DiamantenSo verändert sich das Geschäft mit Diamanten

An der Diamantenbörse in Tel Aviv wird ein Diamant begutachtet
An der Diamantenbörse in Tel Aviv wird ein Diamant begutachtetJonas Opperskalski

Üblicherweise herrscht Optimismus auf der Mining Indaba. Wenn sich Afrikas Bergbauindustrie, eine der Erfolgsbranchen des Kontinents, zum Jahrestreffen in Kapstadt trifft, werden Lobreden gehalten, Schultern geklopft, Deals gemacht. Im Frühjahr 2018 aber schlagen die Vertreter des Diamantenbusiness einen anderen Ton an. „Wir erleben einen Kannibalismus durch synthetisch erzeugte Diamanten“, sagt Phillip Barton, Südafrika-Chef des Edelsteingiganten De Beers. „Das ist eine Herausforderung, eine Bedrohung, noch nicht sehr groß, aber sie wächst.“

„Noch vor wenigen Jahren haben wir die Bedrohung durch Zuchtdiamanten nicht sehr ernst genommen“, sagt ein namibischer Händler. „Und plötzlich produziert da jemand einen perfekten Fünfkaräter!“

Diamant, griechisch adámas, bedeutet unbezwingbar. Das härteste Material, das in der Natur vorkommt, ist ein mythischer Stoff. Jahrhundertealte Legenden umranken die kostbarsten der Steine, Diamanten symbolisieren Macht, Reichtum, Schönheit, Liebe – so ziemlich alles, was der Mensch begehrt.

Synthetisch hergestellt werden Diamanten schon seit den 50er-Jahren. Lange aber eigneten sich die Ergebnisse nur für industrielle Zwecke, für Bohrwerkzeuge oder Medizintechnik, nicht für Juwelen – dafür waren sie nicht dick, nicht rein genug. Seit ein paar Jahren aber kommen aus den Laboren Diamanten in Schmuckqualität, billig und in praktisch unbegrenzter Zahl.

Was macht das aus einem Gut, dessen Wert stets in seiner Seltenheit lag? In einem Markt, der ohnehin im Umbruch ist, weil neue Wettbewerber den Ex-Monopolisten De Beers bedrängen? „Ich bin seit 30 Jahren in der Branche“, sagt Phillip Barton von De Beers, „und der Wandel ist atemberaubend.“

Capital hat die weltweite Diamantenbranche unter die Lupe genommen – in Südafrika, Israel, Indien und im Schwarzwald. Und dabei auch dem Technologiesprung nachgespürt, der am Ende dieser Geschichte den mächtigen De-Beers-Konzern zu einem Strategiewechsel zwingen wird – auch wenn dessen Vertreter das beim Branchentreffen in Kapstadt noch von sich weisen.

Das größte aller Löcher

Einst die wichtigste Diamanten­mine der Welt: „The Big Hole“ im südafrikanischen Ort Kimberley
Einst die wichtigste Diamanten­mine der Welt: „The Big Hole“ im südafrikanischen Ort Kimberley (Foto: Flickr.com / CC BY 2.0)

Als Kimberley 1882 elektrische Straßenlaternen bekam, gab es weltweit nur eine weitere Stadt, die schon welche hatte: Philadelphia. Heute deutet auf die einstige Vorreiterstellung des südafrikanischen Orts kaum noch etwas hin. Außer das Loch. Es gilt als das größte, das Menschen je mit Händen gegraben haben: The Big Hole, 17 Hektar groß, gelegen im Herzen der Stadt, die um die Mine herumwuchs. 14,5 Millionen Karat Rohdiamanten haben Bergleute hier ausgebuddelt – ein Karat sind 0,2 Gramm, macht 2,9 Tonnen. Jahrzehntelang war die Kimberley-Mine die bedeutendste Diamantenmine der Welt.

Der 15-jährige Bauernjunge Erasmus Jacobus fand 1866 beim Spielen am Ufer des Flusses Oranje einen glitzernden Kiesel, der sich bei näherem Betrachten als Diamant entpuppte. Bald durchstreiften Prospektoren das Gebiet. Eine dieser Gruppen hatte einen Koch angeheuert, der, weil ständig betrunken, allen auf die Nerven ging. Um ihn für ein paar Tage loszuwerden, schickte man ihn im Mai 1871 zum Diamantensuchen auf einen akazienbestandenen Hügel. Als er zurückkam, klimperte es in seiner Tasche.