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Glyphosat-Klagen Die Unbelehrbaren: Bayer klebt an Roundup

Das Bayer-Kreuz in Leverkusen
Bayer: Der Monsanto-Deal wird immer teurer
© IMAGO / Future Image
Bayer kassiert die nächste juristische Niederlage in Sachen Glyphosat. Doch Einsicht zeigt der deutsche Chemieriese immer noch nicht: Eisern verteidigt der Konzern sein Festhalten an dem Unkrautvernichtungsmittel

Keine Frage: Der Frust bei Bayer ist riesig. Lange hatte der Konzern gehofft, die leidigen Glyphosat-Klagen endlich abhaken zu können. Der Supreme Court, das höchste US-Gericht, so die Hoffnung, würde ihm dabei helfen. Doch das Gericht nahm den Antrag auf Revision nicht an. Klären sollten die Richter, ob es rechtens war, dass der Bayer-Konzern 25 Mio. Dollar Schmerzensgeld an den krebskranken Kläger Edwin Hardeman zahlen muss. (Dazu hatte ein Bundesgericht in San Francisco Bayer 2019 verurteilt, auch die Berufung verlor der Dax-Konzern.) Die US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) stufte Glyphosat jedoch als unbedenklich ein und erachtet einen Warnhinweis als irreführend.

Auf den Punkt gebracht: Hätte Bayer einen Krebswarnhinweis auf sein Unkrautvernichtungsmittel Roundup (mit dem Wirkstoff Glyphosat) geklebt, wäre das illegal gewesen. Aber der Warnhinweis hätte Bayer vermutlich davor geschützt, Schadensersatz zu zahlen. So wie das auch in der Tabakindustrie der Fall ist: einfach draufkleben, dass Nikotin tödlich sein kann, und dann verkaufen. Mit einem feinen Unterschied: Es ist bis heute nicht bewiesen, ob Roundup krebserregend ist.

Vor Krebs warnen verboten, aber dennoch für einen Krebserkrankten Millionen zahlen, dass dies in sich widersprüchlich ist – da hat Bayer durchaus einen Punkt. Doch der Konzern hat die Rechnung ohne die US-Politik gemacht. Die nämlich hatte offensichtlich kein Interesse, Bayer juristisch zu helfen und sich Ärger von zehntausenden potenziellen Klägern einzuhandeln. Im Mai hatte das US-Justizministerium dem Supreme Court geraten, den Fall abzulehnen.

Bayer begreift es nicht

Nun müssen 30.000 Klagen, die der Konzern auf Halt gestellt hatte, verglichen werden. 4,5 Mrd. Dollar hat der Konzern für diese und mögliche künftige Klagen bereits zurückgestellt. Diese Summe kommt auf die 11,5 Mrd. Dollar, die Bayer bereits für 107.000 Klagen in den USA an Entschädigung gezahlt hat, noch obendrauf.

Dennoch ist die Reaktion des Konzerns nicht sonderlich klug. Die Kehrtwende der US-Regierung wird als Abkehr von wissenschaftsbasierter Regulierung beanstandet: „Diese könnte die Ernährungskrise in ohnehin schwierigen Zeiten verschärfen und Nachhaltigkeitsziele gefährden.“ Das klingt fast wie eine Drohung und hat in diesen Tagen einen faden Beigeschmack. Fast bockig klingt es auch, wenn Bayer in seiner Stellungnahme verkündet, „weiterhin vollständig hinter den Roundup-Produkten zu stehen“, die überall auf der Welt ein wichtiges Mittel für eine effiziente Landwirtschaft seien. Und dem „die verantwortlichen Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt“ bestätigen würden, „dass glyphosatbasierte Herbizide sicher und nicht krebserregend sind“.

Langsam nämlich müsste der Konzern doch begriffen haben, dass die Skepsis gegenüber glyphosatbasierten Produkten fortbesteht. Dass das Festhalten an diesen Produkten mit hohen Rechtsrisiken verbunden ist. Dass die Fusion mit Monsanto im Jahr 2018 ein teures Abenteuer war, bei dem die Rechtsrisiken fahrlässig ausgeblendet wurden. Addiert man zum Kaufpreis von Monsanto im Jahr 2016 (63 Mrd. Dollar) die Kosten für Entschädigungen, beläuft sich der Preis für die Übernahme auf fast 80 Mrd. Dollar.

Immerhin: Für US-Hobbygärtner wird Bayer die glyphosatbasierten Unkrautvernichter Ende des Jahres vom Markt nehmen. Ab nächstem Jahr wird es „neue Formulierungen mit alternativen Wirkstoffen“ geben. Das ist Teil eines Fünf-Punkte-Plans, mit dem Bayer künftige Klagen an der Wurzel bekämpfen will. Denn fast alle Klagen kamen von Privatnutzern – Landwirte oder sonstige Großnutzer zogen so gut wie nie vor Gericht. Die Profis-Nutzer müssen deshalb auch weiter auf Alternativen warten.


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