RankingDeutschlands Ruf als Arbeitgeberland hat gelitten

Tesla-Baustelle in Grünheide: Der US-Autobauer hat sich für Deutschland entschieden, bei anderen Unternehmen steht Deutschland nicht mehr so hoch im Kurs IMAGO / Jochen Eckel

Deutschland ist in der Rangliste der attraktivsten Arbeitgeberländer um zwei Plätze auf Rang vier gesunken. An der Spitze stehen Kanada, die USA und Australien, Deutschland bleibt jedoch die Nummer eins unter den nicht-englischsprachigen Ländern, wie aus der Studie „Decoding Global Talent“ der Managementberatung Boston Consulting Group (BCG), der Online-Jobplattform StepStone und des globalen Jobbörsennetzwerks The Network hervorgeht, für die 208.000 Arbeitnehmer aus 190 Ländern befragt wurden. Auch an der Spitze gab es einen Wechsel: Kanada verdrängte die USA von Rang eins, Australien verbesserte sich von Platz sieben auf drei.

Das Ranking zeigt auch einen Zusammenhang zur Pandemiebekämpfung: „Länder, die die erste Welle der Corona-Pandemie erfolgreich bewältigen konnten, haben im internationalen Vergleich zugelegt“, sagte StepStone-CEO Sebastian Dettmers. Dazu zählten asiatische Länder wie Singapur, Japan und Neuseeland. „Den entgegengesetzten Effekt sehen wir bei jenen Staaten, die im Frühjahr 2020 hart von Covid-19 getroffen wurden – etwa Italien, Spanien oder Frankreich.“

Städteranking: Berlin weltweit auf Platz vier

Die Corona-Pandemie führt derweil zu einer weiteren Entwicklung: Immer weniger Arbeitnehmer wollen außerhalb ihres Heimatlands arbeiten. Im Jahr 2018 gaben noch 57 Prozent der Befragten an, für den Job ins Ausland gehen zu wollen, mittlerweile sind es nur noch knapp 50 Prozent. 2014 waren es noch 64 Prozent gewesen. In Deutschland wollen sogar nur 45 Prozent der Arbeitnehmer im Ausland arbeiten – im Vergleich zur vorherigen Erhebung ein Minus von zehn Prozentpunkten.

Die beliebtesten Zielländer der Deutschen sind die Schweiz, Österreich, USA und Kanada. Nach Deutschland wollen vor allem Beschäftigte aus Österreich, Osteuropa und der Türkei. International betrachtet zeigen sich 57 Prozent der Befragten jedoch offen dafür, aus der Ferne für einen Arbeitgeber aus dem Ausland zu arbeiten. Diese Bereitschaft lag bei den deutschen Befragten mit 47 Prozent deutlich niedriger.

Im Städteranking bleibt London bei internationalen Arbeitnehmern die beliebteste Metropole, gefolgt von Amsterdam und Dubai. New York sank von Platz zwei auf Rang acht. Neben Dubai gewannen Abu Dhabi, Tokio und Singapur dazu. Die beliebteste Stadt in Deutschland bleibt Berlin, weltweit kam die Hauptstadt auf den vierten Platz (2018: Rang drei). Hinter Berlin folgen in Deutschland München (Platz 26) und Hamburg (35).

Berlin bei Digitalexperten hinter London und New York

Die Studie „Decoding Digital Talent“ hatte bereits 2019 gezeigt: Für Digitalexperten bleibt Deutschland der zweitbeliebteste Arbeitsmarkt der Welt und ist damit der attraktivste nicht-englischsprachige Jobstandort. Besonders beliebt ist Deutschland bei Digitalexperten aus Südosteuropa, Iran, Mexiko und Nordafrika. Im Ranking der weltweit populärsten Städte landet Berlin in dieser Berufsgruppe auf dem dritten Rang hinter London und New York. Als weitere deutsche Stadt ist München auf dem 16. Platz vertreten.

Durchschnittlich 67 Prozent der Digitalkräfte wären bereit, im Ausland zu arbeiten, insbesondere Beschäftigte aus Großbritannien, Indien und Iran. Dort würden mehr als 70 Prozent für den Job auswandern. Bei den deutschen Digitalexperten liegt diese Bereitschaft bei 62 Prozent. Beliebteste Zielländer für sie sind die USA, die Schweiz, Großbritannien und Kanada. Die attraktivsten Städte im Ausland sind für Deutsche London, Amsterdam, New York, Zürich und San Francisco.

Für „Decoding Digital Talent“ befragten StepStone, BCG und The Network 27.000 Beschäftigte aus 180 Nationen. Als Digitalexperten definiert die Studie Arbeitnehmer mit Expertise in Bereichen wie Künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning, Datamining, Entwicklung mobiler Apps, Programmieren oder digitales Marketing.

 

 


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