IndustrieProduktion von Masken und Atemgeräten schwerer als gedacht

Allerdings können Präzisionsfräsen und die 3D-Drucktechnik bei der Herstellung komplexer Teile helfen, sagen Experten. Dafür müssen Hersteller aber ihr Wissen und Design bereitstellen. Als weitere Herausforderung gilt die Montage derartiger Maschinen unter für die medizinische Industrie angemessenen Bedingungen. Der Volkswagen-Konzern, dar auch Gesichtsmasken spendet (s. Foto) hat jedenfalls eine Taskforce gegründet, die eine mögliche Herstellung von Geräten oder von Teilen für die Medizintechnik prüfen soll, etwa Kunststoffteile aus dem 3D-Drucker.
Präzisionsfräsen und die 3D-Drucktechnik können bei der Herstellung komplexer Teile helfen, sagen Experten. Dafür müssen Hersteller aber ihr Wissen und Design bereitstellen. Als weitere Herausforderung gilt die Montage derartiger Maschinen unter für die medizinische Industrie angemessenen Bedingungen. Der Volkswagen-Konzern, der auch Gesichtsmasken spendet (s. Foto) hat eine Taskforce gegründet, die eine mögliche Herstellung von Geräten oder von Teilen für die Medizintechnik prüfen soll, etwa Kunststoffteile aus dem 3D-Drucker. Volkswagen Konzern

Atemmasken, Desinfektionsmittel, Beatmungsgeräte: Medizintechnische Produkte werden in der Corona-Krise händeringend gesucht, Hersteller kommen mit der Produktion kaum hinterher. Während den Nachschub von Desinfektionsmitteln inzwischen Schnapsbrennereien sicherstellen und Textilhersteller Schutzkleidung schneidern, liegt die Lösung bei Beatmungsgeräten nicht ganz so nah.

„Dass branchenfremde Unternehmen jetzt mal eben einfach so Beatmungsgeräte herstellen, ist völlig unrealistisch“, sagt Niklas Kuczaty, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik beim Maschinenbauverband VDMA, ntv.de. Aus medizinrechtlichen Gründen sind Beatmungsgeräte viel risikobehafteter als zum Beispiel Atemschutzmasken. „Eine Atemschutzmaske filtert schlimmstenfalls nur die Luft nicht richtig. Wenn ein Beatmungsgerät ausfällt, hat der Patient hingegen schlechte Karten“, sagt Kuczaty.

Die Geräte seien viel zu komplex, um von Fachfremden hergestellt zu werden. Mit der Erfahrungen von etablierten Herstellern könnten unerfahrene Unternehmen nur schwer mithalten. „Da stößt auch unsere deutsche Ingenieurskunst an ihre Grenzen.“ Der Experte gibt weiter zu Bedenken: Beatmungsgeräte brauchen geschultes Personal. „Wenn ein Unternehmen Beatmungsgeräte auf den Markt bringt, die kein Mensch bedienen kann, hilft das auch nicht.“

In Deutschland müssen medizintechnische Geräte außerdem hohen Sicherheitsanforderungen gerecht werden. Kuczaty geht davon aus, dass viele Beatmungsgeräte spätestens an der Qualitätskontrolle scheitern dürften. Selbst bei Knappheit solle nicht aus der Not heraus auf ein Beatmungsgerät zurückgegriffen werden, das nicht richtig funktioniert. „Im Zweifel kann ein schlechtes Beatmungsgerät einem Patienten sogar schaden“, sagt Kuczaty. Unklar sei zudem auch, wer am Ende dafür hafte, wenn ein Beatmungsgerät ausfällt.

Die Anforderungen an Beatmungsgeräte aufzuweichen, kann laut Kuczaty nicht die Lösung sein. Notwendig sei solch ein Schritt momentan aber ohnehin nicht, schließlich seien Beatmungsgeräte in Deutschland – anders als Schutzausrüstung für medizinisches Personal – nicht knapp.

Der Markt mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen hingegen ist derweil bereits hart umkämpft. Einkaufs- und Lieferbedingungen bereiten teils Schwierigkeiten – besonders in China, das einen Großteil produziert. Jüngste Erfahrungen zeigten, dass Zwischenhändler Lieferpflichten oft nicht erfüllen könnten, heißt es in einem Ministeriumsbericht zum Stand der Beschaffung vom 4. April, der der dpa vorliegt. Teils würden Fälschungen oder Produkte angeboten, die von zugesagten Standards abweichen. Auch beim Versand nach Deutschland komme es zu Problemen.

Neben der Beschaffung auf den Märkten will der Bund Anreize setzen, um eine Herstellung von Masken und Vorprodukten wie Vlies-Material im Inland aufzubauen. Vorgesehen sind dafür Investitionszuschüsse, wenn Unternehmen ihre Produktion umstellen, und Abnahmegarantien. Ziel ist es laut Bundesregierung, nicht nur einen kurzfristigen Bedarf zu decken, sondern Nachschub für mehrere Monate.

Zuerst erschienen bei n-tv.de.