KolumneDeutsche Commerzkrank 

Christian Kirchner
Christian KirchnerGene Glover

In diesen Tagen wird in Frankfurt viel geredet über die mögliche Fusion zwischen der Commerzbank und Deutscher Bank. Das ist kein Wunder: Wessen Kurse so stark unter Druck stehen – seit Jahresbeginn verlor die Commerzbank-Aktie 26 Prozent an Wert, die der Deutschen Bank gar 36 Prozent – dem ist, erstens, ein wenig Fusionsgerede womöglich ganz Recht.

Zweitens, so ist zu hören, haben auch Berlin und die Aufseher ihre zuvor eher fusionsskeptische Haltung aufgegeben. Warum? Das hängt, drittens, eng zusammen mit einem möglichen Szenario, das vermutlich ursächlich auch für den Kursverfall in diesem Jahr ist: Dass die Konjunktur in Deutschland und der Eurozone zu schwächeln beginnt oder man gar in die nächste Rezession gleitet, noch ehe die Zinsen wieder steigen und die Banken mit ihren aktuellen Spar- und Umbauplänen fertig sind. Mit entsprechenden Folgen für die Zinserträge – die klettern in diesem Szenario wider Erwarten doch nicht. Und auch für die Risikovorsorge für faule Kredite – die von ihrem aktuell extrem niedrigen Niveau in diesem Szenario wieder anstiege.

Billigt man diesem Szenario – kein Zinsanstieg aber eine Eintrübung der Konjunktur – eine gewisse Wahrscheinlichkeit zu, wäre eine Fusion naheliegend, um wenigstens kostenseitig Spielräume zu gewinnen. Andernfalls bräuchte man womöglich nicht nur zwei, sondern bald drei Hände, um die Zahl der Kapitalerhöhungen der beiden Banken in der jüngeren Vergangenheit zu zählen.

Kosten sind zu hoch

Spekulation? Mitnichten. Laut den aktuellen Zinsprognosen ist mit einem wieder positiven Einlagezins bei der EZB oder gar einer nachhaltige Zinswende erst 2020 zu rechnen  – möglicherweise. Hier galt noch zu Jahresbeginn 2019 als realistisch. Und Skeptikern fällt eine Menge ein, was bis 2020 alles schief gehen könnte, selbst wenn beide Institute bei der Erreichung ihren internen Zielen vorankommen: Der Handelsstreit zwischen den USA und China etwa, Rückschritte in der Globalisierung, die Verunsicherung rund um den Brexit, die immer weiter steigenden US-Zinsen und die daraus resultierenden Schwierigkeiten für Schwellenländer. Und nicht weniger als die Frage, was all dies für das Geschäftsmodell Deutschlands als Kernmarkt hieße.

Was uns zu der Frage führt: Kann eine Fusion überhaupt die Lage signifikant verbessern? Kann sie kulturell gelingen zwischen zwei Instituten, in denen Sparrunden und Strategieschwenks eher die Ausnahme als die Regel sind?

Es gibt eine Reihe Hinweise darauf, dass schon die wichtigste Prämisse der Fusion, dass es zu signifikanten Kosteneinsparungen käme, fragwürdig ist. Denn die herausfordernde Ertragslage und der starke Wettbewerb im eigenen Land sind keineswegs neu. Doch haben die Banken darauf reagiert? Ja, sowohl bei der Deutschen Bank als auch der Commerzbank sind die Verwaltungskosten zuletzt etwas gesunken.

Aber nimmt man einmal Deutschland Großbanken als Ganzes und setzt sie in Relation zu den Bilanzsummen, dann sinken die Kosten nicht, sondern sie steigen. Jahr für Jahr, seit 2012, von seinerzeit noch 0,77 Prozent der Bilanzsummen auf nunmehr 1,06 Prozent, wofür die Banken in der Regel die Regulierung und Digitalisierungsinvestitionen verantwortlich machen. Nicht nur der Zinsüberschuss, auch der Provisionsüberschuss deutscher Großbanken sank zuletzt und damit auch die operativen Erträge, wie aus Daten des am Montag veröffentlichten Bundesbank-Monatsberichts hervorgeht. Entsprechend kletterte auch ihr Kosten-Ertrags-Verhältnis, kollabierte die Eigenkapitalrendite auf nur noch 2,9 Prozent im Jahr 2017. Gerade die Großbanken hatten zuletzt offenbar die größeren Schwierigkeiten, sich auf die neue Welt der Nullzinsen und der Margen- und Volumenschlacht einzustellen, die inzwischen bei Bau- und Firmenkrediten in Deutschland tobt.