Kolumne Das merkwürdige Geschrei der Metro-Manager

Im Dauerkonflikt mit ihrem Großaktionär Erich Kellerhals finden die Metro-Vorstände schon seit Jahren keine Lösung. Von Bernd Ziesemer
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Wenn die Eigentümer sprechen, sollten die angestellten Manager schweigen. An diese Regel halten sich so gut wie alle großen Konzerne. Vorstände haben die Äußerungen ihre Aktionäre nicht öffentlich zu kommentieren. Punkt. Intern können (und sollen sie sogar) Stellung nehmen, aber eben nicht auf offener Bühne. Die einzige Ausnahme ist seit Jahren die Metro AG. Im Dauerkonflikt mit dem Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals liefern sich die Manager des Konzerns immer wieder öffentliche Redeschlachten.

Letzte Woche war es mal wieder so weit: Kellerhals hatte die Metro-Manager mal wieder genervt – dieses Mal mit einer Klage gegen die abgespaltene Tochter Ceconomy (Media Markt, Saturn). Der Chef des Elektronikhändlers, Pieter Haas, reagierte mit einer Schimpfkanonade: Das Verhalten des Mit-Eigentümers Kellerhals sei „peinlich“, „skurril“ und schädige das Geschäft. Mehr noch: Der angestellte Manager Haas höhnte, die ständigen Störfeuer seien seit Jahren das „Hobby“ des Milliardärs.

Nun kann man die Wut des Ceconomy-Chefs ein Stück weit verstehen. Das Verhalten des Miteigentümers zeigt seit einiger Zeit querulatorische Züge. Seit sich Kellerhals ausgebootet fühlt bei seinen „Babies“ Saturn und Media Markt, nutzt er jede Chance, die Metro-Manager gehörig vorzuführen. Nicht immer geht es dabei noch um die eigentliche Sache: die großen Mitspracherechte, die sich Kellerhals beim mehrheitlichen Verkauf seiner Firmen von der Metro einräumen ließ.

Kellerhals lässt sich nicht abschütteln

Der Streit mit Kellerhals wäre aber wohl niemals so eskaliert, wenn sich die Metro-Manager nicht auf Wortschlachten in der Öffentlichkeit eingelassen hätten. Der Fehler geht weit zurück: Der frühere Metro-Chef Eckhard Cordes, der den Konzern von Ende 2007 bis Ende 2011 verwaltete, wollte seinen ungeliebten Partner kalt ausmanövrieren. Gegen dieses Vorgehen wehrte sich Kellerhals völlig zu Recht. Und Cordes war es auch, der sich die ersten öffentlichen Schimpfereien mit dem verhassten Kontrahenten lieferte. Von da an ging es mit dem Verhältnis zwischen der Metro und Kellerhals kontinuierlich bergab.

Wie vielen Unternehmensgründern ging und geht es Kellerhals in Wahrheit vor allem um die Anerkennung seiner großen Lebensleistung. Er fühlte sich von Cordes schlichtweg missachtet und zeigt dem Konzern seitdem seine Folterwerkzeuge vor. Es war letztlich das schnöselige und kurzatmige Treiben von Cordes, das aus kleinen Streitereien mit Kellerhals einen großen Konflikt machte. Seit nunmehr mehr als fünf Jahren erweisen sich die Beteiligten als unfähig, wieder zu einem einigermaßen normalen Umgang miteinander zurückzufinden.

Die Ausgliederung von Ceconomy war der letzte große Versuch der Metro-Spitze, Kellerhals abzuschütteln. Das ist, wie man letzte Woche erneut sehen konnte, nicht gelungen. Ruhe geben wird Kellerhals erst, wenn sich die angestellten Manager der Metro wieder auf ihre eigentliche Rolle besinnen – auch wenn es ihnen schwerfällt. Ceconomy-Chef Haas sollte seine Wut künftig lieber herunterschlucken und seine Worte wägen.

Bernd Ziesemerist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.

Weitere Kolumnen von Bernd Ziesemer: Zu hartes Urteil gegen VW-Manager, Wolfsburger Szenen wie im Weißen Haus, Warum VW Stadler und Müller feuern sollte und Zu viele abgekühlte Aufsichtsräte

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