FondsGefährliche Erblasten

Nur noch Schrottwert: Statt satte Renditen einzufahren, werden viele deutsche Fondsschiffe  vorzeitig abgewrackt – wie hier in Bangladesch
Nur noch Schrottwert: Statt satte Renditen einzufahren, werden viele deutsche Fondsschiffe vorzeitig abgewrackt – wie hier in Bangladesch
© laif

Auf die Trauer folgte der Schock. Als der Vater gestorben war, ein Unternehmer aus Hamburg, hinterließ er seinen drei Kindern eine kleine Villa in der Nähe der Elbchaussee und ein Mietshaus. Wert: gut 2 Mio. Euro. Dazu 500 000 Euro in bar. Den Großteil seines Vermögens hatte der Mann aber in geschlossene Fonds gesteckt: 20 Mio. Euro. Auf dem Papier waren die Erben reich. Aber sie sollten sich täuschen.

Als Erstes schlug das Finanzamt zu: Erbschaftsteuer. Um den Wert der Beteiligungen festzulegen, hatte der Fiskus bei den Fondsgesellschaften nach dem Nettoinventarwert, also dem Net Asset Value, gefragt. Dass viele der Fonds bereits marode waren, vor allem die Schiffsbeteiligungen, erwähnten die Gesellschaften gegenüber dem Amt nicht. Dabei sollte es nicht mehr lange dauern, bis eine nach der anderen in die Insolvenz rutschen würde.

Tickende Zeitbombe

Für die Erben bedeutete das: Sie hatten Erbschaftsteuer auf Werte gezahlt, die gar nicht mehr existierten. Und nun forderten die Gesellschaften auch noch die Kommanditisten auf, bereits ausgezahlte Beträge aus den vergangenen Jahren zurückzuzahlen. Da die Kinder nicht nur die Rechte, sondern auch die Verbindlichkeiten geerbt hatten, mussten sie zahlen. Die Forderungen aus den Fonds fraßen das Erbe auf. Und selbst das reichte nicht. Am Ende hatten die Erben Glück im Unglück. Eine Nachlassinsolvenz verhinderte, dass auf ihr Eigenvermögen durchgegriffen wurde. Ein solches Verfahren ist aber keine Selbstverständlichkeit, es unterliegt strengen Anforderungen. Aber das Erbe war weg.

Geschlossene Fonds können eine tickende Zeitbombe sein. In vielen Portfolios schlummern sie. Die Bundesbank hat 3 500 geschlossene inländische Investmentfonds mit einem Vermögen von rund 83 Mrd. Euro statistisch erfasst. Stiftung Warentest spricht sogar von 200 Mrd. Euro, die deutsche Anleger in geschlossenen Fonds investiert haben. Jahrelang galten die Fonds als sicher und renditestark, waren steuerlich begünstigt. Sie durften in keiner Altersvorsorge fehlen, suggerierten Banken und Vermittler. Ein Investment in Bürotürme, Containerschiffe, Spielfilme oder Windräder – was soll da schon schiefgehen?