ExklusivChinesischer Milliardär warnt US-Regierung vor Handelskrieg

Milliardär Don Gao hat sein Vermögen mit Elektro- und Gartengeräten gemacht
Milliardär Don Gao hat sein Vermögen mit Elektro- und Gartengeräten gemachtFrederike Wetzels

Der Gründer und Eigentümer des chinesischen Elektrowerkzeugkonzerns Positec, Don Gao, hat vor den Folgen eines globalen Handelskrieges und wirtschaftlicher Abschottung gewarnt. Mit Blick auf die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Produkte aus der EU und China sagte der Milliardär im Interview mit Capital: „Wenn eine Regierung ihre Wirtschaft abriegelt, bringt sie das Land um die Möglichkeit, mit der Welt Schritt zu halten. So etwas schwächt ein Land.“

Cover der neuen Capital, die am 19. Juli erscheint
Cover der neuen Capital, die am 19. Juli erscheint

Schon vor 2000 Jahren habe sich China die chinesische Mauer ausgedacht, um sich abzuschotten, sagte Gao weiter. „Aber sie hat nie funktioniert, allenfalls für eine kurze Zeit. Langfristig hat sie uns geschadet. China war einst die führende Wirtschaft der Welt. Dann fiel das Land zurück und wurde von ausländischen Mächten gedemütigt. Wir haben 100 Jahre benötigt, um uns zu erholen.“ Auch den USA drohe auf lange Sicht ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, wenn sie sich einigelten, fügte er hinzu. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die klugen Köpfe in Amerika das nicht sehen.“

Nach Ansicht des Positec-Chefs, der vor einigen Monaten die Rechte an der deutschen Elektrogerätemarke Kress aus der Insolvenz übernommen hat, hat sich auch in Deutschland die Haltung gegenüber Investitionen aus China in jüngster Zeit deutlich verändert. „Ich spüre, dass viele im Westen sehr besorgt sind“, sagte Gao – unter anderem wegen der Pekinger Industriestrategie Made in China 2025 und der jüngsten Übernahmen westlicher Unternehmen durch chinesische Investoren.

Weiter sagte Gao: „Einige in Europa scheinen zu denken: In der Vergangenheit war Chinas wirtschaftlicher Aufstieg kein Problem, weil er nur auf Low-End-Technologie basierte. Aber was passiert, wenn die Strategie Made in China 2025 erfolgreich ist?“ Zwar verschärfe sich durch den Aufstieg Chinas der Wettbewerb. Zugleich wachse aber der Markt insgesamt. „Es wird nicht so sein, dass die eine Seite alles gewinnt und die andere alles verliert“, sagte der Unternehmer. „Was wir sehen werden, ist eine neue Balance.“

Der im Jahr 1994 gegründete Positec-Konzern aus Suzhou in der Nähe von Shanghai verkauft in erster Linie Elektro- und Gartenwerkzeuge wie Schleifmaschinen oder Mähroboter der Marken Worx und Kress. Der Exportanteil liegt bei rund 90 Prozent. Die Hälfte seines Umsatzes macht das Unternehmen in den USA.