Davos 2019Die Lage der Welt erklärt in sieben Bildern…

# 1 USA gegen China – mehr als Trumps Theater

Der legendäre Hedgefonds-Manager und Philanthrop George Soros gibt jedes Jahr in Davos ein Abendessen. In diesem Jahr nutze er das Dinner zu einer großen Attacke auf China: „Xi Jinping ist der größte Feind der offenen Gesellschaft“, sagte Soros.
Der legendäre Hedgefonds-Manager und Philanthrop George Soros gibt jedes Jahr in Davos ein Abendessen. In diesem Jahr nutze er das Dinner zu einer großen Attacke auf China: „Xi Jinping ist der größte Feind der offenen Gesellschaft“, sagte Soros.

Über der gesamten Weltwirtschaft schwebt derzeit der Konflikt zwischen den USA und China. Das ist nicht neu; wichtig aber ist zu verstehen, dass dieser Clash weit über Donald Trump hinausgeht. Er ist nur Vortänzer und Maskottchen einer wohl epochalen Auseinandersetzung, die mehr ist als ein Handelskonflikt. Es ist ein Ringen zweier Mächte und Systeme um Hegemonie. Deshalb war es auch Thema Nummer eins in Davos: Der Konflikt bestimmt und überlagert alles, und eine Einigung würde auf einen Schlag die große Anspannung aus der Weltwirtschaft nehmen.

Allerdings wird der Konflikt, selbst bei einer Lösung des Zollstreits, nicht vorbei sein: Die Kritik an China geht bis weit in das liberale Lager, am deutlichsten kam sie in diesem Jahr von dem Hedgefonds-Manager George Soros: China, sagte der Philanthrop bei einem Abendessen, sei die größte Bedrohung für die offene Gesellschaft seit langem – durch die Kombination aus autoritärem Regime und technologischem Können. „Xi Jinping ist der größte Feind der offenen Gesellschaft“, sagte Soros. Vor einem Jahr noch hatte Xi, zumindest rhetorisch, der Weltgemeinschaft in Davos die Hand ausgestreckt und verkündet, dass China die Lücken füllen werde, die die USA unter Trump erzeugen. Ein großer PR-Coup.

In diesem Jahr fehlten die Amerikaner in Davos wegen des Shutdown, aber China stand fast überall am Pranger. Trumps Fehler sei, dass er seine Verbündeten attackiere, statt sich auf China zu konzentrieren, sagte Soros. Aber: „Die Trump-Administration hat eine recht kohärente Strategie gegenüber China entwickelt.“ Das spürt die gesamte Welt, und erst wenn sich beide Großmächte verständigt haben, hat die Weltwirtschaft eine große Sorge weniger.

#2 Großbritannien braucht ein neues Referendum

Ausgerechnet mit diesem Motiv warb das Königreich an mehreren Stellen in Davos, hier im Eingang des Steigenberger Belvédère. Oder war das nur der berühmte englische Humor?
Ausgerechnet mit diesem Motiv warb das Königreich an mehreren Stellen in Davos, hier im Eingang des Steigenberger Belvédère. Oder war das nur der berühmte englische Humor?

Neben dem Handelskonflikt zwischen den USA und China war der Brexit das zweite wichtige Thema in den berühmten Atemzügen, mit der man einmal die Sorgen des Erdballs umfasst. Es ist natürlich schwer zu sagen, was Tausende Menschen wirklich denken – in vielen Diskussionen allerdings wurde der Wunsch nach einem neuen Referendum klar. Was aber soll man die Menschen fragen? Nun, es gibt jetzt drei Optionen (Mays Deal, No Deal, Remain), zwischen denen sie wählen können. Beatrice Weder di Mauro, bis 2012 eine der deutschen Wirtschaftsweisen, regte das sogenannte „Single transferable vote“ an. Bei dem System der übertragbaren Einzelstimmgebung können Wähler eine Rangfolge von Optionen erstellen, was zu einer besseren Repräsentation des Wählerwillens führt. Zu kompliziert? Immerhin ein Vorschlag in einer verfahrenen Situation.

Möglich, dass der Wunsch nach einem Referendum wieder Wunschdenken einer abgehobenen Elite ist. Aber deshalb muss es nicht falsch sein. Dem britischen Parlament kommt nun eine Schlüsselrolle zu. Das Unterhaus erfährt ja derzeit viel Verachtung, weil es nur beschließt, was es nicht will. Allein Peter Altmaier äußerte in Davos Respekt gegenüber dem Parlament. „Ich bin sehr beeindruckt, wie jeder Abgeordnete derzeit mit sich ringt“, sagte der  deutsche Wirtschaftsminister.