Podcast Die Zukunft des Computers ist analog

Bernd Ulmann ist Professor an der Hochschule für Oekonomie & Management in Frankfurt
Bernd Ulmann ist Professor an der Hochschule für Oekonomie & Management in Frankfurt
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„Meine wirkliche Leidenschaft gehört der Idee des Analogrechnens“, sagt der Informatiker Bernd Ulmann. Im NTV-Podcast „So techt Deutschland“ spricht er über das Potenzial analoger Rechner. Bekommt die Digitaltechnik Konkurrenz aus der Vergangenheit?

Künstliche Intelligenz, Blockchain oder Social Bots – Die Zukunft ist digital. Aber wie digital ist eigentlich Deutschland? Im Podcast „So techt Deutschland“ gewähren die besten Digitalexperten Einblicke in die Tech-Szene.

Ab Mitte der 1980er-Jahre verdrängte digitale Computer zunehmend analoge Rechner. Die Digitaltechnik galt als effizienter und sie war kostengünstiger. Doch stimmen die Argumente noch?

Bernd Ulmann erzählt im Podcast, dass man sich einen Analogrechner dem Problem entsprechend zusammenbaut. Berechnungen werden (meistens) mit mechanischen Vorgängen ausgeführt. Anders digitale Rechner: Das benötigte Programm für die zu lösende Aufgabe beinhaltet eine Unzahl von Schleifen und Abfragen. Die Berechnungen werden in einzelne Schritte geteilt und nacheinander durchgeführt. Ulmann hält das für eine Verschwendung von Energie.

Das Potenzial der Analogrechner

Analoge Rechner haben einen geringen Energieverbrauch. Zudem seien sie kaum zu hacken, da sie ohne Software und Algorithmen arbeiten. Gleichzeitig haben Analogrechner eine extrem hohe Rechenleistung. Im medizinischen Bereich könnte das von großem Nutzen sein, meint Ulmann. Medizinische Implantate beispielsweise würden „so wenig Energie verbrauchen, dass sie keinen Energiespeicher mehr brauchen“. Aus der Wärme des Organismus würden sie ein Leben lang ausreichend Energie ziehen können. Ohne analoge Rechner, sagt Ulmann , sei Zukunftstechnologie nicht denkbar.

Nun ginge es darum, die doch eher großen Analogrechner physisch so zu komprimieren, dass sie auf einen Chip passen. „Das ist mein Ziel“, sagt Ulmann. „Nicht meins alleine, das Ziel meines Teams.“ Aber wie bekommt man es hin, dass Analogrechner so klein werden wie die heutigen Digitalrechner? „Was die Technologie betrifft, werden das die gleichen integrierten Schaltkreise wie im Digitalrechner sein.“

Ulmann ist keinesfalls ein Gegner der digitalen Rechner. Ganz im Gegenteil – die Zukunft liegt für ihn in einer Mischung aus analoger und digitaler Technologie. Ein Digitalrechner ist eine Allzweckwaffe, ein analoger sei ein Spezialrechner. „Ein Analogrechner ist in einigen Gebieten so gut, dass es töricht wäre, ihn nicht einem Digitalrechner zur Seite zu stellen, damit er den Digitalrechner unterstützt.“

Mehr von der hybriden Nutzung und den Schwierigkeiten eines Hardware-Start-ups erzählt Bernd Ulmann in der neuen Folge des NTV-Podcast „So techt Deutschland“ .

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