Autofrachter Was Sie über die Havarie der „Felicity Ace“ wissen müssen

Auf diesem Bild der portugiesischen Marine vom 18. Februar ist der in Brand geratene Frachter zu sehen
Auf diesem Bild der portugiesischen Marine vom 18. Februar ist der in Brand geratene Frachter zu sehen
© Marinha Portuguesa
Vor den Azoren hat das Frachtschiff „Felicitiy Ace“ Feuer gefangen. Mit an Bord: Rund 4.000 Autos von VW-Marken. Wie konnte das passieren? Und was sind die Auswirkungen?

Was ist passiert? 

Das riesige Frachtschiff „Felicity Ace“ war unterwegs von Emden nach Rhode Island, als es rund 170 Kilometer südwestlich der Azoreninsel Faial am Mittwochmorgen im Frachtraum ein Feuer ausbrach. Das 200 Meter lange Schiff war mit 4000 Autos des Volkswagen-Konzerns beladen, darunter 1100 Porsche-Fahrzeuge und fast 200 Bentleys. Der Hintergrund des Feuers ist unklar, die portugiesischen Behörden ermitteln. 

Wie geht es den Beteiligten? 

Die portugiesische Marine hat laut eigener Aussage die 22-köpfige Schiffbesatzung am Mittwoch mit Hilfe eines Militärhubschraubers und vier Handelsschiffen, die in dem Gebiet unterwegs waren, in Sicherheit gebracht und auf eine nahe gelegene Insel geflogen. Nach Angaben der Marine und von Volkswagen wurde niemand bei dem Rettungseinsatz verletzt. 

Wie ist die aktuelle Lage?  

Der Hafenkapitän von Horta auf der Insel Faial, João Mendes Cabeças, sagte der portugiesischen Zeitung „Público“ gestern, dass das Feuer zwar noch aktiv sei, aber keine Gefahr bestünde, dass es auf die Treibstofftanks des Schiffes übergreife. Das Schiff treibt führerlos auf dem Atlantik umher. Der Zivilischutzverband Vost Acores meldete am frühen Mittwochnachmittag, dass bislang keine sichtbaren Verschmutzungen im Wasser zu finden seien. Auf Twitter meldeten einige Nutzer, sie seien von ihrem Autohändler informiert worden, dass sich ihre bestellten Autos auf der „Felicity Ace“ befänden. Dabei gehe es um teure Sportwagen wie beispielsweise einen personalisierten Porsche Boxster Spyder im Wert von rund 100.000 Euro. 

Wie hoch ist der Schaden?  

Noch ist unklar, wie viel Inventar bei dem Feuer verloren gegangen ist oder ob man die Autos retten kann. Ausgehend von den Durchschnittspreisen der betroffenen Modelle könnte der Schaden um die 250 Mio. Euro betragen. Auf Capital-Anfrage wollte ein VW-Sprecher keine genauen Zahlen nennen. Das Unternehmen sei in Kontakt mit der Reederei des Frachtschiffes, um mehr Informationen über den Fall zu erhalten, hieß es. Klar ist: Allein für die aufwändige Bergung dürften weitere Millionenkosten anfallen.

Wer haftet? 

Volkswagen wollte sich auf Capital-Anfrage dazu nicht äußern. Der Konzern dürfte für derartige Transporte normalerweise eine Versicherung abgeschlossen haben, vermutet der Industrieversicherungsmakler Sven Hoffmann. Die Versicherung wiederum dürfte beim Reeder vorstellig werden, sei aber zunächst in der Pflicht. „Allerdings gibt es oft eine Maximierung im Vertrag, das heißt es könnte einen Eigenanteil für VW geben“, so Hoffmann gegenüber Capital.

Wie geht es jetzt weiter?  

Die portugiesische Marine hat das achtzig Meter lange Patrouillenboot „NRP Setúbal“ eingesetzt, dass bei dem Schiff bleibt und es überwacht. Hafenkapitän Cabeças sagte gestern, dass am Freitag zehn Experten aus einem niederländischen Bergungsunternehmen anreisen würden, um die „Voraussetzungen für das Abschleppen des Schiffes zu schaffen“. Der Plan ist, das Schiff in den Hafen von Horta zu bringen.  

Gab es schon ähnliche Havarien?  

Erst 2019 gab es einen ähnlichen Unfall, als das Containerschiff „Grande America“ einen rund zehn Kilometer langen Ölteppich verursachte, nachdem es 330 Kilometer vor der Küste Frankreichs Feuer gefangen hatte und anschließend gesunken war. Damals musste ein Spezialschiff zur Bekämpfung von Meeresverschmutzung anrücken. Das Schiff hatte ebenfalls viele Sportwagen mit an Bord.  


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