GastkommentarDeutschland braucht seine Start-ups

Deutschland ist in der digitalen Welt gut positioniert. Im Vergleich der 15 wichtigsten IT-Standorte der Welt liegt Deutschland auf Platz fünf (laut Monitoring Report Digitale Wirtschaft 2013). Die IKT-Branche in Deutschland, die selbst mehr als 900.000 Menschen beschäftigt, wirkt signifikant auf die Beschäftigung in anderen Bereichen. So sichern 1000 Arbeitsplätze im IKT-Bereich 941 weitere Stellen in vorgelagerten Branchen. Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind heute oft die wichtigsten Treiber für Innovation und neue Geschäftsmodelle in der gesamten Wirtschaft. Im Maschinenbau beträgt der Wertschöpfungsanteil der IKT-Systeme bereits rund 50 Prozent.

Digitalisierung und Vernetzung prägen die Produktion der Zukunft. Neue servicebasierte Geschäftsmodelle entstehen. Deshalb müssen wir klassische deutsche Industriekompetenzen mit digitalen Technologien koppeln und die Maschinen und Produkte stärker miteinander vernetzen. Bei dieser sogenannten vierten industriellen Revolution muss Deutschland eine weltweit führende Rolle einnehmen.

Brigitte Zypries
Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium
© Bundesregierung/Bergmann

Unsere Industrie, ja die gesamte Volkswirtschaft, braucht für die Digitalisierung und Vernetzung Impulse von motivierten Gründerinnen und Gründern und den Start-ups. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat über die letzten Jahre ein umfangreiches Angebot zur Start-up-Förderung aufgebaut. Der High-Tech Gründerfonds, der Gründerwettbewerb „IKT innovativ“ und Förderprogramme wie „EXIST“ oder der „German Accelerator Silicon Valley“ haben mit dazu beigetragen, dass sich in Deutschland eine Start-up-Szene herausgebildet hat, die internationale Ausstrahlungskraft besitzt.

Über den nationalen Tellerrand blicken

Insbesondere Berlin hat eine erstaunliche Dynamik entwickelt und zählt heute neben dem Silicon Valley, London und Tel Aviv zu den weltweiten „Hot Spots“. Doch auch Hamburg, die Rhein-Main-Region, das Softwarecluster mit Darmstadt und Walldorf und auch München können im europäischen Vergleich durchaus punkten.

Dabei zeigt der „German Accelerator Silicon Valley“, wie wichtig es ist, über den eigenen nationalen Tellerrand zu schauen. In der zweiten Jahreshälfte 2014 werden wir einen neuen Standort des Accelerators in New York City eröffnen. Mittelfristig sollen so jeweils 24 Start-ups für drei bis sechs Monate ins Silicon Valley und zwölf Start-ups nach New York gehen.

Die Fördermöglichkeiten für Start-ups werden wir weiterentwickeln und dabei Empfehlungen des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ des BMWi zur Verbesserung der Wachstumsbedingungen für junge Unternehmen berücksichtigen. Zum einen werden wir die Startchancen für Technologie-Start-ups deutlich verbessern. So wird der Gründerwettbewerb IKT-innovativ fort entwickelt. Im Rahmen der Neugestaltung des Förderprogramms EXIST bekommen die Gründerteams aus den Hochschulen und Forschungseinrichtungen mehr Geld für Investitionen. Dies ist insbesondere für Gründerteams aus dem Bereich Energie oder Cleantech notwendig, da diese häufig Demonstrationsanlagen oder Prototypen erstellen müssen.

Finanzierungsangebote für Start-ups verbessern

Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) baut häufig auf die EXIST-Förderung auf. Aufgrund seiner guten Akzeptanz am Markt ist es dem HTGF gelungen, für Anschlussfinanzierungen seiner Portfoliounternehmen zahlreiche private Venture Capital Investoren aus dem In- und Ausland zu gewinnen. In diesen ersten Finanzierungsrunden spielen auch Business Angels eine wichtige Rolle. Sie stellen den jungen Unternehmen nicht nur das dringend benötigte Kapital zur Verfügung, sondern unterstützen sie mit ihrem Know-how und ihren Kontakten. Da in Deutschland im internationalen Vergleich nur wenige Business Angels aktiv sind, hat das BMWi im vergangenen Jahr die Maßnahme „INVEST – Zuschuss für Wagniskapital“ gestartet. INVEST soll der deutschen Business Angels-Szene einen Schub verleihen, um das Finanzierungsangebot für innovative junge Unternehmen zu verbessern.

Handlungsbedarf sehe ich auch bei den steuerlichen Rahmenbedingungen. Die Bundesregierung hat sich zum Beispiel dafür eingesetzt, dass INVEST von Ertragssteuern befreit wird, damit der Zuschuss seine Anreizwirkung vollständig entfalten kann. Im Rahmen des diesjährigen Jahressteuergesetzes soll eine entsprechende Regelung umgesetzt werden, die rückwirkend für den Veranlagungszeitraum 2013 gelten soll.

Wir beobachten, dass Unternehmen ins Ausland abwandern, da sie dort bessere Finanzierungsbedingungen vorfinden. Damit berauben wir uns Innovationskraft, die andernorts Dynamik entwickelt. Daher prüfen wir, ob die Einführung eines neuen Börsensegments zu einer Wiederbelebung von Börsengängen führen kann.

IT-Gipfel im Oktober

Die Bundesregierung hat zu Beginn der Legislaturperiode eine „digitale Offensive“ ausgerufen. Deutschland soll im Bereich IKT Wachstumsland Nr. 1 in Europa werden. Im Sommer wird die Bundesregierung eine Digitale Agenda 2014–2017 beschließen, die dafür die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen soll. 

Auf dem nächsten IT-Gipfel am 21. Oktober 2014 in Hamburg werden wir mit der Wirtschaft und Wissenschaft über die Umsetzung der Digitalen Agenda diskutieren. Dabei wird die Stärkung der Digitalen Wirtschaft, insbesondere die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Gründer und Start-ups, im Mittelpunkt stehen.