EssayKarriere - Der Ausstieg beginnt im Kopf

Immer mehr Menschen fragen sich nach dem Sinn ihrer Arbeit. Sie stellen sich die Frage, ob dies bereits alles war, was einem das Berufsleben zu geben vermag. Sicher, das ist ein Luxusproblem der heutigen Zeit, und es ist auch nicht auf alle Arbeitnehmer übertragbar. Und dennoch kommt fast jeder in seinem Berufsleben einmal an den Punkt, an dem er sich mit dieser Frage beschäftigt. Bei manchen ist das früher der Fall, bei anderen später.

Häufig enden diese inneren Dialoge, die das Für und Wider einer beruflichen Veränderung abwägen, bereits vor der ersten Hürde. Es braucht nicht allzu viel Vorstellungsvermögen, dass es sich dabei um das Thema Finanzen handelt. 

Allein der Gedanke, heute nicht genau zu wissen, was wir an Altersrente zu erwarten haben, löst ein kollektives Unbehagen in weiten Teilen der Gesellschaft aus. Da überrascht es nicht, dass bei vielen vermeintlich unzufriedenen Arbeitnehmern plötzlich alles in neuem Lichte erscheint, sobald sie ernsthaft über einen Um- oder Ausstieg im Job nachdenken. „Nein, so schlimm ist es dann doch wieder nicht. Und überhaupt sollte man dankbar sein, Arbeit zu haben“, sagen sie sich dann.

Zufrieden, latent unzufrieden, unzufrieden

Capital 08/2014
„Wie lange will ich arbeiten“ – Titelthema der neuen Capital

So gehen die inneren Dialoge dann in die zweite Runde – und enden häufig in einer Sackgasse. Zweck-Opportunismus stellt sich ein. Und die Freiheit der Gedanken an eine bessere berufliche Zukunft bleibt eine Illusion, die – wenn überhaupt – nur für Andere möglich ist. Die Rückkehr in den bewährten Modus der Berufsalltagsroutine ist die logische und notwendige Konsequenz.

Stark vereinfacht lassen sich mit Blick auf die Arbeitszufriedenheit drei Kategorien von Arbeitnehmern unterscheiden. Typ A sind Menschen, die mit ihrem Berufsleben zufrieden sind und sich erfüllt fühlen. Sie sind beim für sie richtigen Arbeitgeber, in der richtigen Aufgabe oder haben ihre berufliche Erfüllung – man kann auch sagen: ihr Glück – in einer selbstständigen Tätigkeit gefunden. Wer als Berater und Trainer in vielen Unternehmen unterwegs ist, der erlebt, dass dieser Typ Arbeitnehmer immer seltener wird.

Menschen vom Typ B begleitet im Joballtag eine latente Unzufriedenheit, die sie aber geschickt ausblenden. Es gibt noch genügend kleine Lichtblicke, die den „Schmerz“ erträglich machen. Noch.

Typ C steht für Menschen, die sich in ihrer beruflichen Unzufriedenheit eingerichtet haben. In den meisten aller Fälle besteht dieser Zustand bereits seit Jahren. Konstruktiv-kritische Fragen an den Status quo und danach, was bestimmte Entwicklungen im Job mittel- und langfristig für sie selbst bedeuten, stellen sie sich nicht mehr. Auch die Frage nach möglichen beruflichen Alternativen ist tabu.