JapanRoboter-Technik: Zukunftvisionen für Fukushima

Kazuyoshi Kiyonobu, zuständig für die Wirtschaftsentwicklung von Minamisōma, auf dem Testgelände.
Kazuyoshi Kiyonobu, zuständig für die Wirtschaftsentwicklung von Minamisōma, auf dem Testgelände.Deby Sucha

Ob man die Vernichtung sieht oder die Wiedergeburt, kommt in der Präfektur Fukushima auf die Blickrichtung an. Wer sich etwa im Städtchen Minamisoma zum Pazifik wendet, blickt über karges Land. Der Küstenstrich wurde vom Tsunami rasiert, der Boden vom Salzwasser verdorben, kein Baum, kein Haus, auch heute noch. „Früher bin ich hier manchmal durch die Siedlungen geradelt, um am Ufer die Fischerboote anzusehen und Austern zu essen“, sagt Kazuyoshi Kiyonobu. „Das war eine lebendige Gegend.“ Vergangenheit.

Wenn Kiyonobu sich umdreht und landeinwärts schaut, sieht er dagegen die Zukunft. Bagger brummen auf einer Baustelle. Brücken, Tunnels, eine Straßenkreuzung, ein Wasserbecken, ein Flugfeld. Man könnte es für ein neues Stadtviertel halten, tatsächlich handelt es sich um ein Testgelände. „Wir wollen hier all das entwickeln, was wir an den Katastrophentagen und danach dringend gebraucht hätten“, sagt Kiyonobu.

Der junge Lokalpolitiker – schwarzer Anzug, runde Brille – ist für die wirtschaftliche Entwicklung von Minamisōma zuständig. Das 50 Hektar große Gelände, das hier gerade entsteht, ist sein Vorzeigeprojekt: In Minamisōma entsteht ein Robotik-Cluster. In den Straßen, Gebäuden und Tunnels soll ausprobiert werden, wie Rettungsaktionen mit Robotern funktionieren – sei es in großer Höhe, im Wasser oder in engen Räumen. „Was auch immer den Entwicklern einfällt, sie sind völlig frei“, sagt Kiyonobu. Ein 13 Kilometer langer Küstenabschnitt dient zusätzlich als Versuchsstrecke für Drohnen, wie sie einem hier schon jetzt gelegentlich über den Kopf surren.

Phönix aus der Asche, das ist immer eine erstaunliche Geschichte, erst recht wenn die Asche radioaktiv zu strahlen scheint. Fukushima – dieser Name ist in der ganzen Welt mit der Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 verbunden. Erst bebte vor der japanischen Küste die Erde mit Stärke 9. Dann überfluteten bis zu 40 Meter hohe Wellen über 500 Quadratkilometer der Küstenregion, eine Fläche doppelt so groß wie Frankfurt. Schließlich fielen auch noch die Kühlsysteme im Kraftwerk Fukushima Daiichi aus, in drei der sechs Reaktoren schmolzen die Kerne.

Nach der Apokalypse

Deutschland ließ sich von diesem Unglück derart schockieren, dass die Kanzlerin den Atomausstieg und die Energiewende verkündete, eine Entscheidung, mit deren Folgen sich das Land noch heute müht. In der deutschen Wahrnehmung wurde Fukushima zu einer postapokalyptischen Ödnis wie die ukrainische Geisterstadt Prypjat nahe Tschernobyl.

Eine Zeit lang traf dieses Bild durchaus zu. Rund 20.000 Menschen starben durch den Tsunami, Hunderttausende verloren ihr Zuhause. Alles im 20-Kilometer-Radius um das havarierte AKW wurde evakuiert und die Bevölkerung im nördlichen Teil Minamisōmas aufgefordert, die Gegend freiwillig zu verlassen. Die Einwohnerzahl fiel vorübergehend quasi auf null, das lokale Bruttoinlandsprodukt brach 2011 um fast 50 Prozent ein.