SerieGroßes Problem, smarte Lösung: Smog Free Tower

Der Smog Free Tower in Rotterdam
Der Smog Free Tower in RotterdamDaan Roosegaarde


Klimawandel, Armut, Flüchtlingskrisen: Die Welt ist voller Probleme. Capital präsentiert Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit – von smarten Köpfen und innovativen Unternehmungen. Diesmal: der Smog Free Tower.


Das Problem:

Luftverschmutzung ist in vielen Städten ein großes Problem. Schuld daran ist vor allem der Straßenverkehr. Doch auch die Industrie und der Energiesektor tragen dazu bei, dass unsere Luft nicht so sauber ist, wie sie sein sollte. Tritt gleichzeitig eine ungünstige Wetterlage auf, entsteht in industriellen Ballungsräumen der sogenannte Smog. Das Wort setzt sich aus „smoke“ (engl. für Rauch) und „fog“ (engl. für Nebel) zusammen und beschreibt eine überhöhte Luftbelastung. Smog wird beispielsweise durch Schwefeldioxid, Stickoxide oder Staub in Verbindung mit rußhaltigem Nebel oder unter Sonneneinwirkung verursacht.

2013 legte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen ersten Bericht zu den Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit vor. Darin hielt sie fest, dass eine langfristige Exposition gegenüber Feinstaub zu der Herz-Kreislauf-Krankheit Arteriosklerose führen, Geburten beeinträchtigen und Atemwegserkrankungen bei Kindern verursachen kann. Doch auch wer Smog weniger regelmäßig ausgesetzt ist, kann Schäden davontragen. So können sich bei Smog kleine Feinstaubpartikel in der Lunge absetzen und dort Entzündungen verursachen. Davon sind besonders Menschen mit Bronchitis oder Asthma betroffen. Viele Menschen spüren auch, dass sie Smog ausgesetzt sind, indem sie Reizhusten bekommen, Übelkeit oder Kopfschmerzen verspüren.

Smog kommt dort vor, wo besonders hohe Luftverunreinigung auf besondere meteorologische Bedingungen trifft. Dazu gehören viele Großstädte im asiatischen Raum wie Peking und Neu-Delhi. In Europa hat sich die Luftqualität in den letzten Jahrzehnten verbessert. Trotzdem ist auch hier die Luft verunreinigt. So rief Paris 2014 für eine Woche Smogalarm aus. In Deutschland werden die Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub regelmäßig überschritten.

Die Lösung:

Von außen sieht der Smog Free Tower fast aus wie ein Raumschiff. Sieben Meter ragt der Turm mit der Aluminiumverkleidung in die Höhe, an seiner Spitze befindet sich ein – von unten nicht sichtbares – Windrad. Allerdings hat der Turm mit Science Fiction wenig zu tun. Stattdessen widmet er sich einem ganz realen Problem: dem Smog in vielen Großstädten. Wie ein Riesenstaubsauger saugt er die schmutzige Luft im Umkreis von 60 Metern ein – und stößt sie sauber wieder aus. So säubert der Smog Free Tower bis zu 30.000 Kubikmeter Luft pro Stunde.

Konzipiert wurde der Smog Free Tower von dem niederländischen Konzeptkünstler Daan Roosegaarde. Gemeinsam mit Professor Bert Blocken von der Technischen Universität Eindhoven entwickelte er eine mittlerweile patentierte Ionisierungstechnologie, die es erlaubt den in der Luft enthaltenen Feinstaub im Inneren des Turms über Kupferspulen elektrisch aufzuladen und von Filtern binden zu lassen. Betrieben wird der Smog Free Tower mit 1170 Watt Strom, die das Windrad auf dem Dach produziert.

Der Smog Free Tower kam schon in den Niederlanden, Polen und China zu Einsatz. Er gehört zu Roosegaardes „Smog Free Project“, einer langfristigen Kampagne für saubere Luft in Städten. Mit Projekten wie dem Smog Free Tower will Roosegaarde auf das Problem der schmutzigen Luft aufmerksam machen. Denn natürlich ist der Smog Tower bisher vor allem ein Projekt an der Schnittstelle von Kunst und Technologie. Wollte man tatsächlich einen stadtweiten Effekt erreichen, müssten sehr viele Smog Free Tower aufgestellt werden. So hilft der Riesenstaubsauger vor allem Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren. Einen weiteren Nebeneffekt hat der Smog Free Tower übrigens auch: die eingefangenen Schmutzpartikel aus der Luft werden zu Schmuckstücken gepresst.

Der Kopf dahinter:

Daan Roosegaarde ist ein niederländischer Konzeptkünstler, der sich mit der Beziehung zwischen Mensch, Technologie und Raum beschäftigt. Schon als Kind war Roosegaarde von der Natur fasziniert – besonders von Quallen und Glühwürmchen. Nach seinem Master in Architektur gründete er 2007 das Studio Roosegaard, um Projekte zu entwickeln, die Kunst und Technologie sinnvoll miteinander verbinden. Mit dem Smog Free Project widmet sich Roosegaarde dem Thema Luftverschmutzung. Seine Devise: Mithilfe von urbanen Innovationen Aufmerksamkeit für das Thema erregen. „Wir sind auf einer Mission für saubere Luft“, heißt es von Roosegaarde. Neben dem Smog Free Tower hat er mittlerweile auch das Smog Free Bicycle entwickelt, das verschmutzte Luft einsaugt und als saubere Luft an den Fahrradfahrer zurückgibt.