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Preisauftrieb Warum das Ifo-Institut eine Inflation von bis zu elf Prozent erwartet

Eine Frau steht vor einem Kühlregal im Supermarkt
Auch der Einkauf im Supermarkt ist teurer geworden: Im August lag die Inflationsrate in Deutschland bei 7,9 Prozent
Geringes Wachstum 2022 und eine leichte Rezession im kommenden Jahr: Das prognostiziert das Ifo-Institut. Die Inflation sehen die Ökonomen kurzfristig sogar noch höher als andere Konjunkturforscher

Es ist gar nicht so lange her, da wurden Inflationsraten um die drei Prozent als hoch bezeichnet. Die Konjunkturforscher des Ifo-Instituts taten es zuletzt im Dezember 2021. Damals prognostizierten sie eine Inflationsrate von 3,3 Prozent für das gesamte Jahr, ausgelöst von Lieferengpässen, getrieben durch Energie-und Rohstoffpreise.

Diese Zeiten sind nun endgültig vorbei. Der Leiter des Ifo-Zentrums für Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser, und seine Kollegen erwarten eine Inflation von elf Prozent im ersten Quartal 2023. Doch wie kommen sie auf diesen hohen Wert?

Der Energiepreisschock kommt erst noch

Die Energieversorger werden vor allem zu Jahresbeginn ihre Strom-und Gaspreise an die hohen Beschaffungskosten anpassen, schreiben die Ifo-Forscher. Die Einkaufspreise für Gas waren für die Versorgungsunternehmen zwischenzeitlich um das Zehnfache gestiegen. Aufgrund der Vertragsstruktur vieler Gasanbieter können sie die Preise aber erst verzögert an die Kunden weitergeben. Sie sind daher laut dem Verbraucherportal Verivox bisher erst um das Dreifache gestiegen. Und solange Gas im Einkauf teuer bleibt, werden die Versorgungsunternehmen die Preise immer weiter erhöhen müssen.

Die Ökonomen anderen Wirtschaftsforschungsinstitute, die in den vergangenen Wochen ihre Konjunkturprognosen veröffentlichten, erwarten aus diesem Grund ebenfalls eine hohe Inflation. Das Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) prognostiziert wie das Ifo-Institut einen Höhepunkt der Preissteigerungen im ersten Quartal 2023, allerdings mit einer Inflationsrate von 10,5 Prozent. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet schon zum Ende des Jahres 2022 mit Inflationsraten von mehr als 10 Prozent. Diese, so heißt es in der IfW-Prognose, dürften bis weit in das Jahr 2023 bestehen bleiben.

Das Ifo erwartet, dass auch die Kerninflationsrate, also Energie- und Nahrungsmittelpreise ausgenommen, hoch bleibt. Denn im kommenden Jahr könnten auch die Löhne steigen, weil dann immer mehr neue Tarifverträge abgeschlossen würden. Das könnte auch den Konsum anregen.

Höhere Lohnabschlüsse, weniger Kaufkraft

Die Menschen in Deutschland werden laut der Prognose des Ifo-Instituts und anderer Institute im kommenden Jahr aber trotz steigender Löhne weniger Kaufkraft haben. Denn das Gehaltsplus wird bei den meisten wohl zu einem großen Teil von der Inflation geschluckt werden. Erst, wenn die Energiepreise sich eingependelt haben, wird die Inflation langsam wieder sinken. Für das gesamte Jahr 2022 wird sie wohl noch hoch bleiben. „Erst 2024 erwarten wir eine Normalisierung mit 2,4 Prozent Inflation“, sagt Wollmershäuser.

Dann könnte sich mit der Kaufkraft auch die Wirtschaft langsam wieder erholen. Bis dahin steht das Land vor einer Zeit der wirtschaftlichen Stagnation bei hoher Inflation.


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