AnalyseDeutsche Bank: Das Leiden geht weiter

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank erhielt im vergangenen Jahr rund 6,2 Mio. Euro. Sein Grundgehalt lag bei 3,4 Mio. Euro, der Rest entfielt auf aktienkursbasierte Gehaltsbestandteile.dpa

Sprengkraft ist an diesem Sonntag ein Thema, das viele Frankfurter bewegt: Im Stadtteil Ostend müssen an diesem Wochenende 16.500 Bewohner ihre Wohnungen verlassen, weil der Kampfmittelräumdienst am Sonntag eine Weltkriegsbombe entschärfen muss – während nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt die Gremien der Deutschen Bank zusammentreten.

Die ebenfalls brenzlige Aufgabe: Die malade Lage von Deutschlands größtem Geldhaus entschärfen, einen Plan finden, um das Geldhaus mit dem blauen Logo zurück in die Spur zu hieven.

Es ist, wie ein Kenner im Vorfeld formulierte, „die letzte Chance für die Deutsche Bank“.

Der Ex-Weltkonzern steckt seit Jahren in der Krise, die Aktie kostete zeitweise weniger als eine Zigaretten-Schachtel, ihr Wert fiel auf unter sechs Euro. Seit Wochen war erwartet worden, dass der Dax-Konzern bald einen Plan vorlegt, um zu gesunden – oder es zumindest zu versuchen.

Am späten Sonntagnachmittag – gut 50 Minuten, nachdem die Weltkriegsombe entschärft ist – legt die Bank ihren Plan vor, den Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing als „echten Neustart“ bezeichnet. Es sei die „umfassendste Transformation der Bank seit Jahrzehnten“, lässt er sich in einer Pressemitteilung zitieren.

Tatsächlich ist das Vorhaben umfassend: Bis 2022 sollen gut 18.000 Vollzeitstellen wegfallen, die Kosten um 6 Milliarden Euro sinken. Zudem streicht die Deutsche Bank im Investmentbanking ihr Handelsgeschäft zusammen, aus dem Handel mit Aktien will sich die Bank gleich ganz verabschieden.

Daneben schafft sie ein neues Geschäftssegment, in dem sie die die Transaktionsbank und das Geschäft mit Firmenkunden in Deutschland zusammenführt. Obendrein will sie eine Abbaueinheit gründen, in der sie Vermögenswerte im Umfang von fast 75 Milliarden Euro bündelt, die sie nicht mehr brauchen kann.

Gleichzeitig kostet der Umbau drei Vorstandsmitglieder die Posten: Bereits am Freitag musste Investmentbank-Vorstand Garth Ritchie gehen, ihm folgen jetzt Privatkundenchef Frank Strauß und Regulierungsvorständin Sylvie Matherat.

Das Problem ist nur, dass sich das Drama, die ganze Tragik der Deutschen Bank in einem Satz zusammenfassen lässt: Der Umbau ist wichtig, richtig und notwendig, er macht die Situation besser – aber die Lage ist deshalb längst noch nicht gut, sie wird bloß weniger schlimm.