mit Brille und Stoppelbart auf einem Bitcoin-Panel. Er spricht zum ersten Mal öffentlich von dem, was Jahre später Initial Coin Offering, kurz ICO, genannt wird. Ein neues Projekt rund um Kryptowährungen sei auch ohne Venture Capital machbar, verkündet JR Willett. „Ihr kennt doch Kickstarter?“, fragt er in die Runde. Man müsse nur ein Wallet angeben und sagen: Jeder, der uns Bitcoin schickt, besitzt ein Stück unseres Protokolls. Zack, der ICO war erfunden.

Willett hatte sich das Konzept schon zwei Jahre zuvor überlegt. Es sei wie ein Börsengang (IPO), nur eben für Kryptowährungen. Weil er Weihnachten viel Zeit hatte, arbeitete er das Konzept detailreich aus und brachte es zu Papier, erzählt er im Gespräch mit Finance Forward. Willett sieht inzwischen anders aus als damals. Seinen Bart hat er lang wachsen lassen, das passt – schließlich ist er für viele in der Szene ein Messias. Seine Erfindung hat in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Boom erlebt.

Viele Milliarden Dollar wurden eingesammelt für Tausende von ICOs, manche mit vielversprechenden Konzepten. Die Krypto-Jünger sind angetreten, um ganz unterschiedliche Branchen zu erschüttern oder neu aufzubauen – nicht zuletzt die gesamte Finanzbranche. Manche Anleger wurden über Nacht zu Millionären. Durch Willetts Erfindung des ICO entstand aber auch eine Welt voller Gier und bitterer Schicksale. Nicht wenige ICOs waren klassische Betrugsfälle. Anleger haben zum Teil ihr gesamtes Vermögen verloren, Betrüger werden gejagt, einige sitzen sogar im Gefängnis. Wer ist also der Mann, dessen Idee all das möglich gemacht hat? Und bereut er seine Erfindung?

Das große Porträt über den ICO-Erfinder JR Willett lesen Sie heute auf Finance Forward, dem neuen Finanzportal von Capital und OMR. Für den täglichen Newsletter können Sie sich hier anmelden.