Duft-SpecialEs duftet nach Bestsellern


Fotos: Ragnar Schmuck
Styling: Thorsten Osterberger
Konzept & Text: Siems Luckwaldt


„Parfüm weckt die Gedanken“, drückte der französische Schriftsteller Victor Hugo einmal aus, was wohl jeder Leser schon einmal erlebt hat. Unser innerer Phantombildzeichner gibt einer Romanfigur ihr Gesicht, mit den Formulierungen des Erzählers als Google-Karte bewegen wir uns Seite um Seite durch fremde Welten. Und plötzlich, stimuliert durch lebensecht beschriebene Personen oder Orte stellen wir eine weitere sinnliche Verbindung mit einem Buch her: Wir riechen die Parfüms etlicher Bond-Girls bei Ian Fleming. Erfahren, dass für Anne Rice eine Hexe in „Merrick“ verführerisch nach Chanel No. 22 duftet. Werden in „Die Buddenbrooks“ auf symbolhafte Art an den Geruch von Verderbnis und Tod erinnert. Und im Prototyp einer Symbiose von Roman und Duft, Patrick Süskinds „Das Parfüm“, steigt uns über die Worte des Autoren der Duft der Blütenfelder von Grasse ebenso in die Nase wie der Geruch der grausigen Taten des Jean-Baptiste Grenouille.

Etwa 50.000 unterschiedliche Gerüche kann eine menschliche Nase unterscheiden, die in früheren Stadien der Evolution ein wichtiges Jagd- und Selbstschutztool war. Wir witterten fette Beute, Gefahr und mögliche Fortpflanzungspartner. Und kaum ein Verfasser – ob Thriller, Reisetagebuch oder Poesie – der die olfaktorischen Aspekte seiner Handlung links liegen ließe, die uns so stark ins Geschehen ziehen, wie die Bratenschwaden einen Zeichentrickhund über den TV-Bildschirm.

Autoren, die Gerüche oder konkrete Parfüms sinn- und Atmosphäre-stiftend in ihre Werke einbauen, sind die eine Facette. Eine andere sind Düfte als Hommage an einen Roman, Schriftsteller oder das Buch als Kulturgut. Mit „Paper Passion“ bannten etwa Verleger Gerhard Steidl und Parfümeur Geza Schoen vor Jahren das Aroma frisch bedruckter Bücher. Die Sweet Tea Apothecary hält „Dead Writers“ auf Vorrat, während die Demeter Fragrance Library das „Paperback“ feiert. Fans von George R.R. Martin schließlich fabulierten ein „Game of Thrones“-Parfüm herbei, mit Noten von Seegras, Rauch, Veilchen und Drachenblut. Noch ist aus der Fantasie allerdings kein Flakon geworden.

Armani Parfüm© Ragnar Schmuck

Bei Giorgio Armani lässt man sich zu Düften gern von Herrenbekleidung inspirieren. Für das weiche „Eau de Cèdre“ stand angeblich ein Samtjackett Pate. So eins, wie man es tragen würde, wenn einen „Der große Gatsby“ zu einem seiner rauschenden Feste eingeladen hätte. 100 ml Eau de Toilette, circa 90 Euro, für ihn

Palladium-Flakon von Porsche Design© Ragnar Schmuck

Sieht aus wie eine Kreuzung aus Smartphone und dem Supercomputer HAL 9000: der „Palladium“-Flakon von Porsche Design. Also liest man dazu am besten „2001 – Odyssee im Weltraum“ von Arthur C. Clarke. Kristallklare Zitrusnoten und Ozon als Zutat unterstreichen die Weltraum-Coolness. 100 ml Eau de Toilette, circa 80 Euro, für ihn