Innovativste Unternehmen

InnovationFesto Didactic: Business Bildung

Das Festo Automation Center in Esslingen-Berkheimimago images / Sportfoto Rudel


Deutschlands innovativste Unternehmen: Aus knapp 1800 Kandidaten haben Capital und Statista 442 Innovationstreiber herausgefiltert. In unserer Artikelserie stellen wir Ihnen eine Auswahl der ausgezeichneten Unternehmen vor. Die komplette Auswertung im Überblick zeigt unsere Infografik


Wer sich Hans Jörg Stotz’ Werdegang anschaut, käme kaum auf die Idee, dass dieser Mann anderen Technik nahebringt. Philosophie und Kunstgeschichte stehen als Studienfächer in seinem Lebenslauf – nichts, was auf eine Qualifikation im Hightech-Sektor schließen ließe. Und doch leitet Stotz eine Art Schule der technischen Weiterbildung: die Festo Didactic. Das Unternehmen ist eine Tochter des Automatisierungstechnikherstellers Festo, der darauf spezialisiert ist, Maschinenparks zu modernisieren.

Das Unternehmen aus Esslingen hat früh verstanden, dass Umwälzungen wie der Einsatz von Robotern oder – neuerdings – künstlicher Intelligenz bedeuten, dass man die Menschen weiterbilden muss, die mit den neuen Maschinen arbeiten. Daraus entstand in den 1960er-Jahren die Didaktiksparte. Heute ist das Unternehmen in 60 Ländern aktiv und nach eigenen Angaben der weltgrößte Bildungsanbieter in der industriellen Automatisierung. 50.000 Lehrinstitute arbeiten mit Festo zusammen.

„Wir versuchen, neue Techniken möglichst schnell in die Didaktik einzubinden“, sagt Stotz. Unternehmen können die Schulungen buchen und ihre Belegschaften damit auf Kurs bringen. Zu den Kunden gehören Konzerne wie Siemens, Daimler oder Volkswagen.

„Alle bewegen sich wie auf Eiern vorwärts“

Festo hat die Fortbildungen mit einem Trick standardisiert: Im Angebot sind komplette Lernanlagen mit echter Technologie, die sich in Bausteinen zusammensetzen lassen. Die Unternehmen können sie dann in ihren Schulungsräumen nutzen. „Das ist wie Fischertechnik“, sagt Stotz. „Nur mit echten Industriekomponenten.“

Konkret kann das so aussehen, dass die Mitarbeiter eines Unternehmens in einer simulierten Fabrik mithilfe eines realen Roboters ein Produkt herstellen sollen. Womöglich wird dann der Zeitdruck erhöht oder die Vorgaben ändern sich, sodass die Schüler reagieren müssen. Stotz ist es wichtig, den Leuten die Furcht vor dem technischen Wandel zu nehmen. „Wir möchten die Leute aus der Angstphase in die Neugierphase bringen“, sagt er.

Die Digitalisierung, die auch den Maschinen- und Anlagenbau mit voller Wucht erfasst hat, erfordert schnelle Reaktionen. Die Berufsbilder ändern sich rasant, die Innovationszyklen verkürzen sich. Bei Festo haben sie deshalb nicht nur die Lerninhalte, sondern auch die Methoden umgestellt. Frontalunterricht findet kaum noch statt, die Teams müssen sich ihre neuen Fähigkeiten häufiger selbst erarbeiten – zwar unter Anleitung von Ingenieuren, aber doch bevorzugt eigenständig. Oft geht es darum, zu lernen, wie man auf Unvorhergesehenes reagiert.

Die Unternehmen wüssten zwar, dass der Wandel stattfindet, nur könne niemand genau sagen, wohin er führe, sagt Stotz: „Alle bewegen sich wie auf Eiern vorwärts.“ Das will er ändern. Im März wurde Festo Didactic für seine Arbeit mit dem Award „Digital Transformer of the Year“ ausgezeichnet.


Die Studie über die innovativsten deutschen Unternehmen ist in Capital 03/2020 erschienen. Wichtiger Hinweis: Die Untersuchung wurde vor Ausbruch der Corona-Pandemie durchgeführt. Zur Methodik: So wurden die innovativsten Unternehmen ermittelt
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