BrasilienDarum könnte es mit Brasiliens Wirtschaft wieder bergauf gehen

Brasiliens Wirtschaft bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Brasiliens Wirtschaft bleibt hinter den Erwartungen zurück. Pixabay

Für Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro war es ein wichtiger Sieg: Seine geplante Rentenreform hat am 10. Juli die erste Hürde im Parlament genommen. Brasilianische Arbeitnehmer sollen dadurch schrittweise später in Rente gehen – Männer mit 65 Jahren, Frauen mit 62 Jahren. Die Rentenreform gilt als Vorzeigeprojekt des rechtskonservativen Präsidenten, der seit Anfang des Jahres im Amt ist. Er will damit den maroden Staatshaushalt retten. Der führende brasilianische Aktienindex Bovespa-Index kletterte bei dieser Nachricht auf mehr als 105.800 Punkte, seinen höchsten Wert seit mehr als einem Jahr. Zwar muss das Gesetz noch ein zweites Mal vom Parlament verabschiedet und dann vom Senat abgesegnet werden – doch Marktbeobachter sehen in der Reform bereits einen Hoffnungsfaktor für Brasiliens Wirtschaft.

Das brasilianische Parlament hatte den Gesetzesentwurf mit breiter Mehrheit angenommen. Thierry Larose von Vontobel Asset Management ist nicht überrascht, dass diese Nachricht die Märkte aufleben lässt. Die Reform ebne „den Weg für erhebliche staatliche Einsparungen und eine Verbesserung der Schuldenquote des Landes“, sagt der Portfoliomanager. Die brasilianische Regierung will in den nächsten zehn Jahren umgerechnet rund 250 Mrd. Euro bei den Rentenausgaben sparen. Larose hält es nach dem Etappensieg der Rentenreform für wahrscheinlich, dass auch die geplante Steuerreform und die Liberalisierungsagenda von Präsident Bolsonaro auf fruchtbaren Boden fallen.

Die Wirtschaftsleistung bleibt hinter den Erwartungen zurück

Auch Senioranalyst Hans Christian Bachmann von der dänischen Sydbank glaubt, dass eine erfolgreiche Rentenreform den „Startschuss zu einem erhöhten Wachstum“ geben könnte. Darüber hinaus vermutet er, dass die Zentralbank nun bald die Zinsen senken könnte, um die brasilianische Real-Währung nicht allzu stark werden zu lassen. Die Wirtschaftsleistung in dem Land ist seit Bolsonaros Amtsantritt hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Schon jetzt liegt der Leitzins in Brasilien verhältnismäßig tief bei 6,5 Prozent.

Eine weitere Lockerung der Geldpolitik würde Brasiliens Wirtschaft ankurbeln. Davon ist auch Marcelo Assalin vom niederländischen Vermögensverwalter NN Investment Partner überzeugt. Sollte der Leitzins wegen der Reform sinken, dürfte das „den lokalen Aktien- und Rentenmärkten Rückenwind verschaffen, die Portfolioströme ankurbeln und zu einem bereits robusten Außenhandelsbilanzgefüge beitragen.“

Freihandelsabkommen mit EU

Nicht nur auf nationaler Ebene gibt es Hoffnungsschimmer für Brasiliens Wirtschaft: Ein Freihandelsabkommen mit der EU könnte für weiteren Schwung sorgen. Am 28. Juni hatten sich die EU und die Mercosur-Staaten – bestehend aus Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay – auf ein gemeinsames Abkommen geeinigt, das die gegenseitigen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen stärken sollte. Es beinhaltet unter anderem wichtige wirtschaftliche Reformen in den Mercosur-Ländern. „Das sind natürlich großartige Nachrichten für Unternehmen, Arbeitnehmer und die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks, die jährlich Zölle im Wert von über vier Milliarden Euro einsparen“, kommentierte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. „Damit ist es das größte Handelsabkommen, das die EU je abgeschlossen hat.“

Es war zunächst unklar, ob Brasiliens Präsident Bolsonaro dem Abkommen zustimmt, da er als Trump-freundlich gilt und eher an einer engeren Beziehung mit den USA interessiert gewesen sein dürfte. Dass es mit dem Abkommen dann doch klappte, war vor allem seinem neoliberalen Wirtschaftsminister Paulo Guedes zu verdanken. Ob Bolsonaro das Freihandelsabkommen nun gewinnbringend für sein Land nutzen kann, bleibt abzuwarten.