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Demonstration für mehr Klimaschutz in München
Demonstration für mehr Klimaschutz in MünchenGetty Images

Vor einigen Tagen fand auf dem Berliner Ku’damm eine Aktion gegen SUV-Fahrer statt. Es gab Blockaden, SUVs wurden mit orangenen Absperrbändern umkreist, Fahrer zur Rede gestellt.

Nun könnte man sagen, dass in Berlin ja seit einiger Zeit so einiges merkwürdig ist und aus der Bahn gerät und das Durchdrehen von der Regierung selbst vorgelebt und eingefordert wird. Ich habe über diese Aktion nachgedacht und finde, wenn wir uns schon gegenseitig unsere diversen Schadstoffausstöße ankreiden, dann bitte richtig.

Wir benötigen Aktionen für den Klimaschutz:

  • vor den Schaltern von Easyjet, Ryanair & Co.
  • überhaupt an Schaltern von Inlandsflügen und gegen Senatoren und HON-Circle-Members
  • vor Nespresso-Geschäften
  • vor Häusern mit Öl-Heizung (man könnte Wachen bei Öllieferungen aufstellen und den Tanklaster blockieren)
  • vor ungedämmten Häusern
  • vor Starbucks, Coffee Fellows, Balzac – im Grunde allen Coffee-to-go-Läden und Bäckereien
  • vor Supermärkten, um die (Plastik-)Einkaufstaschen zu kontrollieren
  • an Fleischtheken und auf Grillwiesen
  • vor Ein-Euro-Läden, die Plastik aus China verkaufen

Ich könnte ewig weiterschreiben (was mich auch etwas erschrickt, weil es durchaus Spaß macht). Sie sehen, wohin das führt. Aber: Es gibt ja Stimmen, die solche Ein- und Übergriffe durchaus gutheißen.

Nun gehöre ich zu jenen Menschen, bei denen ein freiheitliches Herz noch zuckt bei solchen Aktionen, auch wenn man sich zusehends isoliert fühlt. Doch selbst, wenn es für so etwas Großes wie den Klimaschutz ist, hält diese Aktion, bei der man andere nötigt, kaum einem kategorischen Imperativ stand. Oder übersehe ich da was?

Ist Konsum nur scheinbar frei?

Vor einigen Tagen saß ich im Zug neben einem Professor mit Rauschebart aus Tübingen, der sich wohl mit dem Thema befasste, denn beim Stibitzen auf seinen Laptop las ich den Satz: „Konsum ist nur scheinbar frei.“ Ich habe seitdem über diesen Satz nachgedacht, und musste feststellen, dass da etwas dran ist. Unser Konsum wird an vielen Stellen reguliert, verboten oder eingeschränkt; wir dürfen Alkohol erst ab 18, Waffen oder Drogen gar nicht oder allenfalls unter strengen Auflagen und Medikamente nur auf Rezept kaufen. Wir dürfen nicht überall rauchen und nicht zu jeder Tageszeit auf der Straße trinken.

Auch unser Verhalten ist nicht vollkommen frei: Wir dürfen nicht nackt auf dem Ku‘damm herumspazieren, überall 200 km/h fahren, nachts den Rasen mähen, im Stadtpark zelten und vor Einfahrten parken. Unser Leben ist also seit jeher voll von Einschränkungen und Verboten. Darf man also, und das ist ja die Frage der nächsten Jahre, im Namen des Klimaschutzes die Freiheit weiter einschränken und Verhalten regeln und regulieren?