Quartalszahlen Apple lässt die Techbranche aufatmen

Apples iPhone bleibt ein Verkaufsschlager
Apples iPhone bleibt ein Verkaufsschlager
© Bloomberg
Alles doch nicht so schlimm? Apple übertrifft mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen und legt wieder einmal ein Rekordergebnis vor. Die Lieferprobleme erwiesen sich als doch nicht so gravierend

Apple hat mit seinem Quartalsergebnis die die Schätzungen der Wall Street übertroffen. Die Zahlen markieren einen Sieg gegen die durch die Pandemie und die Chip-Knappheit verursachten Lieferkettenprobleme. Im nachbörslichen Handel legte die Apple-Aktie zu

Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, kletterte der Umsatz im ersten Quartal um 11 Prozent auf einen Rekordwert von 123,9 Mrd. Dollar. Analysten hatten im Durchschnitt mit 119,1 Mrd. Dollar gerechnet. Auch der Gewinn übertraf die Prognosen. Für das Märzquartal sagt der iPhone-Hersteller ein Umsatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich voraus.

Record Territory

Die überraschend guten Ergebnisse legen nahe, dass die Befürchtungen wegen Lieferschwierigkeiten übertrieben waren. Apple-CEO Tim Cook hatte Ende letzten Jahres gewarnt, dass Engpässe das Unternehmen während der wichtigen Weihnachtszeit mehr als 6 Mrd. Dollar Umsatz kosten könnte. Doch der Tech-Riese meisterte die Krise und profitierte von einer Flut neuer Produkte, darunter das iPhone 13, die Apple Watch Series 7 und neue Mac-Computer.

Im Sog der Techkrise

Die Apple-Aktie legte im nachbörslichen Handel um 5,8 Prozent auf 168,38 Dollar zu. Vor der Veröffentlichung des Quartalsberichts waren sie in diesem Jahr um 10 Prozent gefallen im Zuge eines allgemeinen Abschwungs. Im Jahr 2021 hatte die Aktie um 34 Prozent zugelegt.

Investoren blicken besonders gespannt auf Apple, um wieder Vertrauen in den Sektor zu fassen, nachdem Techaktien in letzter Zeit stark unter Druck geraten waren. Bedenken über eine rückläufige Umsatzentwicklung und die anstehenden Zinserhöhungen trugen im vergangenen Monat dazu bei, dass die Techbranche an Attraktivität verloren hat. Auch Apple geriet in Mitleidenschaft. Nachdem der Börsenwert des Unternehmens Anfang Januar die Marke von 3 Billionen Dollar überschritten hatte, ist der Konzern jetzt nur noch 2,6 Billionen Dollar wert.

Der Gewinn des Unternehmens aus dem kalifornischen Cupertino stieg im ersten Quartal, das am 25. Dezember endete, auf 2,10 Dollar pro Aktie und lag damit deutlich über den von Analysten geschätzten 1,90 Dollar.

Auf einer Telefonkonferenz sagte die Apple-Führungsriege, dass das Problem der Lieferengpässe im März-Quartal nachlassen werde, wobei sich das Wachstumstempo sowohl für das Gesamtgeschäft als auch für das Dienstleistungssegment verlangsame. Apple nannte zwar kein konkretes Umsatzziel, geht aber davon aus, dass es sich um einen Rekord für diesen Zeitraum handeln werde. Analysten rechnen mit einem Umsatz von mehr als 90 Mrd. Dollar. Die Bruttomarge wird nach Angaben von Apple zwischen 42,5 und 43,5 Prozent liegen.

Das iPhone bleibt ein Verkaufsschlager

Das Unternehmen gab außerdem bekannt, dass derzeit 1,8 Milliarden Apple-Geräte im Einsatz sind, 300 Millionen mehr als vor zwei Jahren. Die Zahl der bezahlten Abonnements von Apple und Drittanbietern auf seiner Plattform stieg von 745 Millionen im vorangegangenen Quartal auf 785 Millionen.

Das Unternehmen erzielte mit seinem Flaggschiff, dem iPhone, einen Umsatz von 71,6 Mrd. US-Dollar und übertraf damit die Schätzungen der Wall Street von 67,7 Mrd. US-Dollar. Das sind 9,2 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Verkaufszeitraum war das erste volle Quartal, in dem die Verkäufe des iPhone 13 in den Umsatz einflossen. Auf der Telefonkonferenz sagte Cook, dass die gesamte iPhone 13-Linie zu dem starken Wachstum beigetragen habe. Nicht spezifizieren wollte er, ob die Pro-Modelle stärker als die billigeren Versionen waren.

Das Smartphone ist im September 2021 in den Handel gekommen, einige Wochen früher als das iPhone 12 im Jahr zuvor. Obwohl das iPhone 13 eher als kleines Update der Modellreihe gilt, verkauft es sich hervorragend, weil die Nutzer auf 5G-Dienste aufrüsten wollen.

„Angebot und Nachfrage waren zum Quartalsende weitgehend im Gleichgewicht, und die Lieferungen nach China waren stark“, schrieb Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi in einer Notiz vor der Veröffentlichung der Ergebnisse.

Lieferprobleme beim iPad

Die Lieferengpässe für das iPhone 13 und andere neue Produkte, darunter die neuesten Macs und Apple Watches, hatten zu Lieferverzögerungen von mehreren Wochen geführt. In Apples letztem Quartalsbericht hieß es, dass die Probleme 6 Mrd. Dollar Umsatz gekostet hätten. Und der Konzern warnte, das Weihnachtsquartal werde noch schlimmer.

Vor diesem Hintergrund waren die Ergebnisse eine Erleichterung für die Investoren. Aber nicht alles lief rosig: Die Verkäufe des iPad blieben hinter den Prognosen zurück. Das Unternehmen hatte schon im letzten Quartal erklärt, dass dieses Gerät besonders stark von Lieferproblemen betroffen sei. Auch Japan erwies sich im letzten Quartal als Schwachstelle.

Das iPad brachte im ersten Quartal 7,25 Mrd. Dollar ein, die Schätzung lagen bei 8,1 Mrd. Dollar. Der Konzern brachte im Berichtsquartal das größte iPad mini-Update in der Produkthistorie auf den Markt und aktualisierte sein billigstes Tablet ein wenig, hatte aber Probleme, ausreichend Geräte zu liefern. Finanzvorstand Luca Maestri sagte, dass die iPad-Knappheit im Quartal „ausgeprägt“ gewesen sei. Einige der Engpässe seien darauf zurückzuführen, dass Apple wichtige Komponenten dem iPhone zugeteilt habe, ergänzte Cook.

Apple-CEO Tim Cook
Apple-CEO Tim Cook
© IMAGO / ZUMA Wire

„Dies ist unser achtes Quartal, in dem wir im Schatten der Pandemie Ergebnisse vorlegen“, sagte der CEO, „und obwohl ich nicht sagen kann, dass es einfacher wird, kann ich sagen, dass ich unglaublich stolz darauf bin, wie unsere Teams zusammengearbeitet haben.“

Das kommende Jahr dürfte im Hinblick auf neue Produkte noch größer werden. Wie Bloomberg berichtet, plant Apple die bisher umfangreichste Palette an Markteinführungen, darunter bereits in diesem Frühjahr ein neues iPhone SE und ein iPad Air mit 5G. Außerdem könnte es im Herbst aktualisierte Apple Watches, vier neue iPhones und mehrere Macs geben.

Während des Calls wurde Cook nach seiner Meinung zum so genannten Metaverse gefragt - einem Konzept, das von Facebook-Eigentümer Meta Platforms und anderen Rivalen vorangetrieben wird. Cook sagte, Apple investiere stark in Augmented Reality und wies darauf hin, dass AR-Apps bereits auf dem iPhone verfügbar seien. Das Unternehmen plant, im nächsten Jahr ein gemischtes Augmented- und Virtual-Reality-Headset auf den Markt zu bringen, wie Bloomberg berichtete. „Wir sehen in diesem Bereich ein großes Potenzial und investieren entsprechend“, sagte Cook.

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