FinanzevolutionFinanzaufsicht öffnet sich der Fintech-Welt

Dirk Elsner© Sebastian Berger, Stuttgart

Dirk Elsner ist bei der DZ Bank Senior Manager Innovation und Digitalisierung. In dieser Kolumne äußert er seine private Meinung. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog BlickLog gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde.


Immer wieder hört und liest man, die Formulierung „Survial of the fittest“ auf Darwins Evolutionstheorie zurückgehe. Dass in der Natur immer nur der Stärkere überlebe und der Schwächere sterben müsse, rechnen viele zu den folgenreichsten Erkenntnissen, die je ein Forscher zu Papier gebracht hat. Sie geht allerdings nicht auf Charles Darwin zurück, sondern auf den Soziologen Herbert Spencer. Nach Darwin überleben die Arten am ehesten, die ihrer jeweiligen Umwelt am besten angepasst sind – das müssen nicht unbedingt die stärksten sein.

Für das Überleben von Arten spielt also die Umwelt eine besondere Rolle. Zur Umwelt der Banken- und Finanzwelt gehören ganz wesentlich die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Interpretation dieser Regeln durch die Aufsichtsbehörden. Hier bedarf es besonders angepasster Fähigkeiten, denn bei meiner letzten Zählung kam ich auf mindestens acht Behörden, die das ganze oder bestimmte Teile des Finanzwesens kontrollieren und ergänzende Regeln aufstellen.

Im Zuge der Finanzkrise haben Banken eine Flut von Regulierungen über sich ergehen lassen müssen. Eine wirkliche Debatte über die Zweckmäßigkeit bestimmter Ausprägungen der Finanzmarktregulierung hat dabei kaum oder nur in Fachzirkeln stattgefunden. Erst in jüngster Zeit regen sich mehr Stimmen gegen das bürokratische Ausmaß der Regulierung und Reportinganforderungen. Und mittlerweile ist sogar von der Bundesregierung zu hören, dass sie kleine Banken entlasten will.

Fintechs nehmen Regulierung ernst

Die strenge Regulierung hat aber nicht die Gründung zahlreicher finanztechnologischer Unternehmen (Fintech) verhindert, die das Bankgeschäft auf allen Ebenen verändern wollen. Für diese Fintechs gelten entgegen mancher Ansichten übrigens die gleichen Regelungen wie für Banken (siehe dazu auch diese Kolumne).

Fintechs nehmen die Regulierung ernst, zeichnen sich aber durch eine moderne Herangehensweise an die Produktentwicklung aus. Fintechs machen sich zunächst Gedanken über ihr Produkt und ein anwenderfreundliches Design und überlegen dann, wie sie aufsichtsrechtliche Anforderungen erfüllen können. Bei vielen Bankprodukten hat man dagegen den Eindruck, im Zentrum stünden die rechtlichen Anforderungen und drumherum werden dann die Leistungen gestaltet.

Eine Erlaubnis zum Betreiben bestimmter Finanzgeschäfte ist nicht einfach nur ein Stück Papier. Daran geknüpft sind viele organisatorische und technische Voraussetzungen sowie bei manchen Geschäftsarten eine bestimmte Mindestkapitalausstattung und weitere Anforderungen. Hat man die Erlaubnis für bestimmte Geschäftsarten erhalten, knüpfen sich daran Folgepflichten wie etwa Kontrollsysteme oder Meldepflichten. Die Einhaltung der zum Teil sehr komplexen Anforderungen wird regelmäßig überprüft.