Kommentar Condon-Rücktritt bei Bayer: Einer geht, einer kommt, einer bleibt

Liam Condon: Der gebürtige Ire war seit 2016 Mitglied des Vorstands von Bayer und stand an der Spitze der Division Cropscience.
Liam Condon: Der gebürtige Ire war seit 2016 Mitglied des Vorstands von Bayer und stand an der Spitze der Division Cropscience.
© Alexander Gehring und Paula Winkler
Fünf Jahre nach der Monsanto-Übernahme tritt Bayers Agrarchef Liam Condon zurück. Er zählte zu den Machern des Deals. Bayer-CEO Baumann hingegen bleibt – und neuer Leiter der Agrarsparte wird ein ehemaliger Monsanto-Mann

Nein, es war kein Rücktritt aus heiterem Himmel. Lange schon gab es Gerüchte, dass der Ire Liam Condon, Chef der Bayer-Agrarsparte, gehen könnte. Die Geschäfte mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln liefen da nur mäßig, die Agrarsparte schlechter als die der Konkurrenz. Der Aktienkurs – eine Enttäuschung. Eine Belastung blieb bis zuletzt die milliardenteure juristische Auseinandersetzung um den Unkrautvernichter Glyphosat in den USA. Schlechter ging es kaum noch. Und so machte der Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann auch keinen Hehl daraus, dass es so nicht weiter gehen könnte.

Für all das war Condon mitverantwortlich. Er war einer der Macher der Monsanto-Übernahme im Jahr 2016, vor der viele gewarnt hatten und mit der Bayers Probleme begannen. An ihm war es, die beiden Konzerne zu verschmelzen, Menschen und Mentalität, aber auch Maschinen und Produkte. Eine Aufgabe, die er nun als erledigt ansieht.

Die eigentlich treibende Kraft für die Akquisition aber war Werner Baumann, der CEO selbst, der die Fusion auf Biegen und Brechen wollte. Dass Baumann nun weitermacht, während Condon geht, ist offenbar auch eine Frage der Einstellung. Er wolle, so schreibt es Condon in einem Brief an die Mitarbeiter, wieder heraus aus der „Komfortzone“, einen neuen, schwierigeren Weg einschlagen. Wie gut und komfortabel die (Agrar)-Geschäfte bei Bayer in den nächsten Jahren tatsächlich laufen, dafür wird sein Nachfolger, der Brasilianer, Rodrigo Santos geradestehen müssen. Der kommt übrigens von Monsanto und kennt das Agrargeschäft in- und auswendig.

Condon probiert etwas Neues

Ein bisschen Hoffnung keimte heute dennoch auf. Bayer wartete mit guten Ergebnissen auf, die selbst die Analysten überraschten. So kletterte der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) im dritten Quartal um mehr als 16 Prozent auf 2,089 Mrd. Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 15 Prozent auf 9,78 Mrd., währungsbereinigt ein Plus von 14,3 Prozent. Und vor allem der Agrarsektor glänzte, 12 Prozent Umsatzplus von Januar bis September, eine Marge von 25 Prozent. Von der Konkurrenz setzt sich Bayer damit deutlich ab, die liegt bei rund 16 bis 19 Prozent.

Ein guter Tag für einen gelungenen Abgang. Dem engsten Kreis hatte Condon bereits im Sommer seine Entscheidung mitgeteilt, heute folgten Mitarbeiter, Investoren, Wegbegleiter. Mehr als 30 Jahre hat er für Bayer gearbeitet, neun Jahre das Agrargeschäft CropScience verantwortet. Nun ist er 53 Jahre und startet etwas anderes: neues Land, neue Branche. Den Job hat er schon sicher – wo es hingeht, verrät er aber noch nicht.

In dem Schreiben an die Mitarbeiter hat Liam Condon ein Gedicht von Robert Frost zitiert, das ihm, wie er sagt, bei wichtigen Entscheidungen im Leben geholfen habe: „Es könnte sein, dass ich dies seufzend sag, / Wenn Jahre und Jahrzehnte fortgeschritten: / Zwei Straßen gingen ab im Wald, und da – / Wählt’ ich jene, die nicht oft beschritten, / Und das hat allen Unterschied gemacht.“

Auf Linkedin , wo Condon seinen Abschied ebenfalls verkündete, ließ der Manager die beiden ersten Zeilen weg. Die Kunst des Aufhörens beherrscht er.

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