VerschuldungDas könnte die größte Blase der Welt sein

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Motor der Weltwirtschaft

Man kann gar nicht sagen, dass die neuen Schulden nichts bewirkt hätten: Der steile Aufstieg vieler Techkonzerne, die gigantischen Übernahmen wie zuletzt Bayer-Monsanto und die rasante Entwicklung Chinas seit 2008 (die wiederum die deutsche Wirtschaft mitgezogen hat) wären ohne Schulden undenkbar gewesen. Schulden befeuerten den Welthandel, sie füllten die Auftragsbücher, schufen Investitionen und Jobs, heizten die Löhne an und trieben Aktienkurse. Aber es bleiben Schulden. Und mehr noch als bei Staaten stellt sich bei Unternehmen jedes Quartal und mit jeder neuen Bilanz die bange Frage: Kann dieses Unternehmen seine Schulden zurückzahlen?

Henrik Muhle treibt diese Frage täglich um. Es ist sein Beruf. Der 43-Jährige ist Vorstand der Fondsgesellschaft Gané und verwaltet gemeinsam mit seinem Kollegen Uwe Rathausky einen Fonds mit 2,5 Mrd. Euro Volumen. Normalerweise streift er gern durch Innenstädte und sucht nach Hinweisen auf gute Investments: neue Filialen einer aufstrebenden Parfümeriekette zum Beispiel, in denen die Leute Schlange stehen. Doch die letzten Jahre bewegte ihn mehr, was er nicht sah: die großen Bilanzskandale. Er erinnert sich noch an die Pleiten und Betrügereien der Nullerjahre: an Enron und Worldcom, an Madoff, Tyco und natürlich Lehman Brothers. „Und heute? Gibt es seit Jahren nahezu nichts. Die großen Pleiten, Betrugsfälle, Bilanzskandale – sie sind quasi verschwunden“, sagt Muhle.

Der Fondsmanager hat eine Theorie entwickelt: Die Bücher zu frisieren, Anleger um Milliarden zu betuppen, existenzielle Risiken einzugehen – das sei mitnichten vorbei. „Aber das viele Geld, global verfügbar zu Nullzinsen, kleistert alles zu und schleppt alles durch“, sagt er.

Auf seinen Wegen durch Frankfurt kommt Muhle oft an so einem Kandidaten vorbei, McDonald’s ist ja unvermeidbar. Immer voll, immer was los. Das Unternehmen war lange eine Erfolgsgeschichte, stets krisenfest. Trotzdem stimmt mit der Burgerkette etwas nicht.

Schon vor einigen Jahren bekam die Geschichte Risse. So große Risse, dass man den Vorstandschef Anfang 2015 rauswarf. Der Umsatz war im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr um vier Prozent gesunken, der Nettogewinn um 15 Prozent, die Zahl der Kunden ging ebenfalls zurück, und neue Wettbewerber kamen auch noch hinzu.

Unter Nachfolger Steve Easterbrook tat sich operativ nicht viel: Der Umsatz nahm in fünf Jahren um 17 Prozent ab, der operative Gewinn stieg um kümmerliche vier Prozent, die Kundenzahl sank weiter. Doch die McDonald’s-Aktie legte in der Zeit um 80 Prozent zu. Wie das?

Easterbrook lieh sich ab 2015 massenhaft Geld, die Zinsen waren niedrig. So verdoppelte er McDonald’s Schulden von 14 auf 29 Mrd. Dollar. Das Tafelsilber verscherbelt er, das Eigenkapital – einst 13 Mrd. Dollar im Jahr 2014 – ist heute negativ, die Schulden übertreffen das Vermögen. Der Zinsdeckungsgrad ist gesunken und der Nettokassenbestand ebenfalls.

Dafür kaufte der Konzern eigene Aktien zurück – in nie da gewesenen Dimensionen. Für 6 Mrd. Dollar 2015, für 11 Mrd. Dollar 2016 und noch mal für 5 Mrd. Dollar 2017. Das pumpte nicht nur den Aktienkurs auf, es reduzierte auch die Zahl der ausstehenden Aktien. Zwar stieg der operative Gewinn nur um vier, der Gewinn je Aktie indes um 35 Prozent.